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Steinmeier besucht Gedenkstätte Malyj Trostenez
Neuer Erinnerungsort für jüdische Opfer
29. Juni 2018

Bundespräsident Dr. Frank-Walter Steinmeier hat heute die Eröffnung der neuen Gedenkstätte Malyj Trostenez in Weißrussland besucht und dort die Bedeutung solcher Erinnerungsorte betont. In Malyj Trostenez unweit der weißrussischen Hauptstadt Minsk waren in einem der größten nationalsozialistischen Vernichtungslager zwischen 50.000 und über 200.000 Menschen grausam getötet worden. Die genaue Zahl kennt niemand. An sie erinnert nun die neue Gedenkstätte, deren Entstehung der Volksbund ebenso unterstützte wie das Auswärtige Amt, die Bethe-Stiftung sowie das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk (IBB).

(Das Foto zeigt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier während seiner Rede in Malyj Trostenez. Foto: Jesco Denzel/BPA)

Bei der anschließenden Konferenz des IBB „Gedenken für eine gemeinsame europäische Zukunft“ in Minsk betonte Volksbund-Präsident Wolfgang Schneiderhan: „Es bewegt mich persönlich sehr, dass wir heute in Trostenez gemeinsam einen weiteren, wichtigen Schritt auf dem Weg der Versöhnung und Verständigung machen. So stellen wir uns wiederum gemeinsam unserer Verantwortung, die uns unsere Geschichte auferlegt, eine Geschichte, der wir uns vorbehaltlos und offen stellen.“

Dialogisches Erinnern in Minsk

Zugleich unterstrich Wolfgang Schneiderhan die große Versöhnungsleistung des Gastgeberlandes Weißrussland, das während des Zweiten Weltkrieges unglaubliches Leid zu tragen hatte: Etwa ein Drittel der Bevölkerung fiel dem nationalsozialistischen Vernichtungsfeldzug zum Opfer. Sie sollen nicht vergessen werden. Dazu möchte auch der Volksbund mit der Unterstützung dieses so wichtigen Gedenkortes beitragen. „Dabei suchen wir nach Wegen dialogischen Erinnerns, um die unterschiedlichen historischen Erfahrungen und Erinnerungskulturen unserer europäischen Nachbarn kennenzulernen und zu verstehen. Zusammen wollen wir Gemeinsames benennen und Verschiedenheit respektieren“, sagte Volksbund-Präsident Scheiderhan heute in Minsk.

Das hat mein Leben verändert

Dies hört man häufig von Jugendlichen, die gerade an einer internationalen Begegnung teilnehmen. Das Kennenlernen von Jugendlichen aus anderen Ländern, das Überwinden von Sprachbarrieren mit Händen und Füßen, vielleicht auch Vorurteile über Bord zu werfen, das Knüpfen von Freundschaften über Grenzen hinweg, Anderes als Bereicherung erfahren, das kann ein ganzes Leben verändern und prägen. Diese Erfahrung lehrt Toleranz und macht Mut, auf andere zuzugehen.

Dies formulierte auch der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Begrüßung an die zweihundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer der IBB-Konferenz "Erinnern für eine gemeinsame Zukunft": "Ich kann nur allen jungen Menschen empfehlen, Begegnungsprogramme, wie sie der Volksbund und die Aktion Sühnezeichen anbieten, wahrzunehmen, weil sie vielleicht ein ganzes Leben prägen."

In der Podiumsdiskussion, moderiert von Dr. Heike Dörrenbächer vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. und Dr. Astrid Sahm, Geschäftsführerin des IBB Dortmund, stellten vier junge Historikerinnen und Historiker die Ergebnisse ihres internationalen Workshop vor: Dr. Alexander Dalhouski aus Belarus, Dr. Viktoria Naumenko aus der Ukraine, Dmitry Alekseev aus Russland und Hannah Drasnin aus Deutschland berichteten über ihre Pläne zur zukünftigen Geschichtsvermittlung und was ihr Geschichtsinteresse geweckt hatte: Neben einem Blick auf die eigene Familiengeschichte hatte ihnen auch die Begegnung mit Zeitzeugen entscheidende Impulse gegeben.

 

(Frank-Walter Steinmeier während der Podiumsdiskussion mit jungen Historikerinnen und Historikern Foto: Mechthild vom Büchel) 

 

(Die weißen Tauben symbolisieren das Gedenken an die jüdischen Opfer und den Wunsch nach Frieden. Foto: Jesco Denzel/BPA)

Die Rede des Bundespräsidenten Dr. Frank-Walter Steinmeier finden Sie hier.
Das vollständige Grußwort des Volksbund-Präsidenten zur Eröffnung der Konferenz "Gedenken für eine gemeinsame europäische Zukunft" finden Sie hier.