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Nachlese international zum Gedenktag 8. Mai 1945
Volksbund erinnerte zu 75 Jahren Weltkriegsende vom Baltikum bis nach Belgien an die Opfer
18. Mai 2020

Gedenken im kleinsten Kreis bestimmte den 8. Mai 2020 auch im Ausland überall dort, wo der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge mit Kränzen an die Kriegstoten erinnerte. Doch es gab auch eine Ausnahme: die Slowakei. Wir halten Rückschau auf einen bewegenden Tag und fassen Eindrück aus den verschiedenen Ländern zusammen.

Háj-Nicovô in Liptovský Mikuláš in der Slowakei
Erst abgesagt, dann doch ermöglicht: Am Mahnmal und Soldatenfriedhof „Háj-Nicovô“ in Liptovský Mikuláš in der Mittelslowakei fand zu 75 Jahre Weltkriegsende eine offizielle Gedenkveranstaltung zum „Tag des Sieges über den Faschismus“ statt. Teilnehmende waren die Präsidentin Zuzana Čaputová und die höchsten Vertreter der slowakischen Regierung, der Streitkräfte und der lokalen Verwaltung. Ein kurzes Gedenken mit stiller Kranzniederlegung stand anstelle der großen offiziellen Feierlichkeiten, die ursprünglich geplant waren.

Oliver Liesener, Beauftragter des Volksbundes in der Slowakischen Republik, empfand die Reden als sehr prodemokratisch und proeuropäisch – im Gegensatz zu den deutlich nationalistischeren Äußerungen der Vertreter frühere Regierungskoalitionen. „Die Rolle der Sowjetunion als Befreier, die in der Slowakei traditionell stark betont wird, hat man auch diesmal anerkannt; die Redner konzentrierten sich aber mehr auf übergreifende Ideen als auf konkrete Staaten“, so Liesener. Weiter berichtete er: „Es hieß, man habe die Ideologie des Hasses und der Rücksichtslosigkeit besiegt, und alle, die ihr Leben dafür gegeben haben, hätten dazu beigetragen.

Im Allgemeinen wurden die Zusammenarbeit und Zusammengehörigkeit von uns allen – als EU-Bürger und Weltbürger – und unsere gemeinsame und gegenseitige Verantwortung sehr hervorgehoben. Die meisten sahen auch Parallelen zwischen der Wirtschaftskrise und der Situation in Europa vor dem Zweiten Weltkrieg, und dem, was heute droht. Und forderten dazu auf, darauf zu achten, dass wir menschlich bleiben und uns nicht – wie damals – entfremden.

Die Präsidentin sagte, wir bräuchten wieder eine Koalition – eine Koalition der globalen Zusammenarbeit gegen die ökonomischen und sozialen Folgen dieser Krise. Es sei unsere Pflicht, die Welt der Prosperität, der Freiheit und der Demokratie zu schützen und im bestmöglichen Zustand an unsere Nachkommen übergeben.“

In Absprache mit der Deutschen Botschaft – mit dem Militärattaché, Oberstleutnant i.G. Schmidt – hatte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge denselben Ort für stilles Gedenken ausgewählt. Oliver Liesener legte kurz nach der offiziellen Veranstaltung zusammen mit anderen Gästen am Mahnmal einen Kranz nieder.

Lestene, Dzhukste, Beberbeki und Saldus in Lettland
In Lettland vertrat der dortige Beauftragte, Janis Racins, den Volksbund bei mehreren Gedenkveranstaltungen. Er begleitete den Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Nikolai von Schöpff, den lettischen Verteidigungsminister, Artis Pabriks, und den Kommandeur der Nationalen Streitkräfte Lettland, Generalleutnant Leonids Kalnins, auf Kriegsgräberstätten in Dzhukste und Lestene, wo 2000 lettische Legionäre und 30 deutsche Soldaten bestattet sind. Außerdem legte er Kränze auf der Kriegsgräberstätte Beberbeki nieder und in Saldus, wo auch 300 lettische Legionäre bestattet sind.

