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Im Spannungsfeld zwischen Vergangenheit und Gegenwart
Nordthüringer halten bei Bildungs- und Kulturreise auch auf Kriegsgräberstätte im russischen Tschernjachowsk inne
11. Oktober 2019
  • Thüringen

Kaliningrad. Welch unermessliches Leid die beiden Weltkriege über die europäischen Völker brachten, können Besucher von Soldatenfriedhöfen zumeist nur ansatzweise erahnen. So erging es Anfang Oktober den rund 90 Teilnehmern einer Reisegruppe aus Nordthüringen, als sie die Deutsche Kriegsgräberstätte in Tschernjachowsk, dem früheren Insterburg, in Russland besuchten.

Schweigend und tief betroffen gingen die Thüringer über die weitläufige Gedenkstätte, die am Stadtrand von Tschernjachowsk innerhalb des ehemaligen Zivilfriedhofes entstanden war. Dort ruhen 556 Deutsche, fünf Rumänen und 165 Russen, die im Ersten Weltkrieg gefallen waren. Der Sammelfriedhof für Gefallene aus dem östlichen Teil des ehemaligen Ostpreußens war zunächst 17.000 Quadratmeter groß. Wegen der großen Zahl zu erwartender sogenannter Zubettungen wurde die Anlage dann auf etwa 27.000 Quadratmeter erweitert. Zwischen 1942 und 1948 sind über 2.100 Gefallene bestattet worden. Bisher erfolgten 6.548 Zubettungen. Auf den Stelen sind schließlich die Namen von 5.321 Toten verzeichnet.

Seit der Einweihung des Friedhofs im Juli 1996 bietet der Volksbund jährlich Gedenkreisen auch zu dieser Kriegsgräberstätte an. Es handelt sich um eine von insgesamt acht im heutigen Oblast Kaliningrad, der russischen Exklave an der Ostseeküste. Immer dann, wenn Angehörige ihrer dort umgekommenen und bestatteten Verwandten gedenken, wird oftmals auch ein neues Holzkreuz mit dem Namen und Lebensdaten des Gefallenen aufgestellt.

Begleitet wurde die jetzige Gedenkreise von Henrik Hug, dem Geschäftsführer des Thüringer Landesverbandes vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Er hielt das Totengedenken, das auch den Opfern der Kriege und Bürgerkriege unserer Tage sowie den Opfern von Terrorismus und politischer Verfolgung galt. Einbezogen wurden zudem die Bundeswehrsoldaten und andere Einsatzkräfte, die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren. Dem Gedenken schloss sich das gemeinsam gebetete Vaterunser an. Ein Blumengebinde wurden niedergelegt und Kerzen angezündet.

Organisiert worden war die Bildungs- und Kulturreise in das Spannungsfeld zwischen Vergangenheit und Gegenwart wiederum von den Kreisverbänden Unstrut-Hainich und Eichsfeld der CDU Thüringen in Regie der Landtagsabgeordneten Elke Holzapfel (Mühlhausen) und Christina Tasch (Küllstedt). Die Reiseteilnehmer suchten nach Spuren deutscher Geschichte im Osten Europas und zugleich die Begegnung mit der modernen Großstadt Kaliningrad, dem einstigen Königsberg, deren Einwohner mit diesen deutschen Wurzeln wieder unbefangener umgehen.


Text und Fotos: Reiner Schmalzl