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Volksbund trifft "Paddy" Kelly in Verdun
Jugendarbeitskreis informiert über Gedenkstätten
19. Februar 2019

Was hat der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge mit Michael Patrick Kelly, genannt „Paddy“, zu tun? Warum treffen sie sich in Verdun? Diese Fragen drängen sich auf, wenn man diese Überschrift liest. Aber der Titel dieses Artikels liefert auch gleich schon die Antwort. Beide setzen sich für den Frieden ein. Dabei gehen sie unterschiedliche Wege, aber das Ziel ist das gleiche: Die Botschaft vom Frieden verbreiten, sich stark machen für Frieden und Menschen für dieses Anliegen motivieren.

Und warum trafen sich der Volksbund und Patty Kelly in Verdun? Vor 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg und die schlimmsten Schlachten dieses Krieges fanden in Verdun statt, sinnlose Schlachten, die strategisch keinerlei Bedeutung mehr hatten, bei denen es lediglich um das Prestige, um den Nationalstolz, um übertriebenen Nationalismus ging. Die Erkenntnis, dass übertriebener Nationalismus Krieg bedeutet, führte zu dem vereinten Europa. Doch schon wieder keimt in mehreren Ländern der EU Nationalismus auf, der Frieden ist wieder stärker in Gefahr. Es braucht wieder verstärkt Menschen und Institutionen, die Friedensarbeit leisten, denn Frieden ist nicht selbstverständlich.

Glocke für den Frieden

Der Volksbund, der sich seit 100 Jahren bis heute um die Bergung und Bestattung der Kriegstoten und um die Pflege der 2,7 Millionen Kriegsgräber kümmert, hat sich durch internationale Workcamps und durch Bildungsangebote, vor allem für Jugendliche, fest in der Friedensarbeit etabliert. Paddy Kelly, der durch seine Konzerte viele Tausende Menschen erreicht, hat sich für eine andere Friedensinitiative entschieden. Bewegt durch das Kriegsgeschehen in Verdun, ließ er im November eine Friedensglocke gießen, die in jedem seiner Konzerte als „Glocke für den Frieden“ eingesetzt wird. „Im Krieg wurden zig-tausend Glocken zu Waffen umgeschmolzen“, so Kelly, „meine Peacebell wurde aus alten Waffen „zurückgeschmolzen“ und macht diesen Vorgang rückgängig.

Um sich genauer über die Kriegsereignisse in Verdun informieren zu lassen, hat er nun Jugendliche des Volksbundes aus dem Saarland nach Verdun eingeladen, die ihm fundiert Auskunft geben können. Marlene Ruth, Paul Fischer, Robin Schuldt und Maurice Kuntz vom Jugendarbeitskreis fuhren daraufhin mit ihrem Landesvorsitzenden Werner Hillen, der Jugend- und Bildungsreferentin Lilian Heinen und dem Geschäftsführer Johannes Conrad nach Verdun. Paddy Kelly zeigte sich erstaunt über das Engagement der Jugendlichen und lobte ihren Einsatz bei der Kriegsgräberpflege. Beim gemeinsamen Gang über die französische Kriegsgräberstätte unterhalb des Beinhauses mit den 16.142 namentlich bekannten Gefallenen hatten sie Gelegenheit sich auszutauschen. „Kriegsgräber sind  wichtige Mahnmale, die uns zum Frieden aufrufen“, äußerte sich Paul. Und dann erzählte er noch die Geschichte von General Pétain, dem Helden von Verdun, dem es bis heute nicht vergönnt ist, bei „seinen“ Soldaten auf diesem Friedhof zu liegen.

Wir sind Freunde geworden

Beim Gang durch das Beinhaus mit seiner 137 m langen Gedenkhalle erklärte Maurice, dass in dieser französischen Gedenkstätte vor fünf Jahren zum ersten Mal auch ein deutscher Name eingraviert wurde, ein Beweis für die deutsch-französische Freundschaft. Beim Blick in den Keller dieses imposanten Gebäudes, das ein Schwert darstelle, dessen Klinge in die Erde gerammt ist, erklärte Marlena Paddy, dass dort Knochen von 130.000 deutschen und französischen Soldaten liegen. Die Worte auf der Gedenktafel, an der sich 1984 Helmut Kohl und Francois Mitterand die Hände über den Schlachtfeldern von Verdun reichten, las Robin vor: „Wir haben uns versöhnt. Wir haben uns verständigt. Wir sind Freunde geworden.“

Als sich die Jugendlichen nach zweieinhalb Stunden von Paddy Kelly verabschiedeten, hatten auch sie sich angefreundet. Paddy bedankte sich in seiner herzlichen Art und versprach ihnen: „Wenn ich am 20. Juli mein Konzert in Saarbrücken gebe, werdet ihr natürlich eingeladen.“ Darauf freuen sich die Jugendlichen schon jetzt.

Werner Hillen

Volksbund-Landesvorsitzender Saarland