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Gedenken in den Jugendbegegnungs- und Bildungsstätten
"Der 8. Mai bedeutet für uns..." – Stimmen junger Mitarbeitender
08. Mai 2020

Auch in den vier Jugendbegegnungs- und Bildungsstätten des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge steht der 8. Mai als Gedenktag im Fokus. Dort – in unmittelbarer Nachbarschaft zu Kriegsgräberstätten – sprechen junge Mitarbeitende aus, was das Ende des Zweiten Weltkrieges 75 Jahre später für sie bedeutet. Eine Stimme kommt vom Golm auf Usedom direkt an der polnischen Grenze, eine zweite aus Lommel in Belgien.

Lena Stephan vom Golm auf Usedom

"Am 8. Mai 1945 wurde nicht nur Deutschland von seiner faschistischen Regierung, sondern wurden abschließend auch Minderheiten von ihrem Schicksal und vor allem Europa vom Vernichtungskrieg befreit. Für die Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte Golm als Ort der deutsch-polnischen Begegnung bedeutet der 8. Mai nicht nur das Ende des Zweiten Weltkrieges und des Nationalsozialismus, sondern auch den Anfang eines neuen Miteinanders in Europa.

Auch wenn dies für Polen und zahlreiche andere Staaten noch nicht das Ende von diktatorischer Beeinflussung war, so war es trotzdem ein erster Schritt in ein liberales, freiheitliches Europa und die Grundlage der heutigen deutsch-polnischen Freundschaft. Der 8. Mai ist sowohl ein Tag des Gedenkens derer, die im Verlauf des Zweiten Weltkrieges und im Dasein des Nationalsozialismus ihr Leben geben mussten, als auch ein Tag der Freude für all jene, die durch das Ende dieser Schreckensherrschaft neue Freiheit gewannen."

Myriam Koonings (Leiterin) und Karsten Conaert (Pädagogischer Mitarbeiter). Foto: Volksbund

Karsten Conaert in Lommel in Belgien:

"Heute, am 8. Mai, ist es genau 75 Jahre her, dass der Zweite Weltkrieg in Europa endete. Einen Tag später hörte auch das System der Konzentrations- und Vernichtungslager auf zu existieren. Heute denken wir an die Menschen, die, weil sie auf einer bestimmten Seite einer Grenze geboren wurden, zum Freund oder Feind gemacht worden sind. Ganz normale Menschen, die auf Kriegsgräberstätten begraben sind und sich sinnlos aus unnötigem Hass, Rache oder Angst erschossen haben. Wir stellen uns die extremen Situationen vor, die sie erlebt haben, und die schrecklichen Entscheidungen, die sie treffen mussten: Er oder ich, überleben oder sterben.

Wir erinnern uns auch an diejenigen, die geflohen sind, sich verstecken mussten, von den Nazis wegen ihrer Herkunft, ihres Glaubens oder ihrer sexuellen Orientierung verfolgt oder ermordet wurden. Diejenigen, die an den Folgen von Unterernährung, Krankheit, Zwangsarbeit und medizinischen Experimenten starben.

Der Bilanz war nach 1945 war enorm: 60 Millionen Opfer. Genauso wie 75 Jahre Frieden in Europa ist dies noch nie in der Geschichte geschehen. Seitdem ist ´der Krieg´ ein wichtiger moralischer Maßstab für unser Handeln und wie wir uns heute die Welt anschauen. Leider war 'nie wieder Krieg' allzu oft eine hohle Phrase.

Während der aktuellen COVID-19-Epidemie sprechen Politiker wieder von Krieg, aber das ist wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Dennoch ist es einer der seltenen Momente seit dem Zweiten Weltkrieg, dass unsere Freiheit auf die Probe gestellt wird. Deshalb gedenken wir Werten, die uns als Menschen verbinden: Solidarität, Toleranz, Menschlichkeit. Dass wir diese Dinge niemals aus den Augen verlieren werden."

In Lommel ist außerdem ein Kurzfilm entstanden mit dem Bericht des Zeitzeugen Miel Andriesse, einem Statement der ESC-Freiwilligen Sophie Heini und Musik von Hans Eerdeken.