Kriegsgräber erzählen Geschichte(n)

Neue Ergebnisse des Forschungsprojekts "Kriegsgräberstätten in Hessen" erstmals öffentlich vorgestellt

24. September 2019

Führung zu den Kriegsgräbern des Ersten Weltkriegs. (Foto: LV Hessen)

Im Rahmen des "Tages der Führungen" auf dem Frankfurter Hauptfriedhof präsentierte der Landesverband Hessen am 15. September die aktuellen Ergebnisse seines Forschungsprojekts zur Geschichte der hessischen Kriegsgräberstätten. In zwei 90-minütigen Führungen, die sich thematisch jeweils auf einen der beiden Weltkriege konzentrierten, lernten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an ausgewählten Gräbern die Schicksale der dort bestatteten Kriegstoten kennen. Sie erfuhren etwa, worin sich die Kriegserfahrung eines im Oktober 1914 verstorbenen Soldaten von der eines Kriegsfreiwilligen unterschied, der 1916 in der Schlacht an der Somme tödlich verwundet wurde. Besucht wurden auch die Gräber eines Kriegsgefangenen aus Rumänien, zweier ziviler Opfer eines Luftangriffs auf Frankfurt im August 1918 sowie von Toten, die im selben Jahr an der "Spanischen Grippe" verstorben waren, unter ihnen eine Frankfurter Militärkrankenschwester. Die Führung schloss mit Informationen zur Gestaltung des 1928 eingeweihten Gefallenendenkmals von Hermann Senf und Paul Seiler.

In der Führung zu den Kriegsgräbern des Zweiten Weltkriegs lag der Schwerpunkt auf den Schicksalen verschiedener Gruppen von NS-Opfern. Die Führung begann am abseits des großen Kriegsgräberfeldes gelegenen Gemeinschaftsgrab von 528 meist polnischen KZ-Häftlingen, die von 1944 bis Kriegsende unter mörderischen Bedingungen Zwangsarbeit in den Frankfurter Adlerwerken leisten mussten. Dass Kriegsgräberstätten in Deutschland kaum dem Bild des klassischen Soldatenfriedhofs entsprechen, wurde auf dem "Hiob-Feld" deutlich, wo neben deutschen KZ-Toten und Opfern der "Euthanasie"-Morde, Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeitern, sowjetischen Kriegsgefangenen und "Displaced Persons" auch das im Alter von zwei Monaten verstorbene Kind einer Zwangsarbeitern aus Litauen bestattet ist. Vorgestellt wurden abschließend auch Schicksale ziviler Frankfurter Bombentoter des Zweiten Weltkriegs, etwa das einer dreiköpfigen Familie aus Bockenheim, die beim Luftangriff am 12. September 1944 im Hochbunker Mühlgasse ums Leben kam.

Der Volksbund in Hessen begreift Kriegsgräberstätten heute als Lernorte der historisch-politischen Bildung. Die exemplarischen Einzelschicksale, die im Forschungsprojekt rekonstruiert werden, macht er in seiner Bildungsarbeit, bei Friedhofsführungen und durch Informationstafeln an den Gräbern der Öffentlichkeit zugänglich. Die Führungen können je nach Interesse mit unterschiedlichen Themenschwerpunkten gestaltet werden. Wenn Sie Interesse an diesem Angebot haben, wenden Sie sich bitte an die Landesgeschäftsstelle. Eine Gesamtpräsentation der aktuellen Forschungsergebnisse zum Hauptfriedhof wird in Frankfurt bei der zentralen Veranstaltung zum Volkstrauertag am 17. November in der Wandelhalle der Paulskirche zu sehen sein.

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V.

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