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"Die Hand zur Versöhnung ausgestreckt"
Volkstrauertag in Ljublino bei Moskau mit Erinnerung an Kriegsgefangene
24. November 2020

Klein ist sie im Vergleich zu Sologubowka bei St. Petersburg und Rossoschka bei Wolgograd. Und doch hat die Kriegsgräberstätte Ljublino bei Moskau besondere Bedeutung für den Volksbund. Ein Grußwort von Präsident Wolfgang Schneiderhan zum Gedenken am Volkstrauertag 2020 unterstreicht das.

„Dass der Volksbund deutsche Soldaten in Russland in Würde bestatten darf, ist nicht selbstverständlich. Die Hand, die uns zur Versöhnung ausgestreckt wurde, ist ein Zeichen von Großherzigkeit und von der Fähigkeit des russischen Menschen, zu vergeben“, heißt es in dem Grußwort, das die evangelische  Pfarrerin Aljona Hoffmann verlas.

Aufgrund der Corona-Pandemie fiel die Gedenkfeier zum Volkstrauertag auf dem Moskauer Kriegsgefangenenfriedhof im Vorort Lublino bescheidener aus. Dennoch waren an die 50 Gäste gekommen, um der feierlichen Zeremonie beizuwohnen, unter ihnen neben dem Militärattaché der Bundesrepublik, General Ernst-Peter Horn, auch Militärattachés der Botschaften Frankreichs, Polens und Österreichs.

Für den Volksbund legte der langjährige Mitarbeiter Viktor Muchin ein Blumengesteck am Mahnmal nieder. Da sich Boschafter Andreas von Geyr in Quarantäne befand, sprach seine Stellvertreterin, die Gesandte Beate Grzeski, und erinnerte an das Ende des Zweiten Weltkrieges vor 75 Jahren.

Ausdrücklich ging sie dabei auf die Opfer und Leiden sowjetischer Kriegsgefangener ein. Von den fünf Millionen sowjetischen Kriegsgefangenen seien infolge der verbrecherischen Politik des Nationalsozialismus mehr als drei Millionen ums Leben gekommen. Von drei Millionen Deutscher in sowjetischer Kriegsgefangenschaft starben etwa eine Million.

"Ein Stück Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen"

In Ljublino sind 495 Deutsche zusammen mit Ungarn, Franzosen und Rumänen begraben. Sie alle starben in Kriegsgefangenschaft. „Dieser Friedhof ist von besonderer Bedeutung", sagte Präsident Schneiderhan in seiner Grußbotschaft. „Er ist ein Stück Geschichte der deutsch-russischen Beziehungen.“

Ljublino ist einer der ersten Friedhöfe, den der Volksbund in der Sowjetunion errichten durfte. 1975 besuchten Bundespräsident Walter Scheel und Außenminister Hans Dietrich Genscher die Gräber. Und 1977 reiste erstmals eine Gruppe von Angehörigen auf die damals noch fertige Kriegsgräberstätte und legte  Blumen nieder. Viele Minister und auch Bundeskanzler wie Helmut Kohl, Gerhard Schröder und Angela Merkel legten hier Kränze nieder. Die offizielle Einweihung fand  am 1. Juni 1996 statt. Im kommenden Jahr besteht die Kriegsgräberstätte Ljublino also 25 Jahre.

Text: Hermann Krause (Volksbund-Büro Moskau)

Aktion Vergissmeinnicht

Deutsch-britisches Gedenken stand am Volkstrauertag 2020 in Berlin im Mittelpunkt mit einem besonderen Symbol: 1.000 Vergissmeinnicht und Mohnblumen (Poppys) schmücken einen Kranz, der in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche steht. Vergissmeinnicht sind in Deutschland, Mohnblumen in den Commonwealth-Staaten Symbolblumen für das Gedenken an alle Kriegstoten.

Sie können die Aktion "Vergissmeinnicht" und die Arbeit des Volksbundes mit einer Spende unterstützen – per Überweisung, Bankeinzug oder telefonisch. Seine Arbeit finanziert der Volksbund als gemeinnütziger Verein vor allem aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Mehr Informationen finden Sie unter www.volksbund.de/helfen.