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Podiumsdiskussion Bali-Kino: „Auch heute gibt es Echokammern“
Eine Diskussion zu den Themen, Krieg, Gewalt und Zivilcourage
16. Juni 2019

Können Kinofilme negative Einstellungen von Menschen ändern? Können sie vielleicht sogar Empathie beim Betrachter erzeugen?

Das war eine der zentralen Fragen, die am Sonntag im Bali-Kino zum Auftakt der Volksbund-Filmreihe „Un/Menschlichkeit – Erzählungen zu Krieg, Gewalt und Zivilcourage“ diskutiert wurden.

„Ich bin fest davon überzeugt, dass diese Filme Empathie erzeugen können“, sagte Dr. Charlotte Knobloch mit Blick auf die drei Filme „Die Unsichtbaren“, „Of Fathers and Sons“ und „Der unbekannte Soldat“.

Mangelnde Empathie – die Wurzel der Verachtung

Der Berliner Filmproduzent Ansgar Frerich (Foto oben von Uwe Zucchi), der mit dem syrischen Regisseur Talal Derki den Film „Of Fathers and Sons“ gedreht hat, wünschte sich bei der lebhaften Podiumsdiskussion „manchmal weniger Nachrichten und mehr Kino“. Luise Lindermair-Johntz (Foto unten von Uwe Zucchi), Co-Autorin des Films: „Der unbekannte Soldat“, ergänzte, dass es schließlich auch mangelnde menschliche Empathie gewesen sei, die dazu geführt habe, dass Wehrmachtssoldaten beim Russlandfeldzug auf Frauen und Kinder geschossen hätten. 

 

Bei der Diskussion über die filmischen Geschichten von Krieg und Tod, aber auch von Zivilcourage und Mut, die von Montag bis Mittwochs Anlass des Volksbund-Jubiläums im Bali-Kino im Kulturbahnhof gezeigt werden, wurde deutlich, dass Traditionslinien von Gewalt und Hass aus der Zeit des Nationalsozialismus bis in die Gegenwart reichen.

Auch heutzutage leben Menschen in Echokammern

Renate Schrader (Foto oben von Uwe Zucchi), die Enkelin des Paares, das die Jüdin Hanny Lévy („Die Unsichtbaren“) rettete, beschrieb das Ausblenden der schrecklichen Realität in den vierziger Jahren. Das reiche bis heute, so Filmproduzent Frerich. Die gezeigten dokumentarischen Szenen aus Syrien seien nur ein exemplarisches Beispiel für das Aufwachsen von jungen Menschen in einer isolierten Situation: „Wir wollten zeigen, dass es ein gesamtgesellschaftliches Problem ist. Auch in den sozialen Medien leben die Menschen heutzutage in Echokammern", so Frerich.

Wir müssen den Antisemitismus beherrschen

Das Wiedererstarken des Antisemitismus in Deutschland thematisierte Charlotte Knobloch: „Ich habe schon vor Jahren gesagt, dass sich der Antisemitismus wieder regt.“ Radikale Ansichten seien dabei keine deutsche Erfindung. „Aber wenn junge Familien zu mir kommen und fragen, ob sie dieses Land verlassen sollen, werde ich mir meiner Verantwortung bewusst.“ Konkret sprach sie die derzeitige Dominanz der AfD in den ostdeutschen Ländern an. „Noch können wir mit unserer wehrhaften Demokratie dagegen halten, aber wir müssen den Antisemitismus wieder beherrschen.“

Der Volksbund ist politisch

Volksbund-Generalsekretärin Daniela Schily (Foto unten von Uwe Zucchi) schilderte, dass der Volksbund intensiv versuche, tradierte Muster zu durchbrechen. Dies ginge nur durch Begegnungen. Ihr Credo: „Der Volksbund ist nicht parteipolitisch, aber sehr politisch. Wir müssen unsere Meinung sagen“. Auf Schily Frage, wie Zivilcourage möglich sei, hatte Renate Schrader aus Kassel eine gute Antwort: „Hinhören, hinsehen – und dann handeln!“

 

Alle Filme, alle Zeiten: www.100-jahre-volksbund.de/event