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In Verantwortung für die Geschichte
550 Gäste beim Hamburger Senatsempfang zum Volksbund-Jubiläum
12. August 2019

Das war ein würdiger Rahmen mit einem hochkarätigen Programm im Großen Festsaal des Hamburger Rathauses: Die fünf norddeutschen Landesverbände hatten an diesem Freitag eingeladen und mehr als 550 Gäste begingen das 100-jährige Bestehen des Volksbundes mit einer großen Feier, inklusive Kranzniederlegungen auf dem Friedhof Ohlsdorf und einer klassischen Hafenrundfahrt. Neben Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher sprachen auch Karen Koop, Vorsitzende des Landesverbandes Hamburg, Generalsekretärin Daniela Schily und Professor Dr. Loretana de Libero, Mitglied im Bundesvorstand des Volksbundes. Roland Behrmann, Geschäftsführer des Niedersächsischen Landesverbandes moderierte zudem eine Podiumsdiskussion mit Rolf Wernstedt, früher niedersächsischer Kultusminister, Wiebke Kolbe, Autorin einer Publikation zu den Reisen des Volksbundes und Dirk Reimers, ehemals Staatsrat in Hamburg und Vorstandsbevollmächtigter der Deutschen Nationalstiftung. 

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD, Foto unten) würdigte die Arbeit des Volksbundes als wichtigen Beitrag für Frieden und Demokratie in Europa. Bis heute verbinde der Volksbund die Grabpflege und Erinnerung an die Kriegsopfer mit einer Mahnung an die Ursachen von Krieg und Gewaltherrschaft, sagte er im vollbesetzten Festsaal des Rathauses. Der Volksbund unterstütze die Begegnungen von Jugendlichen ehemals verfeindeter Länder und die Auseinandersetzung mit den Ursachen von Krieg, Gewalt, Diskriminierung. Und weiter: „Der Volksbund leistet damit einen wichtigen Beitrag für Frieden und Demokratie in Europa.“

Der Wandel des Volksbundes in den vergangenen 100 Jahren seit seiner Gründung war das Thema, das sich als roter Faden durch alle Reden zog. Die Historikerin Loretana de Libero, von 2012 bis 2015 Mitglied der Hamburgischen Bürgerschaft und unter anderem Professorin an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg-Blankenese beleuchtete in ihrer Rede (hier der Originaltext) die hellen und dunklen Zeiten des Volksbundes sowie die Kontinuitäten während der NS-Herrschaft und in der Nachkriegszeit. Ihr Fazit: „Als Demokraten sind wir gehalten mutig die Stimme zu erheben gegen Unwissenheit, Dummheit und all die hässlichen Ismen, die wieder durch Europa geistern, vom Populismus und Nationalismus über den Islamismus und Antisemitismus bis zum Extremismus.“ Ein jeder trage die Verantwortung für die Geschichte. Prof. Dr. de Libero (Foto unten) weiter: „Volksbund-Freunde, Förderer und Unterstützer dienen durch ihr großartiges Engagement der Völkerverständigung und Versöhnung, helfen das menschliche Miteinander in europäischer Vielfalt zu stärken.“

Volksbund-Generalsekretärin Daniela Schily betonte die Bedeutung der Bildung und Gedenkkultur: „Die Kriegsgräberstätten sind Orte der Trauer und des Gedenkens. Wir entwickeln sie aber durch multimediale Informationsangebote zu Lernorten weiter, machen aus den Gedenkstätten auch Denkstätten. Diejenigen, die die Weltkriege als „Vogelschiss“ der Geschichte abtun wollen, können wir so mit der Wahrheit konfrontieren.“ Der Volksbund setze dem Bild des mutigen Kriegers den Mut zum Frieden entgegen. Schilys Appell: „Eine Gesellschaft, die der Mut und die Zivilcourage verlassen haben, ist immer in der Gefahr, ins Autoritäre und Diktatorische abzugleiten. Deshalb ist unser Leitbild die Versöhnung über den Gräbern und unser Motto lautet ,Frieden braucht Mut’.“

Mit stehenden Ovationen wurde schließlich die Kollegin Dr. Oktavia Christ verabschiedet. Nach einer kurzen Laudatio ihres Landesgeschäftsführer-Kollegen Karsten Richter gab es einen langen und warmen Applaus für die scheidende Geschäftsführerin des Hamburger Landesverbandes, die sich anschließend sehr gerührt zeigte. Und dann ging es zum gemütlichen Teil über: Das Nachmittagsprogramm für Ehemalige sowie aktive Ehrenamtliche und Mitarbeiter, Mitglieder und Spender stand auf der Tagesordnung. „Wir hatten ein tolles Wir-Gefühl“, schwärmte anschließend Landesgeschäftsführer Roland Behrmann.    

Harald John