In Vilnius in Litauen
Im Wingio-Park in der Litauischen Hauptstadt Vilnius hatte der Volksbund zusammen mit der Deutschen Botschaft eine Gedenkzeremonie organisiert. Dabei waren auch Botschafter Matthias Sonn, Oberleutnant Thorsten Friedrich Fries als Verteidigungs-Attaché in Vilnius und Kazimieras Arlauskas, der litauische Beauftragter des Volksbundes.

Kathyn und Minsk in Belorus
Auch der Militär-Attché-Stab Minsk dokumentierte das Gedenken am 8. Mai. Er übersandte dem Volksbund Fotos von der Kranzniederlegung in Khatyn und Minsk – am Mahnmal "Erinnerung" –, wo der deutsche Botschafter in der Republik Belarus, Manfred Huterer, Verteidigungattaché Oberleutlant i. G. Sven Hilgefort und Büroleiter Stabsfeldwebel Waldemar Funk der Toten gedachten.

Rustawi in Georgien
Auch von der Kriegsgräberstätte im georgischen Rustawi erreichten uns Fotos. Hier gedachte der Militärattaché-Stab Tiflis der Opfer des Zweiten Weltkrieges.

Zagreb in Koratien
Deutsch-französisches Erinnern stand im kroatischen Zagreb im Mittelpunkt am 8. Mai. Der deutsche Botschafter und der stellvertretende französische Botschafter besuchten gemeinsam die Soldatenfriedhöfe beider Nationen und legten Kränze nieder. Der deutsche und der französische Verteidigungs-Attaché begleiteten sie ebenso wie der deutsche Büroleiter des Militär-Attaché-Stabes.

Iasi in Rumänien
Aus dem rumänischen Isai, der ehemaligen Hauptstadt der Provinz Moldau, berichtet Dr. Cristian Scarlat. Er ist Länderbeauftragter und leitet die Volksbund-Vertretung in Rumänien. Die Wahl war auf diesen Friedhof gefallen, wo Kriegstote des Zweiten Weltkrieges begraben sind. Dafür sprachen nicht nur historische Gründe wie harte Kämpfe 1941 und 1944 in der Region und die Dimension von etwa 7.000 Toten. Auch die Unterstützung seitens der Stadt und die gute Pflege der Anlagen machten Isai zu einem prädestinierten Ort. Wegen der Corona-Pandemie war der Kreis der Teilnehmer beschränkt – unter ihnen der stellvertretende Bürgermeister der Stadt, Dr. Radu Botez. Vertreter der Deutschen Botschaft  legten einen Kranz auf dem Soldatenfriedhof Pro Patria in Bukarest nieder. Der Gesandte Kai Hennig und der Verteidigungsattaché OTL i.G. Christian Ziese gedachten damit der Opfer des Zweiten Weltkrieges.

Prag und Zhůří in Tschechien
Soldaten, Widerstandskämpfer und zivile Opfer standen im Fokus, als der deutsche Botschafter in Prag, Dr. Christoph Israng, drei Veranstaltungen besuchte und Kränze niederlegte. In Zhůří im Böhmerwald gedachte er der Opfer der Okkupation 1939 bis 1945 sowie zehn US-Soldaten, die am 5. Mai 1945 bei der Befreiung des Böhmerwalds in einem deutschen Hinterhalt gefallen waren.

Beim gemeinsamen Gedenken mit tschechischen Bürgermeistern am benachbarten Versöhnungskreuz wurde auch an die deutsche Bevölkerung in der Region erinnert. Außerdem legte der Botschafter einen Kranz an einem Massengrab in Prag Ďablice nieder, wo tschechische Widerstandskämpferinnen und -kämpfer ihre letzte Ruhestätte fanden.

Im Andenken an die zivile Opfer des Prager Aufstands vom 5. bis 9. Mai 1945 war ein Kranz Symbol dafür, dass das Schicksal von rund 3.000 Menschen, die auf Seiten der Aufständischen starben, nicht in Vergessenheit gerät – ebensowenig wie die Einnerung an 50 Kinder, Frauen und Männer, die am 6. Mai 1945 von Angehörigen der SS in Prag-Krč ermordet worden waren.

