Vorträge zu Testament und Vorsorge bietet der Volksbund bundesweit und online an. In München lädt der Bezirksverband dafür mehrmals im Jahr ins Augustiner Stammhaus ein, das den Volksbund unterstützt. (© Foto: Bezirksverband / privat)
„Ein Testament sorgt für Ruhe in der Familie“
Volksbund-Thema „Vorsorge“: Interview mit Katrin Heindl und Dr. Michael Bonefeld, Erbrechts-Spezialisten aus München
Zweierlei steht am „Internationalen Tag des Testaments“ am 13. September im Vordergrund. Er will ermutigen, sich frühzeitig mit dem Nachlass auseinanderzusetzen, und zeigen, wie man damit auch Gutes tut. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. kann viele Projekte nur dank Erbschaftsspenden verwirklichen. Ein Interview mit Katrin Heindl und Dr. Michael Bonefeld.
Der Volksbund profitiert nicht nur von Nachlässen, sondern bietet seit dem Jahr 2000 über ein Netz von Juristinnen und Juristen bundesweit Vorsorge-Vorträge an. Michael Bonefeld war 24 Jahre lang Partner des Bezirksverbands München, seine Kollegin Katrin Heindl setzt jetzt seine Arbeit mit drei bis vier Vorträgen im Jahr fort.
Ausgezeichnet:
Beide Anwälte der Kanzlei Bonjur Rechtsanwälte aus München zählt das Nachrichtenmagazin „Focus“ seit 2014 zu den Top-Erbrechts-Anwälten in Deutschland. Ausgezeichnet wurde die hohe Fachkompetenz nach Empfehlungen aus einem Kreis von rund 10.000 Fachanwälten in Deutschland. Laut Wirtschaftsmagazin „Capital“ gehörte die Kanzlei 2023 zu den besten Anwaltskanzleien des Jahres, laut „WirtschaftsWoche“ zu den renommiertesten Kanzleien mit Blick auf Erbrecht (2023 und 2025).
Ab welchem Alter sollte man sich mit dem Testament befassen?
M. Bonefeld: Ich würde das nicht am Alter, sondern an der Verantwortung für andere festmachen: Jeder, der ein minderjähriges Kind hat, der verheiratet ist oder einen Lebenspartner hat, sollte unbedingt Vorsorge treffen. Wir beide hatten so viele Fälle, wo durch Unfälle Kinder ums Leben gekommen sind, womöglich gleichzeitig mit einem Elternteil.
Der Schutzgedanke ist wichtig, unabhängig davon, ob man Vermögen hat oder nicht. Viele übersehen, dass sie ein Testament brauchen, auch wenn die gesetzliche Erbfolge passen würde. Das Leben schlägt manchmal solche Kapriolen, dass der Zufall immer mitregieren kann.
K. Heindl: Ich würde von Lebenssituationen sprechen, in denen man ein Testament abfassen sollte. Die Familiengründung zum Beispiel, weil dann die minderjährigen Kinder gesetzliche Miterben wären. Tritt beim Tod eines Elternteils die gesetzliche Erbfolge ein, weil sonst nichts geregelt wurde, ist die Veräußerung einer Immobilie zum Beispiel nicht ohne weiteres möglich. Es ist dann ein Ergänzungspfleger erforderlich, ein Immobiliengutachten ist einzuholen – das macht es dem überlebenden Elternteil erheblich schwerer.
Oder die Scheidung: Wenn danach den gemeinsamen Kindern etwas passiert – ein Fall, der oft nicht bedacht wird –, kommt der Ex-Ehegatte wieder mit ins Boot.
Und im Alter stellen viele fest: Hätte ich mir ein bisschen früher Gedanken gemacht, hätte ich vielleicht auch eine steuergünstigere Übertragung hinbekommen.
Wenn wir von Vorsorge sprechen, gehören immer auch Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung dazu – warum?
M. Bonefeld: Der Volksbund hat vor 25 Jahren das richtige Gespür gehabt für seine Mitglieder und hat sich als einer der Ersten bemüht, die wesentlichen Vorsorgethemen herauszukristallisieren. Wichtig ist, auch die Phase vor dem Tod zu berücksichtigen, denn vielleicht ist man am Ende nicht mehr in der Lage, noch seinen Willen zu bekunden. Also halten wir Vorträge über die Möglichkeit der Vorsorgevollmacht und der Betreuungsverfügung. Dabei spielt auch die Frage „Wie will ich sterben?“ eine große Rolle – Stichwort Patientenverfügung.
