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Tour der Erinnerung - Abschluss in den Landkreisen Helmstedt und Wolfenbüttel
Hier sein Erlebnisbericht:
11. September 2019
  • Niedersachsen

Landkreis Helmstedt/Landkreis Wolfenbüttel. Das „Braunschweiger Land“ mit dem Höhenzug des Elm war die Region für meine vierte und damit letzte Tour der Erinnerung. Da ich bei der Wanderung durch das Weserbergland meine Fußsohlen sehr strapaziert hatte und eine schnelle Heilung nicht abzusehen war, entschloß ich mich kurzfristig, die letzte Tour wieder mit dem Fahrrad durchzuführen. Die Entscheidung hat sich im Nachhinein als zweckmäßig erwiesen, da sich die Strecke als recht hügelig mit teilweise sehr starken Steigungen erwies.

33 Stationen mit besuchten Kriegsgräberstätten bzw. Friedhöfen mit Kriegsgräbern, 163 km zurückgelegte Fahrtstrecke in zwei Landkreisen (Helmstedt und Wolfenbüttel), sonniges Wetter, ein Tag mit starkem Gegenwind: das sind die reinen Fakten meiner vierten Tour der Erinnerung.

Die zwei größten Friedhöfe der 33 Stationen mit jeweils mehreren Grablagen von Kriegstoten waren Helmstedt und Wolfenbüttel.
In Helmstedt, Friedhof St. Stephani, ruhen 624 Tote beider Weltkriege und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Eine Vielzahl dieser Toten kam bei einem alliierten Luftangriff auf Helmstedt am 20. Februar 1944 ums Leben. Es gibt aber auch gesonderte Grablagen für Gefallene des Ersten Weltkrieges, für Flüchtlinge und Vertriebene, für russische Kriegsgefangene und polnische sowie russische Zwangsarbeiter.

In Wolfenbüttel, Städtischer Hauptfriedhof, befinden sich Gräber von 716 Kriegstoten in fünf Grablagen und verstreuten Einzelgräbern. Neben dem Gräberfeld Erster Weltkrieg mit über 100 gefallenen deutschen Soldaten gibt es das Gräberfeld mit 150 Kriegstoten des Zweiten Weltkrieges - meist Opfer der Bombenangriffe auf Wolfenbüttel im Jahr 1944. Ein weiteres Gräberfeld umfasst  sowohl 316 sowjetische Soldaten und Zivilpersonen, die als Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter im Gefangenenlazarett Sternhaus ums Leben kamen als auch 110 Opfer der nationalsozialistischen Strafjustiz, die im Strafgefängnis Wolfenbüttel hingerichtet worden sind.

Wenig bekannt dürfte es sein, daß es auch Bombenangriffe auf Wendessen und Salzdahlum im Januar 1944 und auf Schladen im April 1945 gegeben hat. Die Kriegsgräber Vorort geben Zeugnis darüber ab.
Die Kriegsgräber in Hornburg sowie die Kriegsgräberstätte in Heiningen werden in Patenschaft von den Reservistenkameradschaften Hornburg/Schladen und Wolfenbüttel gepflegt.

Zu den Besonderheiten (siehe Bilder) auf meiner letzten Tour zählten Grabsteine in Barmke, wo zwei gefallene Brüder nebeneinander begraben liegen und in Semmenstedt, wo fünf Söhne einer Familie im Zweiten Weltkrieg ums Leben kamen, davon drei gefallen, einer vermutlich vermißt und einer nach Kriegsende verstorben. Welch Tragödie!

Welche Erkenntnisse gab es noch auf meiner Tour:

Das „Braunschweiger Land“ im Dreieck Wolfenbüttel - Schladen - Helmstedt ist landschaftlich vielfältig und ein reizvoller Abschnitt für Fahrradtouren. Auch der Elm und seine Umgebung ist eine Reise wert.

Für die Teilnahme am kurzfristig erbetenen Treffen auf dem Friedhof St. Stephani danke ich Herrn Landrat Radeck und Herrn Zeise als Kreisgeschäftsführer des Volksbundes.
Zwei weiteren Besuchern bei diesem Treffen in Helmstedt, Frau Klapproth (gebürtig in Leer / Ostfriesland) und Herrn Deckert, danke ich ebenso für ihr Interesse und vor allem für ihre Einladung zur „ostfriesischen Teezeremonie“.

Walter-Johannes Herrmann, Vorsitzender des Bezirksverbandes Braunschweig, hat mich zeitweilig im Raum Wolfenbüttel mit seinem Fahrrad begleitet. Für diese Überraschung und Moment der Abwechslung danke ich ebenfalls.

Abschließend bedanke ich mich herzlichst für die sehr freundschaftliche Aufnahme, Unterstützung und die Bereitstellung einer Herberge bei

•    Herrn Lindner (Politische Bildungsstätte Helmstedt)
•    Herrn Gandt und seiner Frau in Wolfenbüttel
•    Herrn Sievers in Winnigstedt für die Unterstellmöglichkeit des Autos

Besonders danke ich meinem Freund Christian für die kurzfristige Bereitstellung seines Fahrrades.


Text und Bilder:
Rainer Grygiel, Bundeswehrbeauftragter Volksbund Niedersachsen