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Einbettung in Stare Czarnowo
Interview mit Umbettungsleiter Thomas Schock
18. April 2019

„In Stare Czarnowo ist immer besonders schön, dass so viele Leute kommen“, sagt Thomas Schock, Leiter des Umbettungsdienstes beim Volksbund. Er hat schon viele Ausgrabungen und Gedenkfeiern miterlebt, zuletzt begleitete er eine Einbettung von 1 378 Kriegstoten in der Nähe von Stettin. Was ihn dabei emotional bewegt, verrät er im Interview – und im Videostatement.

Herr Schock, am 11. April wurden auf dem Friedhof in Stare Czarnowo 1.378 Kriegstote eingebettet - welche Menschen liegen hier nun begraben?

Schock: Wir haben insgesamt 221 Soldaten, 255 Zivilisten und 900 Kriegsgefangene bestattet, die wir im Nordwesten von Polen gefunden haben. Sie ließen ihr Leben im Zweiten Weltkrieg, fielen in der Schlacht bei Stettin ’45, verstarben im Lazarett oder in Kriegsgefangenschaft in einem Arbeitslager.

Wer die Särge genau nachzählt, sieht, dass nicht jeder Kriegstote einen eigenen Sarg hat. Warum ist das so? 

Leider finden wir häufig eine untrennbare Grablage vor, ein Massengrab ist ein gutes Beispiel dafür. Bei so einem Fund sind die sterblichen Überreste oftmals nicht klar voneinander zu trennen. Erst die Identifizierung der Toten gibt mehr Klarheit. Wenn die Erkennungsmarken oder andere Nachlassgegenstände fehlen, ist dies jedoch nahezu unmöglich.       

Wie organisiert man eine würdevolle Gedenkfeier für so viele Tote? 

Eine feierliche Bestattung von Kriegsopfern ist immer sehr emotional und soll möglichst würdevoll ablaufen. Vor Ort waren deutsche und polnische Soldaten, die uns bei der Einbettung geholfen haben. Diese Zusammenarbeit und Verständigung über den Gräbern ist enorm wichtig. Die Gedenkfeier selbst wurde vom Landesverband Mecklenburg-Vorpommern organisiert, der eine Patenschaft mit dem Friedhof in Stare Czarnowo hat.

Was macht diese Gedenkfeier zu einem besonderen Ereignis?  

Nach Stare Czarnowo kommen immer viele Besucher. Es waren unter anderem zwei Schulklassen dort, mit Kindern die Gedichte aufsagten. Das war echt beeindruckend. Die Menschen, die im heutigen Polen in der Nähe arbeiten und wohnen waren da oder auch Vertriebene, die wieder in die alte Heimat zurückkehrten. An der Feier nahmen sogar zwei Angehörige teil. Das kommt recht selten vor.

Warum?

Beim Exhumieren wissen wir zunächst nicht, um welchen Toten es sich genau handelt und ob es Angehörige gibt. Das erfahren wir meist erst später.    

Was liegt Ihnen am Herzen, wenn Sie Kriegstote suchen oder gar einbetten?

Uns liegt sehr viel daran, dass die Toten würdig bestattet werden und hoffen, dass sie zum Frieden mahnen, damit es nie wieder zum Krieg kommt.

Video: Slideshow zur Einbettung

 

Simone Schmid
Referentin Kommunikation/Social Media
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