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Versöhnung über den Gräbern – Arbeit für den Frieden
Rückblick Volksbund 2018
17. Dezember 2018

Vor 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg. Der Volksbund hat die Erinnerung an den „Großen Krieg“ in den Fokus seiner Arbeit 2018 gerückt: In Gedenkfeiern, in Diskussionen, in Kirchen, Konzerten und auf dem Fußballplatz. Mit Jugendlichen, mit 100 Ideen für den Frieden, mit Emmanuel Macron beim Volkstrauertag. Natürlich gab es außer dem Kriegsende vor 100 Jahren noch viele weitere Themen – welche da sind, zeigt dieser Rückblick.

Friedensarbeit und Ausgrabungen in Osteuropa

Der Umbettungsdienst hat dieses Jahr allein in Russland mehr als 18.590 Soldaten geborgen und erst kürzlich wurde in Wolgograd (ehemals Stalingrad) ein Massengrab mit mehr als 1.800 deutschen Soldaten entdeckt. Gemeinsame Arbeitseinsätze auf Kriegsgräberstätten in der Ukraine, in Belarus und Polen spiegeln die stetig wachsende, internationale Zusammenarbeit wider.

Gemeinsam mit russischen und deutschen Gebirgsjägern war der Volksbund beispielsweise im kaukasischen Gletschergebiet unterwegs, um dort Gräber des Zweiten Weltkrieges zu suchen.
Einen Meilenstein der politischen Zusammenarbeit wurde im März in Berlin gelegt, als Bundeskanzlerin Angela Merkel und der serbische Präsident Aleksandar Vucic die Weichen für das deutsch-serbische Kriegsgräberabkommen stellten.

Reisen, die das Leben verändern

Endlich am Grab des gefallen Opas, Vaters oder Großonkels stehen und trauern zu können, bedeutet Angehörigen oft sehr viel. So reiste der Volksbund auch dieses Jahr gemeinsam mit Angehörigen zu diversen Gedenkfeiern in ganz Europa: auf den Balkan, nach Russland, Frankreich, Belgien, Ungarn, Polen oder auch Tschechien. Auch auf dem afrikanischen Kontinent konnte in El-Alamein und in Namibia die eine oder andere Lücke in der Familienbiographie geschlossen werden.

Für drei Angehörige gab es auf der Gedenkfeier zum zehnjährigen Bestehen der Kriegsgräberstätte in Apscheronsk eine besondere Überraschung: Volksbund-Präsident Wolfgang Schneiderhan und Generalsekretärin Daniela Schily überreichten dort drei Erkennungsmarken an die Hinterbliebenen der gefallenen Soldaten.

Jede einzelne Gedenkfeier des Volksbundes – ob in Rossoschka, Apscheronsk oder Budaörs – baute neue Brücken zwischen Nationen, Kulturen, Menschen. Anlässlich der Schlacht um Stalingrad vor 75 Jahren erinnerte der Volksbund auf der deutsch-russischen Kriegsgräberstätte Rossoschka bei Wolgograd an die Toten beider Seiten.

 

Dass die Erinnerung an gefallene Soldaten, an die Väter und Söhne, nie verblassen mag, beweisen auch die rund 34.000 Anfragen, die dieses Jahr zu Umbettungen und Grablagen von Angehörigen, Behörden und Institutionen gestellt wurden.

Ausstellungseröffnung in Kiew

„Das einzig Wichtige im Leben sind die Spuren von Liebe, die wir hinterlassen, wenn wir ungefragt weggehen und Abschied nehmen müssen.“ Diese Worte von Albert Schweitzer treffen ins Herz. Genauso wie die vielen Einzelschicksale derjenigen, die im Krieg ihr Leben ließen. Mit diesen Geschichten setzt sich auch die neue Ausstellung „19für19“ auseinander, die im Juni 2018 auf der deutschen Kriegsgräberstätte in Kiew eröffnet wurde. Anlass waren der 100. Jahrestag der Volksbund-Gründung sowie die Erkenntnis, dass sich Kriegsgräberstätten immer mehr von Orten der individuellen Trauer hin zu historischen Lernorten entwickeln.

Jugendarbeit

Stolze 29 Workcamps auf internationalen Jugendbegegnungs- und Bildungsstätten haben die Teamleiter auf die Beine gestellt, an denen über 20.000 junge Menschen aus 25 Nationen teilgenommen haben. Die Jugendarbeit des Volksbunds leistete auch im Jahr 2018 erneut einen wertvollen Beitrag zur würdigen Gestaltung und zum Erhalt von Gräbern als Mahnmale gegen Krieg und Gewaltherrschaft. Themenschwerpunkt war das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren.

Auch während der internationalen Gedenkwoche zum Volkstrauertag waren zahlreiche Jugendliche aktiv. So organisierte zum Beispiel der Jugendarbeitskreis Berlin die Gedenkfeier für die Opfer des Zweiten Weltkrieges in Berlin-Plötzensee.


