Hier wollte der Volksbund eigentlich Kriegstote aus dem Umland bestatten. Statt dessen bergen die polnischen Experten auf diesem Friedhof erstmal Gebeine. (© Volksbund)
Mitten in Danzig: Einbettung vorbereitet – Soldatengräber entdeckt
Auf dem Garnisonsfriedhof stößt der Volksbund auf unbekannte Grablage
Der Garnisonsfriedhof ist der älteste noch genutzte Friedhof in Danzig (heute: Gdansk). Tote des Krieges 1870/71, beider Weltkriege und aus der Zwischenkriegszeit sind dort bestattet. Als der Volksbund in Block 4 geborgene Tote aus dem Umland einbetten will, steht schnell fest: Dort wurden schon vor rund 80 Jahren Soldaten bestattet – eine bis dahin unbekannte Grablage ist entdeckt.
Sofort werden die Arbeiten unterbrochen, wird die Einbettung verschoben. Matti Milak und sein Team, das für den Volksbund in dieser Region exhumiert, nehmen die Arbeit auf.
In zwei Abschnitten läuft das Projekt im Stadtteil Aniołki, bis alle Gebeine geborgen sind. 2024 sind es 221 Soldaten, 2026 nochmal 448. 34 Erkennungsmarken sind bei diesem zweiten Einsatz die wertvollsten Beifunde.
Kreuze, Medaillen, ein Rosenkranz
Außerdem finden die Umbetter Kreuze, Medaillen, Knöpfe, Perlen und sogar Gedenktafeln aus dem Ersten Weltkrieg. Die sterblichen Überreste eines Soldaten aus der Zeit 1914/18 sind leider so schlecht erhalten, dass sie sich nicht mehr bergen lassen.
Im frühen 19. Jahrhundert angelegt
Der Garnisonsfriedhof wurde zur Zeit der napoleonischen Kriege im frühen 19. Jahrhundert jenseits der Festungsmauern der Stadt angelegt. Teile der Anlage stehen seit 1961 unter Denkmalschutz. Im nordwestlichen Areal wurden offenbar deutsche Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg und dem Ersten Weltkrieg – hauptsächlich aus dem Jahr 1919 – sowie Militärangehörige aus der Zwischenkriegszeit beigesetzt.
„Bekannt waren für diesen Teil des Friedhofs vorher offenbar nur Gräber aus dem Ersten Weltkrieg”, sagt Matti Milak. „Jetzt können wir sicher sein, dass auf dem gesamten linken Teil des Friedhofs, in dem Soldaten aus beiden Weltkriegen bestattet waren, keine alten Kriegsgräber mehr sind.”
Mit Georadar sondieren
Damit sind Flächen frei, um Tote zu bestatten, die im Raum Danzig geborgen werden. „Den rechten Teil, wo wir in den Blöcken 7 bis 9 einbetten wollen, müssen wir noch erkunden. Das planen wir für die kommenden Jahre”, so der Umbetter. Dabei wird auch Georadar eingesetzt.
Die sterblichen Überreste der 669 Toten aus den Jahren 2024 und 2026 werden in Block 4 und einem Teil von Block 5 ihre letzte Ruhestätte finden. Das Team um Matti Milak hofft, dass möglichst viele von ihnen identifiziert werden können.
Verständnisvolle Reaktionen
Zu jedem Toten gibt es ein Umbettungsprotokoll, das das Referat Gräbernachweis beim Volksbund bearbeitet. Partner bei der Identifizierung ist das Bundesarchiv in Berlin (Abteilung Deutsches Reich).
Und die Reaktionen bei Arbeiten mitten im Stadtgebiet – in einer Stadt, die jährlich mehr als vier Millionen Menschen besuchen? „Die überwiegende Mehrheit begegnete unserer Arbeit mit Verständnis”, sagt der Umbetter.
Der Volksbund ist …
… ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag der Bundesregierung Kriegstote im Ausland sucht, birgt und würdig bestattet. Mehr als 5.500 waren es im vergangenen Jahr. Der Volksbund pflegt ihre Gräber in 45 Ländern und betreut Angehörige. Mit seinen Jugend- und Bildungsangeboten erreicht er jährlich knapp 50.000 Menschen. Für seine Arbeit ist er dringend auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen.
