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Der Volksbund sondiert nach Gebeinfund in Lindau
07. Februar 2020

Die Suche nach Gewissheit wirft neue Fragen auf. Nachdem am vergangenen Mittwoch ein Baggerfahrer bei Bauarbeiten am Reutiner Bahnhof menschliche Knochen, einen Wehrmachtshelm, den Hörer eines Feldtelefons, einen Blechteller, eine Glasflasche, ein Tintenfässchen und ein Soldbuch ausgegraben hatte, lag die Vermutung nahe, dass es sich dabei um die menschlichen Überreste eines Wehrmachtssoldaten handeln könnte, der bei den Luftangriffen auf Lindau Ende April 1945 ums Leben gekommen war.

Am 5. Februar machte sich ein Mitarbeiter des Umbettungsdienstes im Volksbund auf den Weg von Kassel nach Lindau, um die Fundstelle genauer zu sondieren. Artur Berger hoffte dabei auch, die Erkennungsmarke zu finden. Anhand der Daten auf der Erkennungsmarke kann man die Identität des Toten rekonstruieren. Bei Sondierung stieß Berger allerdings auf keine weiteren Knochen oder weitere Beifunde. Deshalb wurde die Sondierung damit abgeschlossen. Am Vorabend hatten jedoch Archäologen im Auftrag des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege ebenfalls gegraben. Sechs Meter von der ursprünglichen Fundstelle entfernt wurden in 1,70 Meter Tiefe nochmals menschliche Knochen gefunden. Dabei handelte es sich um Teile eines Unterschenkels mit einem Stück des Schien- und des Wadenbeins. "Es handelt sich dabei um einen zweiten Toten. Es ist ungewöhnlich, dass er so tief begraben wurde. Üblich war eine Tiefe von 1,20 Meter.

Wie geht es nun weiter? Die menschlichen Gebeine werden auf dem "Neuen Aeschacher Friedhof" beigesetzt. Auf dem Gräberfeld ruhen bereits 62 Tote des Zweiten Weltkrieges. Die Beifunde wurden dem Volksbund übergeben, der versuchen wird, die Funde zu Identifizierung zu nutzen. Bei genauerer Betrachtung dämpfen die Mitarbeiter des Volksbundes allerdings die Erwartungen, die auf das vermeintliche Soldbuch gesetzt wurden. "Die Faltung ist absolut ungewöhnlich. Ein Soldbuch hat immer eine ähnliche Bindung wie ein Reisepass. Das hier ist gefaltet. Ich fürchte, das ist etwas anderes." erklärt Artur Berger. Trotzdem wird der Volksbund weiter alles daran setzen, die Toten zu identifizieren.

Diane Tempel-Bornett