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Vom Zweiten Weltkrieg zum Mauerfall – Fünf Jahrzehnte deutsche Geschichte
Lehrkräfte aus NRW erkunden Erinnerungsorte in und um Berlin
21. Oktober 2019
  • Nordrhein-Westfalen

Berlin. Das Jahr 2019 ist das Jahr der Jahrestage: Unter anderem erinnern wir an 80 Jahre Beginn des Zweiten Weltkrieges, 70 Jahre Teilung Deutschlands und 30 Jahre Mauerfall. Diese Jahrestage nahm eine Gruppe von 17 Lehrkräften aus Nordrhein-Westfalen zum Anlass, um in Berlin auf Spurensuche zu gehen. In Berlin treffen Sightseeing und Bildungsangebot aufeinander, weshalb die Hauptstadt ein beliebtes Ziel für Klassenfahrten ist. Auf dem Programm standen darum verschiedene Erinnerungsorte in und um Berlin, die exemplarisch für die 5 Jahrzehnte deutscher Geschichte zwischen dem Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 und dem Fall der Mauer 1989 stehen. Ziel der Reise war, neue Impulse für den Schulalltag und zur Vermittlung der komplexen Geschichte zu erhalten. Organisiert wurde die Studienfahrt vom Landesverband Nordrhein-Westfalen im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge; die Stiftung Gedenken und Frieden hat die Fahrt gefördert.

Die erste Etappe der Reise schlug thematisch den Bogen vom Zweiten Weltkrieg bis zum Mauerfall; die erste Station war das Deutsch-Russische Museum Karlshorst: In den geschichtsträchtigen Räumen unterzeichnete das Oberkommando der Wehrmacht am 8. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation. Heute informiert hier eine umfangreiche Dauerausstellung über die Geschichte und die Folgen des Zweiten Weltkrieges. Am Nachmittag war die Nachkriegs- und Teilungsgeschichte Deutschlands Thema. Am Prenzlauer Berg nahm die Gruppe an einer vom DDR-Museum organisierten Tour zum Thema „Opposition“ teil. Den Häusern ist heute nicht anzusehen, dass sie damals wichtige Keimzellen des Widerstands in der DDR beherbergten. Welche Geschichten sich hinter den Fassaden abspielten, wurde in der Führung erklärt. Besonders eindrücklich waren hierbei die persönlichen Erlebnisse des Guides, der selbst DDR-Flüchtling war.

In den darauffolgenden Tagen wurde auf einzelne Themenbereiche intensiver eingegangen. Den Auftakt hierzu bildete der Besuch auf der Kriegsgräberstätte Waldfriedhof Halbe vor den Toren Berlins. Auf dieser Kriegsgräberstätte sind mindestens 24.000 Opfer der Kesselschlacht von Halbe bestattet – neben Soldaten und Zivilpersonen, auch andere Opfergruppen, darunter sowjetische Zwangsarbeitskräfte und Menschen, die in der deutschen Hinrichtungsstätte Berlin-Tegel und im Internierungslager Ketschendorf gestorben sind. Auf dieser Kriegsgräberstätte wird das Ausmaß des Zweiten Weltkrieges und insbesondere der letzten Kriegstage deutlich.

Ausgehend von dieser Kriegsgräberstätte wurde die Frage besprochen, wie sich ein Besuch dieser und anderer Erinnerungsorte für den Schulbesuch eignet. Oliver Breithaupt, Geschäftsführer des Landesverbands Brandenburg, stellte hierzu sowohl die Kriegsgräberstätte als auch die Bildungsstätte des Volksbundes vor. Die Bildungsstätte liegt ganz in der Nähe der Kriegsgräberstätte und bietet ein vielfältiges Programm für Schulklassen und andere Gruppen. Im Vordergrund der pädagogischen Arbeit steht die Beschäftigung mit der Geschichte, wobei immer ein Bezug zur Gegenwart geschaffen wird. Anschließend konnten die Lehrkräfte bei einem Workshop im 7xjung, dem Lernort von GESICHT ZEIGEN! in Berlin erleben, welche Methoden und Möglichkeiten dort zur aktiven Auseinandersetzung mit der NS-Zeit genutzt werden.

Am letzten Programmtag standen der Alltag und das Leben in der DDR im Fokus. Die Gebäude des Museums in der Kulturbrauerei kannte die Gruppe bereits aus der Stadtführung zwei Tage zuvor, denn die sogenannte „Bierkirche“ war in den 1980er-Jahren ein Treffpunkt für Oppositionelle. Heute wird im Museum in der Kulturbrauerei der Alltag in der DDR vorgestellt. In der Ausstellung werden auch die Auswirkungen der Herrschaft der SED auf die Lebenswelt der Bevölkerung deutlich. Weil tausende Menschen wegen dieser Verhältnisse aus der DDR flohen, wurde 1953 das Notaufnahmelager Marienfelde gebaut. Die heutige Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde war die letzte Station der Studienreise und stellte gleichzeitig den Bezug zur Gegenwart her: In dieser zentralen Einrichtung wurden seit 1953 Flüchtlinge versorgt und hier fand das Aufnahmeverfahren für die Eingliederung in die Bundesrepublik statt. Bis heute werden in den Gebäuden geflüchtete Menschen untergebracht, sodass der Bezug zur Gegenwart an diesem besonderen Ort nicht schwerfiel.

Die Teilnehmenden der diesjährigen Fahrt unterrichten in Schulen in Bergisch-Gladbach, Castrop-Rauxel, Dülmen, Düsseldorf, Erkelenz, Gladbeck, Grevenbroich, Gronau, Hamm, Hückeswagen, Hürth, Lüdinghausen, Moers, Münster, Remscheid und Troisdorf. Jedes Jahr bietet der Landesverband Nordrhein-Westfalen im Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. Studienfahrt für Lehrkräfte an. Detaillierte Informationen über die nächste Studienfahrt im Jahr 2020 und das Bildungsangebot des Volksbundes sind unter folgender Adresse erhältlich: schule-nrw@volksbund.de

 

Text: Jana Moers