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Den leisen Stimmen der Erinnerungen Raum geben

Weihnachtsgruß und Dank von Volksbund-Präsident Wolfgang Schneiderhan

Mit Dank und einem Zitat zu den „leisen Stimmen der Erinnerung” hat sich der bisherige und künftige Volksbund-Präsident Wolfgang Schneiderhan per Brief an alle Mitglieder und Förderer gewandt. Ende November ist er für weitere vier Jahre in seine dritte Amtszeit gestartet. Sein Dank – auch zu Beginn der Adventszeit mit der Post verschickt – gilt darum jedweder Unterstützung in den vergangenen Jahren. 

 

„Die leisen Stimmen der Erinnerung lehren uns oft weit mehr, als der Donner der Gegenwart mit seinem betäubenden Eindruck.“ Diese beklemmend-tröstlichen Worte sind mehr als 200 Jahre alt und zugleich so aktuell wie selten zuvor. Sie wurden überliefert von Johann Michael Sailer, Bischof von Regensburg.
 

Heilig Abend 1945

Wir kennen ihn nur zu gut, den „betäubenden Donner der Gegenwart“. Hören wir in der Weihnachtszeit also lieber auf die leisen Stimmen der Erinnerung:

„Heiligabend 1945 – fast ein Jahr in der Fremde. Ein winziger Baum wurde in eine Futterrübe gesteckt, sie diente als Weihnachtsbaumständer. Die Zweige wurden mit Watteflöckchen geschmückt, als Lichterglanz diente ein ‚Kienspan‘, ein harzhaltiges Stückchen Holz. Flackernd und knisternd verbreitete dieser Kienspan eine wohlige, doch wehmütige Weihnachtsstimmung.“ 
 

Was zählte in den Ruinen Europas?

Was zählte vor 80 Jahren im zerstörten Nachkriegsdeutschland, in den Ruinen Europas? Was wärmte, was tröstete die Menschen? Was gab ihnen die Kraft, weiterzumachen, was hielt sie zusammen? In den Kindheitserinnerungen von Helga Schuster scheint es durch.

Weiter heißt es da: „Ich lag mit starker Erkältung im Bett – an den Wänden schillerte frostige Kälte. Es klopfte und herein kam der ‚Weihnachtsmann‘ mit Kopftuch und Watte im Gesicht. Es war die Nachbarin, die mir ein Pfefferkuchenherz schenkte. Ich weiß heute noch, wie groß es war, wie es roch und wie es schmeckte. Es war ein Weihnachten, das ich bis heute nicht vergessen habe.“ (Link zur Geschichte am Textende)
 

Erinnerungen geben Hoffnung

Erinnerungen, die der Volksbund bewahrt, bringen uns Szenen von Krieg, Flucht und Verlust, aber auch von Menschlichkeit und schließlich von Verständigung und Versöhnung nahe. Sie lehren uns, dass selbst in den dunkelsten Stunden der Geschichte Hände ausgestreckt können und dass erbitterte Feinde zu Freunden werden, die Jahrzehnte später gemeinsam der Toten gedenken. Solche Erinnerungen geben uns Hoffnung im betäubenden „Donner der Gegenwart”.

Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die sich heute noch an 1945 erinnern, haben beides erfahren – ein Leben im Krieg und ein Leben in Frieden. Bilder und Berichte von Leid und Tod in der Ukraine holen ihre Erinnerungen zurück und erschüttern diese Generation wohl noch mehr als die Nachgeborenen. Umso wertvoller sind die Stimmen der Überlebenden von einst, die in unserem neuen Buch zu Wort kommen: „Erinnerungen – wie der Zweite Weltkrieg zu Ende ging“ heißt es. 
 

Zeichen für friedliches Miteinander

Mit diesem Buch und an vielen Orten in Europa, an denen der Volksbund aktiv ist, schaffen wir Raum für die leisen Erinnerungen. Sie gehören zum Schicksal eines Kriegstoten – in einer Ausstellung wiedergegeben oder in einem Workcamp nacherzählt. Sie sind in einem Feldpostbrief zu finden, aus dem junge Menschen bei einer Gedenkstunde vorlesen. Sie leben auf, wenn wir einen Toten auch 80 Jahre nach Kriegsende identifizieren und seine Familie benachrichtigen können. 

Bei alldem verfolgen wir vorrangig ein Ziel: dass wir verheerende Fehler nicht wiederholen, dem Hass keinen freien Lauf lassen. Dass wir Grenzen überwinden, aufeinander zugehen, miteinander reden und Hände zur Versöhnung reichen im „Donner der Gegenwart“ – und dass wir gerade in den Wochen vor Weihnachten kleine Zeichen setzen für ein friedliches Miteinander.
 

Dafür danke ich sehr

Begleiten Sie uns dabei und unterstützen Sie die Arbeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. großzügig mit Ihrer Spende. Dafür danke ich sehr und wünsche Ihnen friedvolle und besinnliche Weihnachten,  

Ihr Wolfgang Schneiderhan  
Präsident des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. 

 

Buch online lesen und bestellen

In unserem neuen Buch „Erinnerungen – wie der Zweite Weltkrieg zu Ende ging” (Band 24 der Volksbundreihe) kommen elf Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu Wort. Der Älteste ist Jahrgang 1927, die Jüngste geboren 1941. Sie können es über unsere Mediathek online lesen und bestellen. Auch das Hörbuch „Licht in der Dunkelheit” (Band 23) steht online für die kommenden Feiertage zur Verfügung. Wir freuen uns über eine Spende.

Lesen Sie auch:
1. Advent: Weihnachten 1945: Ein Pfefferkuchen wärmt das Herz
2. Advent: „Gedanken bei Kerzenlicht und Musik eines Grammophons“
3. Advent: Dezember 1914: Vier Flammen am dritten Advent
4. Advent: Warum unsere Familie 1944 zweimal Weihnachten feierte
 

Der Volksbund macht Betriebsferien und ist ab dem 5. Januar wieder zu erreichen.
 

Schmücken Sie mit uns den Baum!

Der Volksbund ist ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag der Bundesregierung Kriegstote im Ausland sucht, birgt und würdig bestattet. Der Volksbund pflegt ihre Gräber in 45 Ländern und betreut Angehörige. Mit seinen Jugend- und Bildungsangeboten erreicht er jährlich rund 38.000 junge Menschen. Für seine Arbeit ist er dringend auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen.

Schmücken Sie mit uns den Baum: Sie entscheiden, wieviel Ihre Kugel wert ist. Ob 5 oder 50 Euro: Sie zeigt, dass Sie sich mit uns für eine friedliche Zukunft einsetzen. Dafür danken wir sehr. 

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