Budapest in Ungarn
Auch in Ungarn stand der Jahrestag im Zeichen stillen Gedenkens im kleinsten Kreis.Verteidigungsattaché und Oberstleutnant Wolfgang Illner und Oberstleutnant Uwe Zvonar gedachten gemeinsam mit Imre Kovacs, dem Beauftragten des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der Kriegsgtoten und legten Kränze nieder. Schauplatz war der deutsch-ungarische Soldatenfriedhof in Budaörs, am westlichen Stadtrand Budapests gelegen.

Wien in Österreich
Auch auf dem Wiener Zentralfriedhof gedachte der Volksbund mit einem Kranz der Kriegstoten. In seinem Auftrag legte das Österreichische Schwarze Kreuz ihn im Rahmen einer stillen Gedenkfeier nieder. Bei der Kriegsgräberanlage Gruppe 97 beim zentralen Hochkreuz erinnerten der Landesgeschäftsführer Otto Jaus und Kurator Friedrich Ehn am 75. Jahrestag des Weltkriegsende der Opfer.

Cassino in Italien
Die Wahl der  Deutschen Botschaft in Rom war auf Cassino zwischen Rom und Neapel gefallen: Der Militärattaché Oberst i.G. Achim Hertgens und der Büroleiter Stabsfeldwebel Ronny Schindler besuchten die Kriegsgräberstätte. Dort gedachten sie gemeinsam mit dem Friedhofsverwalter Eugenio Pezza der Toten und legten zum 75. Jahrestag des Kriegsendes Kränze nieder.

Der Friedhof war aufgrund der Corona-Pandemie noch nicht für den öffentlichen Besuchsverkehr zugänglich. Streng waren außerdem die Abstands- und Hygienevorschriften. Oberst i.G. Achim Hertgens informierte sich mit großem Interesse über die Arbeit des Volksbundes. Eugenio Pezza, der den Besuch mit seinem Team vorbereitet hatte, beantwortete die Fragen des Militärattachés.

Bourdon in Frankreich
In Frankreich stand der 8. Mai als Datum des Weltkriegsendes in Deutschland vor 75 Jahren in mehreren Orten im Zeichen des Gedenkens – unter anderem auf dem Soldatenfriedhof in Bourdon und auf der Kriegsgräberstätte in La Cambe.

Vinkt in Belgien
„Waarom is 8 mei belangrijk?“, fragte Erik De Muynck, der Landesbeauftragte des Volksbundes in Belgien in Vinkt – auf der Gedenkstätte der kleinen Gemeinde in Deinze (Ostflandern). Warum ist der 8. Mai wichtig? Für ihn – im Gegensatz zu vielen anderen – sei "Vinkt – Mai 1940" ein Begriff. In Erinnerung an Verbrechen gegen die Menschlichkeit, an die Repressalien einer deutschen Einheit und viele zivile Opfer war dort zunächst ein Denkmal errichtet worden.

Mit der Erkenntnis, dass Erinnern eine wichtige Aufgabe für zukünftige Generationen ist, folgten weitere Schritte: 2003 wurde das Denkmal erweitert, und ein Reflexionsraum entstand. Dort werden heute Zeugnisse von Überlebenden und Angehörigen gezeigt, wird auch die deutschen Geschichte mit einbezogen –,  um "sich zu erinnern und zu warnen, denn die letzten Zeugen sind morgen vielleicht nicht mehr da".

Im Rahmen des Europäischen Jugendaustauschprojekts "Jugend gestaltet Zukunft – Internationale Jugendarbeit an Orten der Erinnerung" ist auch Vinkt regelmäßig Treffpunkt. So wie an anderen Orten mit bewegter Vergangenheit kommen hier Jugendliche und junge Erwachsene aus ganz Europa zusammen, um verschiedenste Arbeiten und Aufgaben zu übernehmen und an einer Gedenkfeier teilzunehmen.

Christiane Deuse
Redakteurin
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