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Flossenbürg, KZ-Friedhof "Tal des Todes"

KZ-Grab- und Gedenkstätte FLOSSENBÜRG

A. Geschichtlicher Überblick

Nach den Konzentrationslagern von Dachau, Buchenwald und Sachsenhausen wurde im Mai 1938 auf Anordnung des Reichsführers-SS in Flossenbürg/Landkreis Neustadt an der Waldnaab ein neues Lager errichtet. Im Rahmen der sogenannten vorbeugenden Verbrechensbekämpfung wurden außer politisch und rassisch Verfolgten auch solche Personen in die Konzentrationslager eingewiesen, die nach nationalsozialistischen Begriffen als kriminell oder asozial galten bzw. vorbestraft waren. Zu dieser Kategorie gehörten die ersten Häftlinge von Flossenbürg. Bald überwogen aber auch hier die politischen Gefangenen. Im Herbst 1939, nach Ausbruch des Krieges, wurde das Konzentrationslager Dachau vorübergehend geräumt, um dort SS-Einheiten auszubilden. Hierbei wurden 981 politische Häftlinge aus Dachau nach Flossenbürg überstellt. Außerdem wurden nach Kriegsbeginn in das immer weiter ausgebaute Lager und seine Außenkommandos namentlich auch sogenannte widerstandsverdächtige Ausländer eingeliefert. Der erste Transport mit ausländischen Häftlingen traf am 5.4.1940 dort ein.

Die Wahl für die Errichtung des Lagers war auf das bis dahin stille Dorf in der Oberpfalz hart an der bayerisch-böhmischen Grenze gefallen, weil es wegen seiner Lage abseits der großen Verkehrsstraßen für die Isolierung von Gefangenen besonders geeignet erschien und weil die SS in dem dortigen Vorkommen an Granitgestein eine günstige Gelegenheit sah, die Arbeitskraft der Gefangenen gewinnbringend auszunutzen. Das Gefangenenlager bestand aus sechszehn langgestreckten, ebenerdigen Holzbaracken, den Gebäuden für die Küche, die Wäscherei und die Desinfektion, den Werkstätten, dem Lagergefängnis, Krematorium und dem Appellplatz. Es war von einem elektrisch geladenen, hohen Stacheldrahtzaun umgeben und von mehreren Wachtürmen flankiert. Das Lager war ursprünglich für 1.600 Häftlinge gebaut und später für 3.000 Häftlinge erweitert worden. Es war aber während des Krieges ständig überbelegt und in den letzten Monaten seines Bestehens hoffnungslos überfüllt.

In den ersten Jahren wurden die Häftlinge hauptsächlich beim Bau des Lagers und bei Arbeiten im Granitsteinbruch verwendet. Nach Beginn des Krieges setzte man die Gefangenen mehr und mehr in der Rüstungswirtschaft ein. Schließlich unterhielt die Lagerleitung fast 100 Außenlager, die zum Teil vom Stammlager Flossenbürg weit entfernt waren und bis nach Böhmen und Sachsen reichten. Von diesen Außenlagern, von denen einige eine Belegungsstärke bis zu 5.000 Häftlingen hatten, war etwa ein Drittel mit weiblichen Gefangenen belegt. Ein erheblicher Teil der rd. 100.000 Gefangenen, die von 1938 bis 1945 registriert worden waren, war diesen Außenlagern zugeteilt.

Infolge der im Lager Flossenbürg und in seinen Außenlagern herrschenden unmenschlichen Bedingungen kamen viele Häftlinge während der Haftzeit ums Leben. Besonders hoch war die Sterblichkeit in den letzten Kriegsjahren als Seuchen, wie Fleckfieber und Typhus, die geschwächten Gefangenen zusätzlich in großer Zahl dahinrafften.

