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Starkes Zeichen gegen Vandalismus
20. August 2019
  • Baden-Württemberg

Etwa ein Jahr ist es her, dass ungebetene „Gäste“ den historischen Soldatenfriedhof im oberschwäbischen Obermarchtal (Alb-Donau-Kreis) heimgesucht und die beiden Schilderhäuschen am Friedhofseingang ihrer Kupferdächer und der Kupferverwahrung ihrer Sockel beraubt haben. Wegen des irreparablen Schadens mussten die Häuschen durch neue ersetzt werden. Feuerwehrkommandant Martin Munding, die Männer der Altersabteilung der freiwilligen Feuerwehr, die seit Jahrzehnten diesen besonderen und einmaligen Gedenk- und Erinnerungsort ehrenamtlich pflegen, die Gemeinde Obermarchtal und der Kommandeur der Historischen Bürgerwehr Munderkingen e.V., Walter Stützle, nahmen im Herbst 2018 das Projekt in Angriff. Sie fanden Unterstützer und erteilten Handwerksbetrieben am Ort den Auftrag.

Am vergangenen Sonntag war es dann so weit. Im Rahmen eines Gottesdienstes, der wegen der großen Besucherzahl, insbesondere jedoch wegen der Teilnahme zahlreicher Abordnungen befreundeter historischer Bürgerwehren, Stadtgarden und Kavallerieformationen, aber auch der Bundeswehr und des Reservistenverbandes außerhalb des Friedhofs stattfand – was den Aktiven in der prallen Sonne einige Kondition abverlangte – wurden die neuen Häuschen eingeweiht bzw. gesegnet.

Die „Stiftung Gedenken und Frieden“ des Volksbundes und der Landesverband Baden-Württemberg hatten sich beide mit einem Förderbeitrag an der Neuanfertigung der Schilderhäuschen beteiligt. Da der Landesverband in den Jahren 1954/1955 den Friedhof, unter Wahrung seines historischen Gepräges, umgestaltet hatte, brachte er seine beständige Verbundenheit mit dem Ort seither immer wieder durch Hilfeleistungen zum Ausdruck.

In seinem Grußwort bei der sich anschließenden „Hockete“ an die versammelten Obermarchtaler, an die Mitglieder des Musikvereins und der Freiwilligen Feuerwehr sowie an die vielen auswärtigen Mitwirkenden und Besucher unterstrich Präsident Wolfgang Schneiderhan, dass mit dieser eindrucksvollen Einweihung ein machtvolles Zeichen gegen des Vandalismus gesetzt worden sei, der leider auch vor Friedhöfen nicht halt mache. „Wir lassen uns von diesen Menschen nicht davon abbringen, an die Kriegstoten in würdiger Art und Weise zu erinnern. Das gilt auch für die Toten auf dem historischen Soldatenfriedhof Obermarchtal“ sagte der ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr. Er führte kurz aus, dass dieser Friedhof als sog. „Friedhof der Fremden“ mit Sicherheit schon Jahrhunderte lang existiert hatte, ehe er in den kriegerischen Auseinandersetzungen in Europa in der Zeit nach der französischen Revolution und in der napoleonischen Ära erstmals urkundlich erwähnt wurde. Die Menschen in der Region rund um den Bussen[1]  hätten die Kenntnis über diesen Ort über Generationen hindurch weitergegeben. 1813/1814, aber auch davor und wieder danach im Zweiten Weltkrieg, seien Gebäude des ehemaligen Prämonstratenser-Klosters und späteren Schlosses Marchtal als Lazarette eingerichtet worden. Die dort verstorbenen Verwundeten und Entkräfteten, seien auf dem „Friedhof der Fremden“ beerdigt worden. Seither werde er in den Quellen „Soldatengottesacker“ oder „Soldatenfriedhof“ genannt. „Wir sollten uns aber bewusst sein, dass auf dem Friedhof auch 27 Kriegstote der beiden Weltkriege ruhen, insofern trifft „historisch“ in der Bedeutung „zeitlich weit entfernt und mit geringer Bedeutung für unsere heutige Zeit“ nur bedingt zu. Denn in der Tat gibt es wieder Menschen, die schon wieder damit beginnen, ziemlich leichtfertig über die Anwendung kriegerischer Mittel diskutieren. Sorgen wir dafür, dass Europa nie mehr durch kriegerische Auseinandersetzungen zerrissen wird“, appellierte Schneiderhan an die Versammlung.


[1] „Heiliger Berg Oberschwabens“ – die volkstümliche Bezeichnung für den Bussen (767 m ü. NHN) bringt wohl am besten zum Ausdruck, welche Achtung die Bewohner des nördlichen Oberschwabens dem Bussen entgegenbringen. Von weither sichtbar und gleichzeitig für die Fernsicht von seinem Gipfel aus gerühmt, Stätte einer bekannten und auch heute noch lebendigen Marienwallfahrt, ist der Bussen für die Bewohner seines Umlandes mehr als nur eine beliebige Landmarke. Er ist Identifikationssymbol für die oberschwäbische Heimat und Denkmal für die jahrhundertelange Geschichte der Region. (s. Website der Gemeinde Uttenweiler).