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Politische Bildung für Angehörige der Bundeswehr
09. März 2020
  • Sachsen-Anhalt

Unter der Organisation der Friedrich-Ebert-Stiftung und dem Zentrum für ethische Bildung in den Streitkräften (zebis) hat der Volksbund Sachsen-Anhalt eine viertägige Weiterbildung für Angehörige der Bundeswehr veranstaltet.

Etwa 40 Soldatinnen und Soldaten, vornehmlich aus dem Landeskommando Sachsen-Anhalt, haben vom 2.-5. März an der Veranstaltung teilgenommen. Dabei haben Sie zunächst die Gedenkstätte Moritzplatz in Magdeburg besucht. Vom Leiter der Gedenkstätte, Dr. Daniel Bohse, in das Thema „DDR-Militärjustiz und Stasi-Untersuchungshaft“ eingeführt, bekam die Truppe anschließend eine Führung durch das ehemalige Untersuchungsgefängnis des Ministeriums für Staatssicherheit. Hier wurden anschaulich die Methoden erklärt, mit denen die politischen Häftlinge gedemütigt wurden. Den Tag abgeschlossen hat der Vortrag eines Zeitzeugen, der nach einem missglückten Fluchtversuch selber im Gefängnis am Moritzplatz interniert und von der Stasi gegen seinen Willen zum inoffiziellen Mitarbeiter rekrutiert wurde.

Der zweite Tag der Reise führte die SoldatInnen in die Gedenkstätte der NS-„Euthanasie“ nach Bernburg. Auch hier wurden sie zunächst von der Gedenkstättenleiterin, Dr. Ute Hoffmann, über das Thema „Euthanasie“ vor und während der NS-Zeit informiert. War das schon bedrückend, folgte mit der Führung durch die Gaskammer der ehemaligen Landes-Heil und Pflegeanstalt sowie dem Ort an dem die Leichen verbrannt wurden, der emotionalste Teil der Woche.

Der Dienstagnachmittag stand ganz im Zeichen des Volksbundes. Der Bildungsreferent des Landesverbandes Sachsen-Anhalt, Philipp Schinschke, informierte die Teilnehmer über die Geschichte und die Grundsätze der Arbeit des Volksbundes. Ein besonderes Augenmerk wurde auf die Kriegsgräberstätten als Lernorte gelegt. Anschließend fuhr die Truppe nach Halle, um bei einer Führung über den Gertraudenfriedhof die vielfältigen Arten von Gräbern aus Krieg und Gewaltherrschaft zu besichtigen. Am Abend wurden die SoldatInnen mit einem Besuch des Wehrbeauftragten des Deutschen Bundestages beehrt, der in einer engagierten Rede noch einmal auf die Wichtigkeit der „inneren Führung“ hingewiesen hat.

Am dritten Tag stand ein Besuch der Gedenkstätte ROTER OCHSE in Halle auf dem Programm. Der Leiter der Gedenkstätte, Michael Viebig, informierte die Teilnehmer über die politische Justiz zwischen 1933 und 1989. Der anschließende geführte Rundgang durch die Gedenkstätte führte den SoldatInnen noch einmal die menschenverachtende Grausamkeit der Nationalsozialisten vor Augen. Dies unterstrich der Vortrag über die Verwendung der Leichen Hingerichteter für Forschungszwecke. Die Vorführung eines Dokumentarfilms über das Ministerium für Staatssicherheit der DDR beendete den dritten Tag und die Teilnehmer fuhren zurück nach Magdeburg.

Am vierten und letzten Tag der politischen Schulungswoche ging es noch einmal in die Gedenkstätte Moritzplatz in Magdeburg, in der auch die Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt ihren Sitz hat. Deren Direktor, Dr. Kai Langer, berichtete über Aufgaben, Chancen und Herausforderungen für eine regionale Erinnerungskultur in Sachsen-Anhalt. Eine abschließende Diskussion beendete die viertägige Veranstaltung „Politische Bildung für Angehörige der Bundeswehr“.

Diese Fortbildungsmaßnahme der Bundeswehr zeigte einmal mehr, wie vielfältig die Bildungsarbeit des Volksbundes ist. Der Volksbund Sachsen-Anhalt möchte hier noch einmal ausdrücklich der Friedrich-Ebert-Stiftung und dem zebis für die Möglichkeit danken, einen Teil zu dem umfangreichen Programm beisteuern zu dürfen.