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Drei Generationen im Arbeitseinsatz
Die Kriegsgräberstätte Pomezia in Italien bekommt ein neues Rolltor
22. Oktober 2020

Der Volksbund pflegt 832 Kriegsgräberstätten weltweit. Dabei ist er als Spendenorganisation auf ehrenamtliche Unterstützung angewiesen. Bundeswehr und Reservisten übernehmen häufig schwere Arbeitseinsätze - wie diesen hier auf dem Soldatenfriedhof im italienischen Pomezia.

Verflixtes Jahr 2020. Die Pandemie hat auch beim Volksbund einiges durcheinander gewirbelt. Angehörigenreisen, Workcamps und Gedenkveranstaltungen können nicht stattfinden, auch Arbeits- und Pflegeeinsätze der Bundeswehr und der Reservisten auf den Kriegsgräberstätten müssen verschoben werden oder fallen ganz aus. Dann musste die Bundeswehr ihre Unterstützung aussetzen, sie wird immer mehr in der Bekämpfung der Pandemie eingesetzt.

Holger Klöpfer, Hauptfeldwebel der Reserve und Kreisorganisationsleiter Ostwürttemberg/Alb-Donau beim Reservistenverband sowie bereits mehrfach als Kommandoführer bei Arbeits- und Pflegeeinsätzen auf Kriegsgräberstätten für den Volksbund im Einsatz, mochte das so nicht auf sich beruhen lassen. Und er fand einen Gleichgesinnten: Christoph Schwarz, Oberstleutnant a.D. und Beauftragter des Volksbundes für die Zusammenarbeit mit der Bundeswehr und den Reservisten in Baden-Württemberg. Beide überlegten, wie der im Februar detailliert geplante Arbeitseinsatz auf der Kriegsgräberstätte Pomezia bei Rom doch noch durchgeführt werden könnte.   

Das Projekt muss abgeschlossen werden

Die Lösung kam in Form eines privaten Kleinbusses daher, ein Angehöriger der Reservistenkameradschaft konnte ihn leihweise zur Verfügung stellen. Auch das pandemie-bedingt: normalerweise ernährt das Fahrzeug seinen Halter als Flughafenzubringerbus. Der Volksbund übernahm die Kosten für Treibstoff und Versicherung. Mit diesem Einsatz in Pomezia sollten umfangreiche Reparaturarbeiten abgeschlossen werden.  Aufwändige und kostenintensive Vorarbeiten waren bereits geleistet worden – sinnlos, wenn das Projekt nicht abgeschlossen wird. Die - vorsichtig geschätzten - 20.000 Euro für eine gewerbliche Ausführung waren im Budget nicht vorgesehen, unabhängig von dem Problem, mitten in der Pandemie in Italien rasch eine entsprechend qualifizierte Firma zu finden.

Pomezia beging im Juni 2020 den 60. Jahrestag seiner Eröffnung. Bereits 2019 hatte man begonnen, die Anlage grundlegend zu überholen. Dazu gehörte auch der Einbau eines durch ein regionales Metallbauunternehmen bereits angefertigten neuen Rolltores. Das Rolltor musste auch noch um einige Meter nach innen versetzt werden. Der Verkehr auf der an der Kriegsgräberstätte vorbeiführenden historischen Via Pontina ist inzwischen so dicht, dass ein Anhalten auf der Straße bis zur Öffnung des Tores nicht mehr möglich ist. Gleichzeitig muss die Friedhofsanlage angesichts der örtlichen Verhältnisse rundum massiv umfriedet und abgeschlossen sein.

Metalldiebe treiben ihr Unwesen

Im Februar trafen sich zur Vorbereitung und zum Aufmaß vor Ort: Zwei Fachhandwerker aus dem Team, Hartmut Lucke, gelernter Straßenbauer und Timo Klöpfer, Metallbauer und Bruder des Kommandoführers, der Bundeswehrbeauftragte Christoph Schwarz sowie Marie Kefenbaum, Architektin in der Bundesgeschäftsstelle des Volksbundes. Sollten alle Vorbereitungen umsonst gewesen sein? Am Ende drohte sogar der Diebstahl der fertigen Werkstücke: Metalldiebe treiben auch in dieser Gegend ihr Unwesen. Erst, wenn alles fertig montiert wäre, wären die Kriegsgräberstätte und die Bauteile geschützt.

Kommandoführer war der mehrfach bewährte Holger Klöpfer, sein Bruder Timo unterstützte als Metallbauer. Vater Lothar hatte sich schon früher als Kommandoführer bewährt, aber eigentlich zur Ruhe gesetzt. Doch nachdem ein Teilnehmer aber nicht teilnehmen konnte, folgte er gern dem Ruf seines Sohnes und nahm noch einmal als (Ehren-)Bauleiter teil. Sohn Florian war bis Juni aktiver Soldat und fuhr somit als frischgebackener Reservist mit. So fanden sich vier Teilnehmer der Familie Klöpfer aus drei Generationen in dem Team „Pomezia“ zusammen. Um aber die Hälfte des Kommandos voll zu machen, fuhr mit Sven Winkler, dem Sohn seiner Schwester, auch noch ein Neffe des Kommandoführers mit.

Die Mühen haben sich gelohnt

Neuer Plan, banges Warten. Wie würden sich die Infizierten-Zahlen wohl entwickeln? Zuhause, auf dem Transit und in der Zielregion? Um es kurz zu machen: Unbändige Freude erfüllte das Kommando, als es schließlich am Samstag, den 19.09. abends starten konnte. Auch dem Bundeswehrbeauftragten entfuhr ein Freudenschrei; eine solch schwierige Geburt hatte er schon lange nicht mehr erlebt. Die Mühen der vergangenen Wochen hatten sich gelohnt.

Fazit: Alles hat bestens geklappt, das Kommando ist gesund zurück; das Wetter hätte besser sein können und den Aufbruch des Fahrzeuges unter den Augen der Carabinieri in Rom am helllichten Tag hätte auch niemand gebraucht. Aber das ist fast schon wieder vergessen. Alles in allem war dieser Einsatz für alle Beteiligten ein Riesenerfolg und volksbundweit zugleich der erste durchgeführte in diesem ganzen verflixten Jahr.  

Diane Tempel-Bornett
Pressesprecherin
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