Am 23. April 1945 befreite die amerikanische Armee das Konzentrationslager Flossenbürg. Der größte Teil der Häftlinge (etwa 14.000 Personen) war bereits am 20 April in mehreren Kolonnen nach Süden in Marsch gesetzt worden und wurde einige Tagesmärsche von Flossenbürg entfernt von amerikanischen Truppen eingeholt. Diese Evakuierungsmärsche kosteten noch Tausenden von Häftlingen das Leben. Im Lager selbst wurden 1.526 Häftlinge befreit

Der Internationale Suchdienst gibt die von verschiedenen Standesämtern, darunter dem mit der Aufklärung von KZ-Sterbefällen beauftragten Sonderstandesamt Bad Arolsen registrierten Todesfälle mit 20.474 an. Die Todesfälle sowjetischer Kriegsgefangener sind dort allerdings weder verzeichnet noch beurkundet. Auch die Sterbefälle kurz vor der Befreiung wurden nicht mehr registriert. Die genaue Zahl der in Flossenbürg und seinen Außenlagern umgekommen Häftlinge lässt sich deshalb nicht angeben. Sie dürfte nach neuesten Erkenntnissen bei rd. 30.000 liegen.

Die an verschiedenen Stellen der Gedenkstätte genannten anderslautenden Zahlen beruhen demgegenüber auf früheren privaten Schätzungen; das mit der Errichtung der Gedenkstätte in den Jahren 1946 bis 1948 befasste Komitee konnte damals zuverlässige Feststellungen nicht treffen

B. Die Gedenkstätte

Vom Parkplatz der Gedenkstätte aus kommt man zunächst zur ehemaligen Gefängnisbaracke. Zur Veranschaulichung des ursprünglichen Ausmaßes des Gebäudes und des Gefängnishofes wurden die Fundamente und Frontmauern der Baracke sowie die Reste der Mauern des Gefängnishofes erhalten. Im Westteil der Baracke wurden zwei Zellen in ihrer ursprünglichen Gestalt wieder errichtet. Im Gefängnis waren u. a. hervorragende Vertreter der Deutschen Widerstandsbewegung wie Pastor Bonhoeffer, Admiral Canaris, General Oster u. a. inhaftiert, die in Flossenbürg getötet wurden.

Neben den beiden Zellen wurde ein kleiner Dokumentationsraum mit Dokumenten und Bildern eingerichtet, aus denen Einzelheiten über die KZ-Lager mit ihren unmenschlichen und entwürdigenden Bedingungen ersichtlich sind.

Nach dem Besuch der Gefängnisbaracke gelangt man vom Parkplatz in den Friedhof, in dem mehr als fünftausend Tote in Reihengräbern bestattet sind. Neben den in einigen Außenlagern von Flossenbürg umgekommen Häftlingen birgt der Friedhof vor allem die Opfer der Todesmärsche vom April 1945. Sie und ihre Schicksalsgefährten aus verschiedenen Flossenbürger Außenlagern waren zunächst dort, wo sie gerade der Tod ereilt hatte, verstreut begraben und haben nun hier auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Flossenbürg ihre letzte Ruhestätte gefunden. Die meisten sind namenlos oder man kennt zwar ihre Namen, weiß aber nicht, wer der einzelne unter den vielen Toten ist. Nur wo die Persönlichkeit ohne Zweifel feststeht, zeigt ein kleiner Stein den Namen an.

Von dem beim Eingang befindlichen halbkreisförmigen Platz mit einem roh behauenen Granitblock führt der Weg rechts durch die in langen Reihen angeordneten Gräber zu einem der drei noch erhaltenen Wachtürme. An diesem Wachturm vorbei geht man über Treppen hinab zum ehemaligen Krematorium.

Unmittelbar oberhalb des Krematoriums biegt links ein Plattenweg ab zu einem Gedenkstein mit hebräischer Inschrift.

Im Krematorium wurden in den Jahren von 1940 bis 1945 die Leichen der Gefangenen verbrannt. Vor der Errichtung des Krematoriums erfolgte die Einäscherung der Toten in Selb.

Auf dem einige Stufen tiefer liegenden Platz vor dem Krematorium zeigen ein in den grünen Rasen eingelassener roter Winkel - das Kennzeichen für politische Häftlinge - sowie eine Gedenkplatte an, dass dort eine Erschießungsstätte war.

