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Die deutsch-französischen Beziehungen - Feindschaft, Versöhnung und nationale Identität im Europa von heute
Studienfahrt der Auszubildenden des Landkreises Northeim in die internationale Jugendbegegnungsstätte in Niederbronn-les-Bains.
10. September 2019
  • Niedersachsen

Landkreis Northeim/Niederbronn. Alles begann im Oktober 2018 auf der Kriegsgräberstätte Salzderhelden bei Einbeck im Landkreis Northeim. Landrätin Klinkert-Kittel hatte zu einem Orttermin geladen, um das Projekt einer Geschichts- und Erinnerungstafel zu besprechen.

Der Eindruck, den der Ort mit mehr als 350 Kreuzen vermittelte, der Widmungsspruch in der Gedenkkapelle – „Herr, lass uns erkennen in allen Kriegen das Unglück der Völker – Verbanne die Zwietracht aus unserer Welt und gib uns Frieden“ – erinnerte alle Beteiligten an die Ziele der Bildungsarbeit des Volksbunds: Frieden und Verständigung in Europa. Frau Klinkert-Kittel schlug in diesem Augenblick vor, die Auszubildenden ihres Landkreises in eine der Jugendbegegnungsstätten des Volksbunds fahren zulassen; ein Vorschlag, der sofort auf offene Ohren stieß.

Wir entschieden uns für die Jugendbegegnungsstätte in Niederbronn-les-Bains. Ihre besondere Lage gab den Ausschlag: nahe der Schlachtfelder und Friedhöfe der drei großen deutsch-französischen Konflikte (1870-71, 1914-18, 1939-45), die für das alte Europa des Nationalismus stehen, und zugleich nahe an Straßburg mit den europäischen Institutionen, die für das Europa der Zukunft stehen.

Rasch entwickelte sich eine intensive Kooperation zwischen der Ausbildungsleiterin des Landkreises, Frau Dreyer, und dem Bildungsreferenten Dr. Bendick. Zusammen mit Joëlle Krieger, der stellvertretenden Leiterin der Jugendbegegungsstätte, entwarfen wir ein Programm, das die besondere Geschichte des Elsass thematisiert und an seinem Beispiel die Frage nach nationalen Identitäten stellt, die Kriegsgräberstätte in Niederbronn erkundet und das Schicksal der dort bestatteten Kriegstoten untersucht, schließlich das Schlachtfeld von Verdun und als Abschluss das Europaparlament in Straßburg besucht. Eine Einführungsveranstaltung im August bereitete die Fahrt vor. Die Stiftung des Volksbunds „Gedenken und Frieden“ (GuF) und das deutsch-französische Jugendwerk (DFJW) unterstützen die Fahrt.

Eine besondere Zielsetzung ist mit Blick auf den Teilnehmerkreis verbunden. Es handelt sich um Auszubildende, die als Mitarbeiter des öffentlichen Diensts auf lokaler Ebene auch hoheitliche Aufgaben wahrnehmen werden. Es geht darum, sie für aktuelle Fragen der Erinnerungskultur zu sensibilisieren und damit Kompetenzen zu vermitteln, die für künftige Angehörige des öffentlichen Dienstes von Bedeutung sind.

Kreisvorsitzende des Volksbunds wie Landrätin Klinkert-Kittel, die nicht nur ihre Sympathie für die Bildungsarbeit des Volksbunds bekunden, sondern sich auch aktiv an ihr beteiligen, reagieren klug auf die Herausforderungen unserer Gegenwart, ganz im Sinne von Jean-Claude Juncker: „Wer an Europa zweifelt, wer an Europa verzweifelt, der sollte Soldatenfriedhöfe besuchen.“

Wir hoffen, dass das Northeimer-Modell Schule macht und anderen Kreisvorsitzenden als Vorbild dient.

Die Fahrt findet in der Woche vom 9. bis 13. September statt. Wir werden hier täglich über die einzelnen Stationen berichten.

Text und Bilder:
Dr. Rainer Bendick, Bildungsreferent Volksbund Braunschweig