Die Gräber- und Gedenkstätte in Riga-Bikernieki, wo mehrere Zehntausend Kinder, Frauen und Männer ermordet wurden. Eine stilisierte Kapelle ist umgeben von 48 Quadraten mit Steinen. Sie stehen für die 48 Massengräber in diesem Wald. (© Landesverband Bremen)
Lernort Riga: Bethe-Stiftung verdoppelt Spenden
Volksbund startet Pilotprojekt für Schülergruppen zum Holocaust – Riga-Komitee und Stiftung als Partner
In Riga die Spuren des Holocausts mit eigenen Augen sehen und dann zu Hause davon erzählen – das ist die Idee eines Lernprojekts, das heute an den Start geht. So viele Schülerinnen und Schüler wie möglich wollen der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. und das Deutsche Riga-Komitee auf die Reise nach Lettland schicken. Die Bethe-Stiftung unterstützt sie dabei.
Mehr als 80 Städte, aus denen Jüdinnen und Juden 1941/42 nach Riga deportiert und damit in den Tod geschickt wurden, gehören dem Komitee inzwischen an. Ab sofort können sich Schülerinnen, Schüler und junge Erwachsene von 16 bis 21 Jahren aus diesen Städten bewerben, um im September mit nach Riga zu fahren. Das Motto: Junge Botschafter der Erinnerung gesucht!
Spenden dringend erbeten
Ab sofort läuft auch eine Crowdfunding-Kampagne auf betterplace.org. Jeden Euro, den der Volksbund als Spende einnimmt, verdoppelt die Bethe-Stiftung aus Bergisch Gladbach, damit möglichst viele junge Menschen an dem Programm in Riga teilnehmen können. Mindestens 30.000 Euro hat sie dafür in Aussicht gestellt.
„Du begibst dich auf die Spuren der jüdischen Bürgerinnen und Bürger deiner Heimat und wirst nach der Reise zum Sprachrohr. Ob durch einen Vortrag in deiner Schule, ein Video für Social Media oder einen Bericht in der Lokalzeitung – du trägst die Geschichte in die Gegenwart”, heißt es im Flyer zur Anmeldung.
Begegnung und Austausch
Wer mitfährt, sieht den Bahnhof Šķirotava, an dem die Deportationszüge aus Deutschland ankamen, und auch die Tatorte, wo heute Gedenkstätten mahnen: Bikernieki, Salaspils und Rumbula, wo lettische Juden zu Zehntausenden ermordet wurden. Weitere Besuche führen in Museen und in die Synagoge.
Zentraler Aspekt des Projekts ist der Austausch: Die Gruppe trifft sich mit jungen Mitgliedern der jüdischen Gemeinde und lernt in einem Workshop mit dem Deutsch-Baltischen Jugendwerk das Leben in Lettland kennen. Außerdem ist ein Pflegeeinsatz auf der Gedenkstätte im Wald von Bikernieki geplant.
Großer Wunsch: weitere Reisen
Mit Hilfe der Bethe-Verdopplungsaktion wollen der Volksbund und das Riga-Komitee noch weitere Reisen anbieten. „Die Achtung der Würde jedes Menschen und die Anerkennung der Souveränität eines anderen Staates sind keine Selbstverständlichkeiten, beides ist auch in unserer Zeit bedroht”‚ begründet die Bethe-Stiftung ihr Engagement. Sie will dazu beitragen, dass junge Menschen nachhaltig aus der Geschichte für die Zukunft lernen.
Vertreter von Volksbund, Riga-Komitee und der Bethe-Stiftung eröffneten Projekt und Kampagne offiziell im NS-Dokumentationszentrum Köln. Dabei sprachen unter anderem der frühere Bundestagsabgeordnete Windfried Nachtwei, einer der Initiatioren des Riga-Komitees, zwei junge Volksbund-Mitglieder und Erich Bethe (mehr lesen).
Reisen wirken nachhaltig
Wie nachhaltig Reisen nach Riga wirken, war 2025 in Düsseldorf zu 25 Jahren Riga-Komitee zu spüren. Eine Gruppe der Gesamtschule Berger Feld in Gelsenkirchen trug Gedichte von ermordeten Dichterinnen und Dichtern vor. „Wir setzen damit ein Zeichen und zeigen, dass auch wir jungen Menschen daran denken, was in Riga passiert ist”, sagte Samet, einer der Schüler. Die Schule ist Bildungspartner des Volksbundes und entsendet Jahr für Jahr eine Gruppe in die lettische Hauptstadt – zum internationalen Holocaust-Gedenktag am 27. Januar.
Bethe-Verdopplungsaktion
Bei der Crowdfunding-Kampagne sind die Kosten des Lernprojekts aufgeschlüsselt: Spenden werden für sieben unterschiedliche Posten erbeten – von den Flügen bis hin zum Dolmetscher. Jeder gespendete Euro wird verdoppelt (solange die einzelne Spende nicht höher ist als 2.000 Euro)!
JETZT SPENDEN UND TEILEN
Alternative ist eine Überweisung an den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. (dabei bitte unbedingt „Riga Verdopplungsaktion Bethe-Stiftung” als Verwendungszweck angeben, damit auch diese Spende verdoppelt wird!) oder eine Online-Spende hier:
Projekt- und Kampagnenstart im NS-Dokumentationszentrum Köln mit (von links) Dr. Martin Hamburger (Vorstand Bethe-Stiftung), Erich Bethe, Dr. Benedikt M. Rey (Volksbund), Winfried Nachtwei (Riga-Komitee), Wolfgang Gorzalka (Volksbund-Regionalverband Rheinland), Torben Otte (Teamer), Stefan Schmidt (Landesgeschäftsführer NRW), Christian Schlag (NS-Dokumentationszentrum), Katharina Eckstein (Jugendarbeitskreis NRW) © Diane Tempel-Bornett
Volksbund und Riga-Komitee
Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. hat das Riga-Komitee initiiert und im Jahr 2000 mit begründet. Das Ziel: gemeinsam mit den Heimatstädten der deportierten Jüdinnen und Juden eine Gedenkstätte in Bikernieki zu errichten. In diesem Waldstück sind nach Massenerschießungen mehr als 35.000 deutsche Holocaust-Opfer begraben. Heute gehören dem europaweit einzigartigen Bündnis Städte aus vier Ländern an. Gemeinsam halten sie die Erinnerung wach.
Mehr lesen Sie hier:
25 Jahre Riga-Komitee: „Mein Großvater, der Täter“
www.riga-komitee.eu
Der Volksbund ist …
… ist ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag der Bundesregierung Kriegstote im Ausland sucht, birgt und würdig bestattet. Mehr als 5.500 waren es im vergangenen Jahr. Der Volksbund pflegt ihre Gräber in 45 Ländern und betreut Angehörige. Mit seinen Jugend- und Bildungsangeboten erreicht er jährlich knapp 50.000 Menschen.
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