Nur wenige Meter hiervon entfernt birgt eine mit Rasen bewachsene Erdpyramide die Asche von vielen tausend Häftlingen. Ein weiteres Aschengrab befindet sich in dem Rasenstreifen neben der Pyramide unter einer Granitplatte. Von der Aschenpyramide führt der Weg zu einer Terrasse. Befreite Häftlinge verschiedener Nationen haben hier ihren im Lager ums Leben gekommenen Landsleuten Nationalwappen und Sinnsprüchen gewidmet.

Von der Terrasse gelangt man zunächst zum Mahnmal für die jüdischen Opfer und von da aus weiter zur Sühnekapelle "Jesus im Kerker. Diese Kapelle wurde in den Jahren 1946 bis 1948 aus den Steinen abgebrochener Wachtürme des ehemaligen Konzentrationslagers erbaut.

In dem Quergang zwischen Kapelle und Wachturm erinnern zwei Granittafeln an die Errichtung der Kapelle und an die Namen der Personen, die seinerzeit an ihrem Bau mitwirkten.

Im Kapellenraum stehen auf Granitkonsolen Behälter mit heimatlicher Erde aus einigen Ländern befreiter Gefangener. Über dem Altar befindet sich eine Kreuzigungsgruppe aus Lindenholz; in der Mitte der ans Kreuz geschlagene Christus; zu seiner Rechten ein Häftling mit Steinmetzwerkzeugen, den ein Scherge bedrängt; zu seiner Linken eine Frau mit einer schweren Last auf ihrem Rücken und einem Kind, das sie mit ihrer rechten Hand schützend umarmt. Die Gruppe mit dem bedrängten Häftling erinnert an die harte Fronarbeit, die die Häftlinge in den Steinbrüchen verrichten mussten; die Gruppe mit der Frau und dem Kind versinnbildlicht das schwere Leid, mit dem auch die Angehörigen der Gefangenen belastet waren. Neben dem bunten Fenster hängt ein Bild mit einer schwarzen Madonna, eine Stiftung polnischer Geistlicher. Ihm gegenüber befindet sich das Ölgemälde "Christus mit der Dornenkrone", eine Stiftung des Bischof von Regensburg. Über der Pforte zur Sakristei ein in Granit gehauenes päpstliches Wappen. Zu beiden Seiten des Chorbogens stehen auf granitenen Konsolen zwei Urnen mit Asche von toten Häftlingen, stellvertretend für die vielen Toten des Lagers. Von der Kapelle aus führt der Weg durch Gräber hindurch wieder zum Ausgang zurück

C. KZ-Friedhof in der Ortschaft Flossenbürg

Außerhalb des ehemaligen KZ-Geländes liegt unten im Dorf Flossenbürg, am Fuße des Schlossberges, ein weiterer KZ-Friedhof. In ihm haben diejenigen Gefangenen des Lagers Flossenbürg ihre letzte Ruhestätte gefunden, die zwar ihre Befreiung im April 1945 noch erleben konnten, die aber kurze Zeit später an den Folgen der Haft starben. Jedes der 120 Gräber ist mit einem kleinen Kissenstein, der den Namen des Toten trägt, gekennzeichnet.

Bilder von Flossenbürg, KZ-Friedhof "Tal des Todes"

Von diesem Friedhof ist noch kein Bildmaterial vorhanden.

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Die Gestaltung, der Bau, die Pflege und Unterhaltung von Kriegsgräberstätten wurden im Inland durch die Bundesregierung im "Gesetz über die Erhaltung der Gräber der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft"(Gräbergesetz) sowie in der "Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zum Gräbergesetz? (Gestaltungsrichtlinie Inland) festgeschrieben. Demnach wurde die Herrichtung, Pflege und Unterhaltung der Kriegsgräber im Inland den einzelnen Bundesländern übertragen. Die Länder delegieren die Aufgaben zur Pflege und Instandsetzung der Kriegsgräber in aller Regel an die nachgeordneten Verwaltungseinheiten (Friedhofsträger). Aufgrund der seitens der Bundesregierung vorgenommenen Aufgabenteilung ist der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. im Inland nur beratend tätig, setzt sich jedoch im Rahmen des Möglichen und in Zusammenarbeit mit den Friedhofsträgern für die Erhaltung und Pflege der Kriegsgräberstätten im Inland ein.

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