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Volksbund führt historisch-politische Bildungsmaßnahme mit der Bundeswehr in München durch
19. November 2018
  • München
  • Jugend

An einem kühlen, herbstlichen Vormittag fanden sich am 8. November rund 40 Soldatinnen und Soldaten der 6. Kompanie des Bataillons Elektronische Kampfführung 931 aus Daun (Rheinland-Pfalz) an der Kriegsgräberstätte München Waldfriedhof ein. Der Besuch der Kriegsgräberstätte war Bestandteil einer mehrtägigen historisch-politischen Bildungsreise durch das Münchner Umland. Dem sonstigen Tagesprogramm war der Umstand geschuldet, dass die Teilnehmer in zivil kamen. Ziel war es, die Folgen von Krieg und Gewaltherrschaft zu verdeutlichen und sich insbesondere mit der Geschichte des Ersten Weltkrieges und der Kriegsgräberfürsorge auseinanderzusetzen.
Zunächst wurde durch einen Angehörigen der Truppe die Arbeit des Volksbundes mustergültig vorgestellt. Er nahm hierbei sowohl Bezug auf die klassischen Aufgaben der Kriegsgräberfürsorge (Suche nach den Gefallenen, Bergung und Umbettung, Angehörigenbetreuung) als auch auf die zukunftsorientierte und friedenfördernde Jugend-, Schul- und Bildungsarbeit.
Im Anschluss wurden die Teilnehmer durch den neuen Bezirksgeschäftsführer München, Thomas Koterba, und den Bildungsreferenten des Landesverbandes Bayern, Maximilian Fügen, willkommen geheißen. Es folgte eine Einführung zu den Auswirkungen der Weltkriege auf München sowie zu der Geschichte und Architektur der Kriegsgräberstätte.
Gemeinsam besuchte die Gruppe dann das Grab von Georg Frey, der auf den Tag genau 100 Jahre zuvor, noch 3 Tage vor Kriegsende, in einem Münchner Lazarett verstorben war.
Die Betroffenheit innerhalb der Gruppe war deutlich spürbar.
In Kleingruppen schwärmten die Teilnehmer dann über das Gelände der Kriegsgräberstätte, auf der über 3.500 Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft ruhen, aus, um sich bewusst mit den Einzelschicksalen auseinanderzusetzen. Hierzu waren vorab durch die Mitarbeiter des Volksbundes aufbereitete Biographien an den jeweiligen Grabsteinen verteilt worden.
Die starke Wirkung, die die Auseinandersetzung mit den Geschichten hinter den Steinen auf die Teilnehmenden hatte, zeigte sich in der anschließenden Diskussionsrunde.
Die Soldatinnen und Soldaten waren vor allem über die Heterogenität der Opfergruppen auf der Kriegsgräberstätte erstaunt: An Verwundung und Krankheit in den Münchner Lazaretten verstorbene Soldaten der beiden Weltkriege, Männer, Frauen und Kinder, die Opfer des Bombenkrieges wurden, sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter wie auch deutsche Desserteure, die der NS-Gewaltherrschaft zum Opfer fielen, Minderjährige, die kurz vor Kriegsende noch als „Soldaten“ verheizt wurden, potentielle Kriegsverbrecher aber auch Retter ausländischer Kriegsgefangener finden sich an diesem Ort.  
Ein abschließendes Fazit des Bildungsreferenten und des Einheitsführers beendete die Bildungsmaßnahme. Die Soldatinnen und Soldaten kehrten im Gespräch miteinander oder ganz in Gedanken zu ihrem Bus zurück, der sie zum nächsten Programmpunkt brachte.
Kompaniefeldwebel und Einheitsführer übergaben dem Volksbund eine großzügige Spende, bedankten sich für die durchgeführte Bildungsmaßnahme und zeigten sich hoffnungsvoll, dass sich künftig noch mehr Angehörige der Kompanie an der bevorstehenden Sammlung für die erinnerungskulturelle und friedensfördernde Arbeit des Volksbundes beteiligen würden.