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Kriegsgräberstätte Schönau am Königssee jetzt mit Geschichts- und Erinnerungstafeln
Schönau am Königssee. Nach Ingolstadt und Fürstenfeldbruck konnten am 27. März nun auch auf der Kriegsgräberstätte Schönau Geschichts- und Erinnerungstafeln der Öffentlichkeit übergeben werden.
16. April 2019
  • Oberbayern

Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Berchtesgaden hatten unter Leitung von Studienreferendarin Agnes Zauner Literatur ausgewertet und in Archiven recherchiert. Als Ergebnis ihrer Arbeit entstanden drei Geschichts- und Erinnerungstafeln, die die Geschichte der Kriegsgräberstätte beleuchten und das Schicksal von drei Kriegstoten exemplarisch hervorheben: Kurt Schmidt, Gustav Kastner-Kirdorf und Johann Lhotzky.
Kurt Schmidt war Pilot gewesen, der im April 1944 über Fürholzen im Landkreis Freising abgeschossen worden war. Das Wrack seiner Maschine wurde 69 Jahre später von den Lokalhistorikern Marco Grätz und Ernst Keller wiedergefunden; die anschließende Recherche führte zu einer tragischen Familiengeschichte: Die noch lebenden Schwestern erfuhren erst von den Historikern vom Tod ihres Bruders. Der Vater wollte der Mutter die Nachricht vom Tod ihres Sohnes ersparen und verschwieg die Todesnachricht in der Familie.
Mit Gustav Kastner-Kirdorf liegt auch ein General auf der Kriegsgräberstätte. Seit 1943 war er Chef des Amtes für Vollstreckungs- und Gnadensachen der Luftwaffe. In Anbetracht der Tatsache, dass allein von Oktober 1943 bis Dezember 1944 mehr als 500 Angehörige der Luftwaffe hingerichtet wurden, lässt sich erahnen, welch schreckliche Verantwortung dieses Amt mit sich brachte. Kastner-Kirdorf beging Selbstmord, als die Alliierten am 4. Mai 1945 in Berchtesgaden einrückten.
Dass das Sterben nicht mit dem 8. Mai 1945 endete, zeigt das Schicksal von Johann Lhotzky. Er hatte den Krieg überlebt und wollte zu seiner Familie zurück, als an der Grenze bei ihm die Tuberkulose festgestellt wurde. Er wurde in die Lungenheilanstalt eingewiesen, wo er schließlich im September 1947 der Krankheit erlag.
Die Festredner - der Schul- und Bildungsreferent des Volksbundes in Bayern Maximilian Fügen, Otto Radlmeier (Vorsitzender des Kreiskrieger- und Soldatenverein Freising, der die Schirmherrschaft über den Film übernommen hat, der im Zuge des Auffindens des Flugzeugwracks von Kurt Schmid entstanden war), sowie der Kreisvorsitzende des Volksbundes im Berchtesgadener Land, der Stv. Landrat Rudolf Schaupp - hoben in ihren Reden die Bedeutung der Erinnerung an die Kriegsopfer hervor. Anschließend wurden die Geschichts- und Erinnerungstafeln durch den Berchtesgadener Bürgermeister Franz Rasp und der 3. Bürgermeisterin Elisabeth Rasp aus Schönau am Königssee enthüllt.
75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges haben nur noch wenige Menschen persönliche Beziehungen zu den Kriegsopfern. Dies birgt die Gefahr, Frieden für selbstverständlich zu halten. Mit den von den Schülern erarbeiteten Erinnerungstafeln werden Schicksale greifbarer und sie laden dazu ein, sich mit der Geschichte zu befassen. So können Kriegsgräberstätten zu Lernorten der Geschichte werden.
Projektleiterin Agnes Zauner und die Schülerinnen und Schüler berichteten von ihrer Arbeit und der Auseinandersetzung mit der Geschichte und den Folgen der beiden Weltkriege: „Wir konnten neue Einblicke in die Geschichtswissenschaften gewinnen“, sagte der Schüler Johannes Kerknak, er habe erkannt, dass „jedes Opfer seine eigene Geschichte erzählt.“ Peter Dutge sprach über den Sinn und die Geschichte der Kriegsgräberstätte Schönau: „Die Kriegsgräberstätte soll Kriegsopfer zusammenführen und an das Ereignis erinnern.“ Und die Schülerin Elisabeth Bruckmann war von den Schicksalsschlägen der auf der Kriegsgräberstätte Bestatteten berührt. Sie stellte fest, dass ein Drittel der Beigesetzten erst nach dem Krieg ums Leben kamen. Johann Lhotzky, dessen Tochter bei der Veranstaltung anwesend war, überlebte den Krieg, verstarb später aber an Tuberkulose im Krankenlager Bischofswiesen. „Er war ein Familienvater, der an den Kriegsfolgen starb“, sagte die Schülerin. Doch habe sie auch mit Blick auf das Schicksal von General Kastner-Kirdorf gelernt, dass „nicht nur Opfer, sondern auch Täter hier begraben liegen“.
Nach der Enthüllung durch die beiden Bürgermeister gab es ein Totengedenken auf der Kriegsgräberstätte und die Möglichkeit für alle Anwesenden und Angehörige Blumen und Kränze auf den Kriegsgräbern niederzulegen.
Im Anschluss an die Veranstaltung auf der Kriegsgräberstätte ging es in die Jägerkaserne nach Bischofswiesen. Dort wurde das Sammlungsergebnis, dass im letzten Jahr im Zuge der Kriegsgräbersammlung durch die Bundeswehr und der verbundenen Kriegervereine des Berchtesgadener Landes gesammelt wurde (60.348,98 €), symbolisch übergeben und die eifrigen Sammler der Bundeswehr geehrt.
Der Bezirksgeschäftsführer des Volksbundes, Artur Klein, nutzte die Gelegenheit um festzustellen, dass mit den Veranstaltungen des heutigen Tages der Volksbund gezeigt habe, dass er auch im hunderten Jahr seines Bestehens sein Motto erfüllt: Gemeinsam für den Frieden. Er verwies auf die landkreisübergreifende Beteiligung; die Teilnehmer seien nicht nur aus dem Berchtesgadener Land, sondern auch aus Traunstein, Freising, Ebersberg und Altötting. Weiterhin zeige die Veranstaltung, wie der Volksbund generationenübergreifend für den Frieden arbeite. Der älteste Teilnehmer der Veranstaltung, Franz Oswald senior, schilderte die Verluste, die seine Familie durch den Krieg ertragen musste. Einer seiner Brüder ist in Italien gefallen, er ruht auf der Kriegsgräberstätte Costermano, sein anderer Bruder ist in Russland vermisst. Er habe Glück gehabt; zwar habe er links sein Auge und das Gehör verloren, doch war seine Zeit damals noch nicht gekommen und so kann er Anfang Mai seinen 95. Geburtstag feiern. Gerne habe er für die Geschichts- und Erinnerungstafeln des Volksbundes gespendet und weiter führte er aus: "Das wird nicht meine letzte Spende gewesen sein."