Das Angebot hat sich weiterentwickelt, weil der Volksbund immer daran interessiert war, „am Puls der Mitglieder“ zu bleiben. Ehegattentestamente wurden zum Thema gemacht oder „Erbschaft steuern statt Erbschaftssteuern“.
K. Heindl: Gerade die Vorsorgevollmacht ist aber auch schon in jungen Jahren unglaublich wichtig, denn auch da – oder gerade da – kann man durch einen Unfall plötzlich handlungsunfähig sein und es zeigt sich: Alle anderen sind es auch oder sie sind nur sehr eingeschränkt handlungsfähig. Eine solche Situation lässt sich relativ einfach vermeiden.
Mit einer Lebensversicherung macht man es ja ähnlich: Da findet es keiner merkwürdig, seine Angehörigen abzusichern und tätig zu werden.
Oft ist es schwierig, ohne Patientenverfügung eine Entscheidung zu treffen und nicht zu wissen, was derjenige, den es betrifft, wirklich gewollt hätte. Das kann eine große Bürde sein. Wer sich rechtzeitig Gedanken macht und Dinge festlegt, kann seinen Angehörigen unglaublich viel erleichtern.
Herr Bonefeld, was ist Ihre wichtigste Erkenntnis aus all den Vorträgen seit 2001?
M. Bonefeld: An erster Stelle: Transparenz innerhalb der Familie. Man sollte sich frühzeitig klarmachen: Was will ich eigentlich, wo soll es mal hingehen? – und alles so machen, wie man es selbst für richtig erachtet. Und dann die Beteiligten frühzeitig einbinden, Dinge ansprechen – auch die unangenehmen.
K. Heindl: Ich denke, es ist für alle unglaublich beruhigend, wenn man das Thema angeht. Und ich glaube, dass ein Testament gar nicht unbedingt zu Streitereien oder Begehrlichkeiten beiträgt, sondern im Gegenteil: Es sorgt für Ruhe in der Familie. Jeder hat die Möglichkeit, seine eigenen Wünsche und Vorstellungen zu artikulieren. Und dann besteht auch die Chance, individuell darauf einzugehen.
Wie hat sich das Publikum verändert im Lauf der Zeit?
M. Bonefeld: Wir haben immer eine ganz gute, gesunde Mischung, aber heute sind mehr Jüngere dabei – die Kinder der inzwischen alten Mitglieder.
Was motiviert Sie, den Volksbund mit Ihren Vorträgen zu unterstützen?
M. Bonefeld: In den Anfängen war das unser „Social Media“. Wir waren froh, dass wir ein so wichtiges Thema unter die Leute bringen konnten. Das hat der Volksbund für seine Mitglieder deutschlandweit sehr gut gesteuert. Ich weiß nicht, wie viele Vorträge ich gehalten habe, aber über all die Jahre habe ich jedes Mal gemerkt, wie wichtig, wie zeitlos das Thema ist.
K. Heindl: Ich sehe, wie dringend die Fragen für viele sind. Jeder könnte eine anwaltliche Beratung in Anspruch nehmen, aber da ist die Hemmschwelle sehr, sehr hoch. Und eine Broschüre oder ein Video im Internet bieten einfach nicht dieselbe Möglichkeit wie ein persönlicher Vortrag. Am Ende schauen wir nicht in einen leeren Raum oder leere Augen – da kommt ganz viel. Keine belanglosen Fragen, sondern man merkt wirklich: Das brennt den Leuten absolut auf der Seele.
Beim letzten Vortrag zum Beispiel hat ein Teilnehmer gesagt: „Ich habe eine Immobilie und zwei Kinder – beide in völlig unterschiedlichen Lebenssituationen und wahnsinnig zerstritten untereinander. Ich möchte keinen bevorteilen oder benachteiligen. Was mache ich denn jetzt?“ Hinterher hatte er die nötige Überzeugung, mit beiden ein offenes Gespräch zu suchen.
Haben Sie einen persönlichen Bezug zum Volksbund und seiner Arbeit?
