Nachricht
Gegen den Zahn der Zeit
Volksbund renoviert Kriegsgräberstätten
09. Oktober 2018

Die Zeit mag Wunden heilen, doch sie ist eine schlechte Kosmetikerin. Diese Erkenntnis von Mark Twain lässt sich auch auf den Umgang mit den historischen Kriegsgräberstätten des Volksbundes übertragen. Denn die insgesamt 832 Friedhöfe samt zugehöriger Flächen und Gebäude bedürfen der ständigen Pflege und baulichen Erneuerung: Ist man an einem Ende fertig, kann man am anderen eigentlich gleich wieder anfangen. Aktuell renoviert das Baureferat die Anlagen am Golm auf Usedom, im französischen La Cambe, in El Alamein/Ägypten und in Costermano am Gardasee.

Neben der angesprochen Substanzerhaltung geht es bei den aktuellen Bauvorhaben auch um das neue Volksbund-Projekt „19 für 19“. Dabei sollen zum 100-jährigen Jubiläum des Volksbundes im kommenden Jahr insgesamt 19 neue Ausstellungen auf Kriegsgräberstätten in ganz Europa entstehen. Dazu zählt auch die wohl am häufigsten besuchte Volksbund-Erinnerungsstätte – nämlich La Cambe in der Normandie. Dort sollen neben einer neuen Sanitäranlage auch das Verwalterbüro sowie die besagten Ausstellungsräume auf Vordermann gebracht beziehungsweise komplett renoviert werden. Dies führt auch zu Behinderungen des Besucherstroms, die voraussichtlich noch bis Anfang Dezember dieses Jahres anhalten. Die Kosten für diese Renovierung betragen etwa 170.000 Euro. 


Mit Betonstaub und Bindemittel

Auch am Golm auf Usedom gibt es Baufortschritte zu verzeichnen, die zugleich ein immer wiederkehrendes Problem beseitigten. So war es auf der Kriegsgräberstätte am Golm in den vergangenen Jahren immer wieder zu Buntmetall-Diebstählen gekommen. Dies betraf vor allem die großen Metallbuchstaben, die im Innenraum der Rotunde angebracht waren. Sie formten den Satz, „Dass nie eine Mutter mehr ihren Sohn beweint“, der aus der ehemaligen Nationalhymne der DDR stammt und den Blick speziell auf die verheerenden gesellschaftlich-sozialen Folgen des Zweiten Weltkrieges richtet. Nach etlichen Diebstählen hat sich der Volksbund nun entschlossen, gänzlich auf Metallbuchstaben zu verzichten und den Satz mittels des Betonspritzverfahrens auf der Wand zu verewigen. Dabei wird eingefärbter Betonstaub zusammen mit einem Bindemittel direkt auf die Wand aufgetragen.

Große Teile des Betons der Rotunde waren zuvor abgeplatzt und der darunterliegende Stahl korrodiert. Die schadhaften Stellen wurden komplett entfernt, der offenliegende Stahl behandelt und die Oberfläche neu aufgebaut. Die Arbeiten erfolgten in enger Abstimmung mit der zuständigen Denkmalpflege des Landes Mecklenburg-Vorpommern und sind nun vollständig abgeschlossen. Die Farbe und Struktur der Oberfläche wurde sorgfältig und aufwendig möglichst originalgetreu wiederhergestellt. Das Ergebnis kann sich sehen lassen – und ist zudem nun vor Langfingern sicher.

Im ägyptischen El Alamein waren es weder der Zahn der Zeit noch Diebe, sondern vor allem das Salz in der Luft, welches an der Bausubstanz nagte. Zudem wies das Dach viele undichte Stellen auf, was wiederum zu Wasserschäden im Inneren führte. Gleichzeitig sind auch das kunstvolle Mosaik sowie viele Gebäudebestandteile aus Metall inzwischen erheblich renovierungsbedürftig. Diese Arbeiten sind nun ebenfalls abgeschlossen und schlagen mit etwa 80.000 Euro zu Buche. 

Weitere Arbeit gibt es momentan auch in Costermano/Italien, wo inzwischen eine neue Sanitäranlage fertiggestellt wurde. Instandsetzungen gab es hier ebenfalls am Mosaik im Eingangsbereich sowie im Ausstellungsraum. Zudem wurden ein barrierefreier Zugang sowie eine neue Behindertentoilette gebaut, so dass nun auch Menschen mit Gehbehinderung diese besondere Kriegsgräberstätte sehr viel leichter besuchen können.

Gegen den Zahn der Zeit wird also beim Volksbund auf den deutschen Kriegsgräberstätten viel getan. Wir werden Sie weiter darüber informieren.

Maurice Bonkat
Redakteur
+49 (0) 561-7009-281