Fußball und Gedenken – vom „Christmas Truce“ zum Bundestag

Im Trainingsanzug eine Rede im Bundestag halten, auf dem Fußballfeld an tote Soldaten erinnern, ein FC Schalke-Wimpel am Kriegsdenkmal niederlegen. Klingt ungewöhnlich? War es auch. Dahinter stand das Projekt „Fußball und Gedenken“, das vom Volksbund-Referat für Gedenkarbeit ins Leben gerufen wurde: Jugendfußballer internationaler Topvereine erinnerten dabei gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern aus Kassel und Gelsenkirchen an gefallene Soldaten des Ersten Weltkrieges. Auf einer Gedenkfahrt in Ypern arbeiteten die Jugendlichen die Biographien gefallener Soldaten auf, die einst auf ihre Schule gingen oder in ihrem Verein spielten. Sie gestalteten dabei mehrere Gedenkfeiern in Belgien, unter anderem am Christmas Truce-Denkmal in Ploegsteert, erinnerten mit einem U17-Freundschaftsspiel zwischen Hertha BSC und Liverpool FC an den Weihnachtsfrieden von 1914 und berichteten von ihren Erfahrungen während der Zentralen Gedenkstunde zum Volkstrauertag im Bundestag.


Internationale Gedenkwoche zum Volkstrauertag 2018

 

"Ohne Geschichte kann es keine Zukunft geben". Worte, die zum Nachdenken anregen. Freundschaft, die bleibt. Momente, die unter die Haut gehen. All dies zeichnete die internationale Gedenkwoche zum Volkstrauertag 2018 aus – vom Fußballfeld bis zum Bundestag. Nicht nur die Gedenkfeier im Bundestag, auch die gesamte Gedenkwoche mit ihren zahlreichen Veranstaltungen profitierte dabei von der Zusammenarbeit mit internationalen Partnern wie zum Beispiel der Jugendbegegnung „Youth for Peace“ und dem Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFJW). Das zeigte sich in diversen Diskussionsrunden, beim U17-Freundschaftsspiel zwischen Hertha BSC und Liverpool FC, beim deutsch-französischen Jugend-Comic-Wettbewerb, während der Gedenkfeier in Plötzensee, in der Lilienthalstraße und natürlich während der Zentralen Gedenkstunde.

  

Standing Ovations im Bundestag, minutenlanger Applaus. „Kein anderes Land hat seine Geschichte so aufrichtig aufgearbeitet wie Deutschland. […] Heute müssen wir den Mut finden, ein neues Kapitel aufzuschlagen“, sagte Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron während seiner Gedenkrede zum Volkstrauertag. Die Zentrale Gedenkveranstaltung des Volksbundes im Plenarsaal des Deutschen Bundestags stand in diesem Jahr im Zeichen der Erinnerung an das Ende des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren – und der deutsch-französischen Freundschaft. Ein ausführlicher Bericht zur zentralen Gedenkstunde findet sich unter:

https://www.volksbund.de/meldungen/aktuelles-artikel/news/fest-der-deutsch-franzoesischen-freundschaft.html

Und ein Videorückblick zur Gedenkwoche: https://youtu.be/cTv8lpnl_YI


Ein herzliches Dankeschön!

All diese Projekte wären nicht möglich gewesen ohne die vielen engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, den Jugendlichen und Ehrenamtlichen, den Soldaten und Reservisten, den fleißigen Helfern bei der Haus- und Straßensammlung. Ein riesiges, ein herzliches DANKE, an alle, die dieses Jahr möglich gemacht haben.

Was kommt 2019?

2019 ist das Volksbund-Jubiläumsjahr. Dazu sind diverse Aktionen, unter anderem in Kassel und Berlin geplant: Diskussionsreihen, Kinofilme, eine Ausstellungsreihe „100 Jahre Volksbund“ und vieles mehr. Bewegende Momente der Begegnung und Versöhnung dürfen auf den Gedenkfeiern in La Cambe (Frankreich), Cassino (Italien) und Langemark (Belgien) erwartet werden. Insgesamt sind 42 Volksbundreisen geplant. Der Umbettungsdienst wird in 21 Staaten voraussichtlich mehr als 20.000 Soldaten bergen und würdig begraben. Auch 2019 wird der Volksbund tatkräftig von Soldaten und Reservisten unterstützt, zum Beispiel während der zahlreichen Arbeitseinsätze oder bei der Haus- und Straßensammlung. Ein Schwerpunkt 2019 wird unter anderem die Jugend- und Schularbeit sein mit etwa 50 neu ausgebildeten Gruppenleitern und zahlreichen neuen Workcamps und Jugendbegegnungen in 15 europäischen Ländern.

Wir wünschen Ihnen persönlich alles Gute, viel Glück und Gesundheit – und zugleich, dass Sie dem Volksbund mit Ihrem großen Engagement verbunden bleiben. Ein frohes Fest und alles Gute für das neue Jahr!

Simone Schmid
Referentin Kommunikation/Social Media
+49 (0) 561-7009-283