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Deutliche Warnungen vor Rechtsradikalismus auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee
Annegret Kramp-Karrenbauer „Nie wieder“ muss ein Versprechen sein
17. November 2019

Auf Einladung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin nahm der Volksbund wie auch in den letzten Jahren am  Sonntagmorgen an der Gedenkveranstaltung für die jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkrieges teil. Erstmals nahm Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer an der Veranstaltung auf dem jüdischen Friedhof in Weißensee teil.

Mit politischen Appellen der Bundesverteidigungsministerin und des Präsidenten des Zentralrates der Juden in Deutschland hat der diesjährige Volkstrauertag begonnen. Auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee forderte Ministerin Annegret Kramp-Karrenbauer angesichts des „Jahres von Halle“ und des wiederaufflammenden Rechtsradikalismus: „Ein ‚Nie wieder!‘ – das muss ein Versprechen sein.“

Für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge legte der Präsident Wolfgang Schneiderhan zusammen mit dem Landesvorsitzenden und Bundestagsabgeordneten Dr. Fritz Felgentreu einen Kranz nieder.

Josef Schuster, oberster Repräsentant der Juden in Deutschland, warnte vor Gleichgültigkeit gegenüber Extremismus und rechten Parolen. Angesichts der Taten von Halle und mit Blick auf die AfD sei es Besorgnis erregend, dass eine Partei, die den Nationalsozialismus verharmlose, bei den Landtagswahlen in Thüringen 20 Prozent hole. Bei seiner Rede auf der Gedenkfeier in Weißensee sagte er weiter: „Hier müssen wir an einer roten Linie festhalten, die nicht überschritten werden darf."

Schuster forderte null Toleranz gegenüber Antisemitismus, Islam-Hass oder Rassismus. Er erinnerte an das Leid der sechs Millionen ermordeten Juden. Weltweit waren 60 Millionen Tote in den Kriegen zu beklagen, wie er weiter ausführte. Deshalb frage er sich, ob die Lehren aus der Vergangenheit wirklich in Deutschland verstanden worden seien. Schließlich fragte er: „Haben wir eine Gedenkkultur, die auch die Jugendlichen erreicht?“ Er habe große Bedenken.

Schuster kritisierte die AfD. Es dürfe nicht hingenommen werden, dass es eine Fraktion im Bundestag gebe, deren Vorsitzender die NS-Zeit als „Vogelschiss“ in der deutschen Geschichte bezeichne. Der AfD-Vorsitzende Alexander Gauland hatte im Juni 2018 mit einer Äußerung zur Nazi-Zeit für Empörung gesorgt: „Hitler und die Nazis sind nur ein Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte“, sagte er. Später bezeichnete Gauland seine Äußerung als „missdeutbar und damit politisch unklug.“

Auch Brigadegeneral Andreas Henne, Leiter des Kommandos Territoriale Aufgaben der Bundeswehr, zeigte sich erschüttert, dass sich rechtsradikale Ideen erneut ausbreiteten und „menschenverachtende Ideologen“ wieder Menschen mordeten. Henne versprach: „In der Bundeswehr wirken wir dem entgegen.“

Liebe und Toleranz sind zerbrechliche Güter

Das unterstrich auch Annegret Kramp-Karrenbauer. Die Bundeswehr sei sich ihrer „historischen Aufgabe“ bewusst und spiegele die Vielfalt der Gesellschaft. Erstmals war eine Ministerin der Verteidigung bei der Gedenkfeier in Weißensee vertreten. Sie bezeichnete den weitläufigen Jüdischen Friedhof als „Spiegelbild unserer wechselvollen Geschichte“. Hier zeige sich, dass Vergeben und Leben stärker als der Tod seien.

Josef Schusters Fazit klang ähnlich: „Liebe und Toleranz sind zerbrechlich Güter, lassen Sie uns diese Werte für die kommenden Generationen bewahren.“

Der Volkstrauertag ist ein staatlicher Gedenktag – immer zwei Sonntage vor dem ersten Advent. Er wird in Deutschland schon seit 1919 begangen - ursprünglich, um Solidarität mit den Hinterbliebenen der Opfer des Ersten Weltkriegs zu zeigen. Inzwischen gedenkt die Bundesrepublik aller Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft.