Pressemitteilung
Exkursion zum Gletschergrab
Deutsch-russische Grabsuche im kaukasischen Gletschergebiet
10. August 2018

Kassel, Krasnodar, August 2018. Die deutsche Kriegsgräberstätte Krasnodar-Apscheronsk wurde vor zehn Jahren im Kaukasus eingeweiht. Sie ist ein Ort der Mahnung an das Grauen des Kriegs und der Trauerort für die Angehörigen von Zehntausenden Kriegstoten.

An der Gedenkveranstaltung am 25. August werden über 40 Angehörige im Rahmen einer Volksbund-Gedenkreise nach Apsheronsk reisen.

Unter den 17 616 Kriegsgräbern liegen auch 7415 „unbekannte Soldaten“. An sie, deren Gräber fast nie geschmückt werden, erinnert der Volksbund vor Ort mit einer besonderen Online-Gedenkaktion und stellt kleine Holzkreuze mit einem symbolischen  Vergissmeinnicht dort auf.

Vor der Gedenkveranstaltung startet eine gemeinsame Exkursion von deutschen und russischen Soldaten. Sie werden nach weiteren Gräbern in einem abgelegenen Gletschergebiet des Nordkaukasus suchen.

Deutsch-russische Seilschaft im Gletscher unterwegs

Anlass zur aktuellen Exkursion sind neue Meldungen über offen liegende Grablagen im Gebirge des Nordkaukasus. Durch das Abschmelzen der Gletscher ist nun – nach über sieben Jahrzehnten – die professionelle Suche nach diesen Kriegstoten möglich geworden. Zugleich weiß der Volksbund, dass es unweit dieser Stelle am Kluchor-Pass nahe der georgischen Grenze einen weiteren Soldatenfriedhof aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges gegeben hat.

Ein Hinweis auf die gute deutsch-russischen Zusammenarbeit: Die vom scheidenden Moskauer Verteidigungsattaché, Brigadegeneral Reiner Schwalb maßgeblich unterstützte Sondierung wird von deutschen und russischen Soldaten gemeinsam durchgeführt. Nach derzeitigen Planungen wird von Mitte bis Ende August eine Gruppe, zusammengesetzt aus Soldaten der Gebirgsjägerbrigade 23 aus Bad Reichenhall, russischen Gebirgsjägern, Vertretern des deutschen Militärattaché-Stabes aus Moskau sowie des Volksbundes vor Ort sein.

Das Ziel ist die Bergung und würdige Bestattung

Ziel der Sondierung: Nach hoffentlich erfolgreicher Lokalisierung der Gräber sollen die dort vermuteten Gebeine in einer weiteren Expedition geborgen werden. Dies sind die Voraussetzungen für die spätere Identifizierung der Toten. Wenn alles gelingt, sollen diese Kriegstoten aus dem - vermeintlich ewigen Eis  - schließlich auf der deutschen Kriegsgräberstätte Apscheronsk würdig bestattet werden.

Zum historischen Hintergrund: Die Soldaten starben meist während der deutschen Sommeroffensive von 1942 und gehörten zur Heeresgruppe A, die am unteren Don nach Süden und Südosten vorstieß. Ein Ziel von Hitlers Angriffs- und Vernichtungsfeldzug gegen die Sowjetunion war Ausbeutung des Landes, die Ermordung und Vertreibung der Menschen und Plünderung der Ressourcen. Anfang August eroberten die deutschen Wehrmachtssoldaten die Ölfelder von Maikop und kämpften sich weiter östlich bis an den Kaukasus vor. Doch zu diesem Zeitpunkt war die Front bereits so überdehnt, so dass mangelnder Nachschub sowie die wachsende sowjetische Verteidigung den Vormarsch schließlich zum Erliegen brachten. Der endgültige Rückzug der Wehrmacht aus dem Kaukasus begann ab Dezember 1942 und brachte erneut hohe Verluste an Menschenleben auf beiden Seiten. Im März 1943 standen die deutschen Truppen etwa wieder auf der Position, von der aus sie ihren Angriff begonnen hatten.

Prominente Begleitung durch Militärbischof und Wehrbeauftragten

An dieses massenhafte Sterben hatte General Wolfgang Schneiderhan schon am 6. September 2008 bei der Einweihung der Kriegsgräberstätte Krasnodar-Apscheronsk erinnert. Damals war er der amtierende Generalinspekteur der Bundeswehr. Fast zehn Jahre später kommt er am 25. August 2018 als Präsident des Volksbundes zurück an diesen besonderen Erinnerungsort. Die Gedenkstunde wird vom evangelischen Militärbischof Dr. Sigurd Rink begleitet. Der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, Dr. Hans-Peter Bartels, wird die Gedenkansprache halten. Im Rahmen einer Volksbundreise werden 40 Angehörige an der Gedenkveranstaltung teilnehmen.

Im Vorfeld wurde die deutsche Kriegsgräberstätte in Apscheronsk durch ein freiwilliges Arbeitskommando des Technischen Hilfswerkes (THW) sorgfältig gepflegt.

Gedenkkreuze für Apscheronsk

Die Spenden von Volksbund-Förderern sollen ermöglichen, die Gräber der ‚unbekannten Soldaten‘ mit Holzkreuzen und dem symbolischen Vergissmeinnicht zu schmücken. Ihre Gräber sind fast nie geschmückt. Dies soll mit der Online-Spendenaktion „Gedenkkreuze für Apscheronsk “ geändert werden. www.unbekannten-gedenken.de.

Pressekontakt:

Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V
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Maurice Bonkat
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