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Arbeit gegen das Vergessen
Bundeswehr pflegt Kriegsgräber in Litauen
06. Juli 2018

Bundeswehr und Volksbund pflegen im Bereich der Kriegsgräberpflege eine seit vielen Jahrzehnten bewährte und mit viel Leben gefüllte Partnerschaft. Angehörige der Bundeswehr sowie Reservisten helfen bei Workcamps, Gedenkfeiern, der Sammlung – und natürlich bei der Pflege von Weltkriegsgräbern. Ende Juni erfolgte nun ein weiterer Pflegeeinsatz durch die seit letztem Jahr in Rukla/Litauen stationierte Truppe der Bundeswehr. Durch die tolle Arbeit, die dort geleistet wurde, erinnerten die freiwilligen Helfer in Uniform an die Toten des Ersten Weltkrieges, die häufig vereinzelt und in verwitterten Gräbern der Vergessenheit anheim fallen. Mit ihren Pflegearbeiten setzten sie dagegen ein tatkräftiges Zeichen der Erinnerung.

Die Vorbereitungen des relativ kurzfristig anberaumten Pflegeeinsatzes bezogen sich vor allem auf die fotografische Aufnahme der Ausgangsituation, die Erstellung eines Lageplanes sowie zahlreiche Telefongespräche und Mails für die nötigen Absprachen und Genehmigungen. Die finale Abstimmung vor Ort erfolgte erst am Abend vor dem Arbeitsbeginn. Und dann ging es auch schon los. An der Maßnahme beteiligt waren neben der ausführenden Truppe auch Kasimieras Arlauskas als Vertreter des Volksbundes für Litauen, Mitarbeiter der litauischen Kulturwerteschutzbehörde als örtlicher Partner des Volksbundes, der Bürgermeister der Gemeinde Backonys, die unmittelbaren Nachbarn des Friedhofes, ein Vertreter des Rayons Kaisiadorys (vergleichbar mit einem Landkreis) sowie Christoph Schwarz, der baden-württembergische Bundeswehr-Beauftragte des Volksbundes.

So wurde also mit Wasser, Eimern, Flüssigseife, Bürsten und Spaten gearbeitet, die Steine vorsichtig ausgegraben und von Schmutz, Moos- sowie Algenbewuchs gereinigt, Bäume ausgelichtet, die Umgebung von Gestrüpp befreit und vieles mehr erledigt. Zwischenzeitlich wurde ein Anhänger voll Kies von einer Deponie in der Nähe herangeführt, fehlendes Werkzeug bei den Nachbarn ausgeliehen, ein fehlender Handverdichter (Stampfer) selbst angefertigt und Hilfsmittel wie Zementkleber im nächstgelegenen Baumarkt gekauft. 

Arbeiten am Schnürchen

Nachdem alle Steine sorgfältig präpariert waren, ging es an daran, Fundamente aus handverdichtetem Kies zu errichten, die Steine exakt an den alten Stellen, an akkurat gespannten Schnüren ausgerichtet, möglichst fluchtend und auf gleicher Höhe wieder einzusetzen. Zerbrochene Steine wurden dabei möglichst mit Zementkleber wieder zusammengefügt. In dem Maß wie Fortschritte erkennbar wurden, wuchs einerseits die Zufriedenheit, andererseits erwachte auch der Ehrgeiz, besonders viel erreichen zu wollen. Alle arbeiteten Hand in Hand und alles begann zu laufen wie am sprichwörtlichen Schnürchen. So wurden die Arbeiten einige Stunden früher als erwartet erfolgreich vollendet.

Am Ende konnte man mit dem Erreichten zufrieden sein. Der schlichte Charakter des kleinen Friedhofs mitten im Wald ist erhalten geblieben, nur eben jetzt wieder in einem gepflegten Erscheinungsbild. Der Gefahr, dass er dem Vergessen hätte anheim fallen können, ist durch die Arbeiten wirksam begegnet worden – und das war wohl der größte Dienst der fleißigen Truppe in Uniform.

Abgeschlossen wurde der Arbeits- und Pflegeeinsatz im Wald von Bačkonys durch eine dem Anlass angemessene Zeremonie, begleitet durch das Flötenspiel eines Soldaten. Neben einem Kranz des Volksbundes wurden Blumengestecke des Rayons Kaišiadorys, der Gemeinde Bačkonys sowie der Nachbarn niedergelegt. Gedenklichter wurden ebenso gemeinsam entzündet. Das Totengedenken wurde verlesen und ins Litauische übersetzt. So fand der Arbeitseinsatz einen ebenso erfolgreichen wie würdigen Abschluss. 

Christoph Schwarz