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Vereint in Trauer und Versöhnung
Nach 75 Jahren: Gedenken an die getötete Besatzung eines britischen Flugzeuges
25. März 2019

Auch in den schlimmsten Krisenzeiten gibt es manchmal Anlass zur Hoffnung. Diese Hoffnung bewegt die Angehörigen der siebenköpfigen britisch-alliierten Flugzeugbesatzung, die am 15. März 1944 neben dem baden-württembergischen Dorf Bolstern abstürzte. Hatte der Pilot das getroffene Flugzeug an dem Dorf vorbeigelenkt – und damit viele Leben gerettet? Das konnte bis heute nicht geklärt werden. Ihr eigenes Leben konnten die Männer allerdings nicht retten.

75 Jahre später haben die Angehörigen gemeinsam mit Volksbund-Präsidenten Wolfgang Schneiderhan in einem bewegenden Gottesdienst daran erinnert.

Es war der 15. März 1944, als ein britischer Bomber direkt über dem Dorf Bolstern abzustürzen drohte. Doch der Pilot lenkte das getroffene Flugzeug knapp an dem Dorf vorbei. Es zerschellte auf einem Acker, alle Besatzungsmitglieder starben. Auch die Bewohner des Dorfes Bolstern konnten nicht herausfinden, ob sie Glück hatten oder es ein Akt der Humanität der Besatzung im Angesicht des eigenen Todes war. Aber sie reagierten dankbar und ebenfalls mit großer Menschlichkeit. Sie bargen die Toten und bestatteten sie auf ihrem Gemeindefriedhof neben den eigenen Angehörigen und sorgten für die Pflege ihrer Gräber.

Das war sehr mutig, ungewöhnlich und in dieser Zeit nicht ungefährlich- die toten Feinde auf dem eigenen Gemeindefriedhof zu bestatten. Der Bombenkrieg – auch der der Alliierten - richtete sich nicht nur gegen militärische Ziele, sondern auch gegen die Zivilbevölkerung. Das „moral bombing“ kostete unzähligen Menschen das Leben.

Nicht nur aus dieser Perspektive ist der Umgang der Bolsterner mit den Kriegsgräbern der ehemaligen Feinde beeindruckend. Ortsvorsteher Anton Störk sieht darin vor allem eine Geschichte der Versöhnung, die bis heute fortdauert. Denn wie schon vor fünf Jahren, als aufgrund einer privaten Initiative ein Gedenkstein mit den Namen der sieben Männer aus dem abgestürzten Flugzeug eingeweiht wurde, kamen auch zum 75. Jahrestag wieder viele Angehörige der Flugzeugbesatzung zum gemeinsamen Gedenken in die baden-württembergische Gemeinde.

Kriege brechen nicht aus, sie werden gemacht

Zu ihnen zählt auch Robert McEneaney, der sein Engagement – so wie viele andere Angehörige – als „Pilgerfahrt der Erinnerung und Versöhnung" bezeichnete. Der Präsident des Volksbundes, Wolfgang Schneiderhan war schon vor fünf Jahren dabei, als diesem Ereignis in einem Gottesdienst und einer Gedenkfeier noch einmal gemeinsam gedacht wurde.

„Wir sind vereint in der Trauer um die Opfer und dem Gedenken an sie. Wir wissen, dass neben diesen sieben Menschen, derer hier gedacht wird, weitere 60 bis 70 Millionen im Zweiten Weltkrieg gestorben sind. Dass neben den Personen, um die es hier geht, viele weitere zu Tode gekommen sind, ist kein Trost, es zeigt nur, wie monströs dieser Krieg war und wie unheilvoll Krieg generell ist. Aber Kriege sind keine Naturkatastrophen, sie brechen nicht aus, sie werden gemacht. (...) Wer das verhindern will, muss diesen Pfad blockieren und einen anderen anlegen, der zu Versöhnung und Verständnis, zur gegenseitigen Akzeptanz und dem Respekt voreinander führt“, so Wolfgang Schneiderhan in seiner Rede.

Seinem Gedanken sind all jene gefolgt, die an der Gedenkveranstaltung in Bolstern Anteil genommen haben, dort am Ort des historischen Geschehens in ihrer Trauer vereint waren – und zugleich ein eindrückliches Zeichen der Versöhnung setzten.

Die Rede des Volksbundpräsidenten Wolfgang Schneiderhan lesen Sie hier im Original.

Die Rede des Vertreters der Angehörigen, Robert McEneaney, finden Sie hier.