M. Bonefeld: Ich habe ihn schon als Schüler unterstützt. Unser Oberstudiendirektor war Kreisvorsitzender und da wurden jedes Jahr Weihnachtserlebnisse aus Tagebüchern von Frontsoldaten aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg vorgelesen.
Später, direkt nach der Bundeswehr, war ich in La Cambe in der Normandie auf der deutschen Kriegsgräberstätte. Da habe ich bitterlich geweint. Das waren 16-, 17-, 18-Jährige, die sie da verheizt hatten – „da wärst du jetzt schon tot“, war mein Gedanke. Und der nächste: „Wie schön es ist, dass es Menschen gibt, die diese Erinnerung aufrechterhalten und im wahrsten Sinne des Wortes pflegen – und zwar nicht in nationalistischer Hinsicht, sondern zusammen mit Franzosen.“ Das hat mich sehr, sehr bewegt.
Als die Vorträge ins Gespräch kamen, habe ich mich gleich freiwillig gemeldet und gesagt: Das würde ich gerne unterstützen. Das hat mich immer begleitet, angefangen als Schüler mit 14 Jahren. Und dafür bin ich dankbar.
K. Heindl: Persönliche Berührungspunkte mit dem Volksbund habe ich nicht. Für mich ist es einfach schön, wenn ich das Gefühl habe, dass die Leute nach dem Vortrag wirklich mit mehr Orientierung und mehr Klarheit nach Hause gehen und sagen: Mensch, das gehe ich jetzt endlich an und so mache ich es.
Der Tag des Testaments soll ja dazu motivieren, gemeinnützige Organisationen zu berücksichtigen. Warum plädieren Sie dabei für den Volksbund?
M. Bonefeld: Es geht um das Friedensstiftende. Was gibt es – neben dem Naturschutz – Wichtigeres als den Frieden? Ich sehe den Volksbund im größeren Kontext. Er ist keine nationalistische Soldatenorganisation, sondern ein völkerverbindender Verein und mit die älteste und größte Friedensorganisation in Deutschland.
Im Übrigen ist eine Zuwendung steuerfrei – keine Erbschafts-, keine Schenkungssteuer. Wenn man keine Abkömmlinge hat: Warum will man dann den Zufall regieren lassen, wenn man mit dem Geld steuerfrei auch noch etwas Gutes tun kann? Der Volksbund muss ja nicht Alleinerbe sein.
K. Heindl: Gerade in den jetzigen Zeiten mit vielen Kriegen und sehr viel Gewalt ist es umso wichtiger, auch weiter an die Opfer zu erinnern. An die heutigen ebenso wie an die Opfer aus vergangenen Auseinandersetzungen, um ein Mahnmal in den Köpfen zu implementieren.
M. Bonefeld: Was mir zum Schluss noch wichtig ist, sind die ehrenamtlichen Kräfte, die unsere Vorträge erst möglich machen – im Vorfeld und an dem jeweiligen Tag selber. Ohne sie wäre das nicht möglich, sie gehören zum Gesamterfolg des Konzepts dazu.
Frau Heindl, Herr Bonefeld, ich danke Ihnen für dieses Gespräch.
Ein Volksbund-Angebot – warum?
Mitglieder und Förderer hatten den Volksbund vor rund 25 Jahren gebeten, über Testament und Vorsorge zu informieren. Daraufhin entwickelte er zusammen mit Vertrauensanwälten/Notaren ein Angebot mit Präsenzvorträgen. Während der Pandemie entstand ergänzend das Online-Angebot „Vorsorge-TV”.
Ein Beispiel, wie wertvoll Beratung sein kann, finden Sie in diesem Artikel: Vorsorge-TV: Frühzeitig handeln entlastet im Ernstfall. Mehr dazu unter www.gutvorgesorgt.info
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In 45 Ländern aktiv
Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ist ein gemeinnütziger Verein, der dringend auf Spenden und Mitgliedsbeiträge angewiesen ist. Im Auftrag der Bundesregierung sucht und birgt er Kriegstote im Ausland, bestattet sie würdig, pflegt ihre Gräber in 45 Ländern und betreut Angehörige (Abteilung Kriegsgräberdienst). Mit seinen Jugend- und Bildungsangeboten erreicht er jährlich rund 38.000 junge Menschen. Jeden Sommer veranstaltet der Volksbund rund 30 internationale Jugendbegegnungen und Workcamps in Deutschland und vielen europäischen Ländern.
