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Weihnachten 1945: Ein Pfefferkuchen wärmt das Herz

Licht in dunkler Zeit: Wie der „Weihnachtsmann” ein Flüchtlingskind besuchte

Die Adventsgestecke sind vorbereitet,  Fenster, Büsche und Bäume in den Vorgärten erstrahlen im Glanz von Lichterketten. Was aber wirklich wichtig ist, hat immer und überall einen besonderen Wert: friedliches Miteinander, Hilfsbereitschaft, freundliche Gesten. Davon erzählen die Erinnerungen, die uns Renate Schuster für eins unserer Weihnachtsbücher zugeschickt hat – die erste unserer vier Adventsgeschichten.
 

Ein Weihnachten, das ich bis heute nicht vergessen habe: Es war im Jahr 1945. Ich war sechs Jahre alt. Wir waren Flüchtlinge, hatten unsere Heimat und alles verloren. Du musst Dir das so vorstellen: Ein Bote von der Gemeinde geht in alle Häuser und sagt: „Schnell, packt das Nötigste zusammen, es kommen Feinde! Ihr müsst flüchten!” Pferdewagen standen bereit. Es war Februar und kalt. Heute würde keiner mehr in einem Pferdewagen die Flucht ergreifen.
 

Hunderte Kilometer von zu Hause entfernt

In Wanzer, einem kleinen Dorf in der Altmark, viele hundert Kilometer von zu Hause entfernt, hatten wir eine kleine Wohnung bekommen. Meine Eltern, meine Großmutter und ich. Zwei ältere Brüder waren noch kurz zuvor eingezogen worden. Es war ja Krieg.

Heiligabend 1945 – fast ein Jahr in der Fremde. Ein winziger Baum wurde in eine Futterrübe gesteckt und diente als Weihnachtsbaumständer. Die Zweige wurden mit Watteflöckchen geschmückt, als Lichterglanz diente ein „Kienspan”, ein harzhaltiges dünnes Stückchen Holz, das ebenfalls in eine Rübe gesteckt wurde. Flackernd und knisternd verbreitete dieser Kienspan eine wohlige, doch wehmütige Weihnachtsstimmung.
 

Wände schillerten vor frostiger Kälte

Ich lag mit starker Erkältung im Bett – an den Wänden schillerte frostige Kälte. Es klopfte und herein kam der „Weihnachtsmann” mit Kopftuch und Watte im Gesicht. Es war die Nachbarin, die mir ein Pfefferkuchenherz schenkte. Ich weiß heute noch, wie groß es war, wie es roch und wie es schmeckte. Es war ein Weihnachten, das ich bis heute nicht vergessen habe. Es wurde von den Brüdern gesprochen, geweint, gebetet und gehofft, dass sie gesund wiederkommen mögen. Leider haben wir den ältesten Bruder nie wieder gesehen.

Ein Weihnachtsfest – vielleicht nicht das Schönste, aber ein unvergessenes.

Veröffentlicht in Band 6 der Volksbundreihe: „Weihnachtsgeschichten aus schwerer Zeit” (8. Auflage 2017)
 

Geschichten und Musik

Wir empfehlen Ihnen weitere Geschichten und Musik zum Lesen und Hören und legen Ihnen auch das neueste Buch der Volksbund-Reihe ans Herz (Band 24): „Erinnerungen – wie der Zweite Weltkrieg zu Ende ging” ist gerade erschienen.
 

Schmücken Sie mit uns den Baum!

Versöhnung und Frieden sind unsere wichtigsten Ziele. Dafür setzen wir uns auf vielen Feldern ein und finanzieren das überwiegend aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden.

Schmücken Sie mit uns einen Weihnachtsbaum – die roten Kugeln stehen bereit.

Sie entscheiden, wieviel Ihre Kugel wert ist. Ob 5 oder 50 Euro: Sie zeigt, dass Sie unsere Arbeit unterstützen und sich mit uns für eine friedliche Zukunft einsetzen. Dafür danken wir sehr.

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