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Von Kriegsgräbern bis zur NS-Ordensburg
Zeitreise beim Workcamp in Lommel zu Stationen des Ersten und Zweiten Weltkrieges
05. August 2020
  • Jugend
Auf eine Zeitreise in die Vergangenheit gingen Ende Juli die zwölf Teilnehmenden eines Volksbund-Workcamps im belgischen Lommel. Sie erkundeten Erinnerungsorte und Kriegsgräberstätten des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Die meisten Stationen lagen im Freien - den gebotenen Abstand einzuhalten, war hier ein Leichtes.

„75 Jahre Frieden“ war das Motto des Camps in der Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte in Lommel. Frieden? Für die meisten wohl ein „Normalzustand“, den zu hinterfragen sich der Volksbund in seiner Jugendbildungsarbeit zur Aufgabe gemacht hat. Die Jugendlichen betrachteten den Ersten und Zweiten Weltkrieg im historischen Zusammenhang.

Tägliches Gedenken in Ypern
Sie diskutierten, wie der Erste Weltkrieg den übersteigerten Nationalismus in Deutschland verstärkte, der schließlich in die Machtübernahme der Nationalsozialisten und den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges mündete. Außerdem ging es um die Frage, warum es weiter wichtig ist, an beide Weltkriege und ihre verheerenden Folgen zu erinnern, und wie das gelingen kann.

Rund um Ypern erhielt die Gruppe einen Eindruck der verheerenden Flandernschlachten, die im Ersten Weltkrieg eine halbe Million Menschen das Leben gekostet hatten. Sie besichtigte Tyne Cot, die größte Kriegsgräberstätte des Commonwealth, und nahm an der Menenpoort in Ypern am Last Post teil - der täglichen Gedenkveranstaltung für die Gefallenen des Commonwealth.

Der "Ring der Erinnerung"
Auf der französischen Seite besuchte sie in Vimy das Freiluftmuseum mit Schützengräben und dem Denkmal für die unbekannten kanadischen Gefallenen sowie die französische Kriegsgräberstätte Notre-Dame-de-Lorette. Hier beeindruckte sie besonders der „Ring der Erinnerung“, der die Gefallenen des Ersten Weltkrieges ohne Nennung ihrer Nationalität verzeichnet und den Weg hin zu europäischem Gedenken weist. Auf der Kriegsgräberstätte Lommel stand die Beschäftigung mit dem Zweiten Weltkrieg im Vordergrund. In interaktiven Workshops setzte sich die Gruppe mit der nationalsozialistischen Ideologie und mit Menschenrechten auseinander.

Abschließend nahmen die Jugendlichen an einem Workshop-Tag der Akademie Vogelsang in der ehemaligen NS-Ordensburg teil, die heute als „Vogelsang IP“ (Internationaler Platz) für Toleranz, Vielfalt und ein friedliches Miteinander steht. Während einer Führung über das Gelände lernten die Gäste die Geschichte des einstigen Ortes der nationalsozialistischen Elitenbildung kennen, der während des Kalten Krieges Station der belgischen Streitkräfte war. Als Dokumentationsort des Nationalsozialismus ist er erst seit den 2000er Jahren zugänglich.

Ganz dicht dran am Film-Set
Hier fassten die Jugendlichen zusammen, welche Vorstellungen sie für eine zukunftsorientierte und friedensfördernde Erinnerungskultur haben, in der die Aufklärung über menschenverachtende Ideologien eine wichtige Rolle spielt.

Kurz vor der Abfahrt fühlten sich die Teilnehmenden plötzlich ganz und gar in die Vergangenheit versetzt, als ihnen amerikanische Soldaten in Uniformen aus den1950er Jahren entgegenkamen – von weitem konnten sie die Dreharbeiten zur ARD-Serie „Little America“ verfolgen, die die Stationierung US-amerikanischer Soldaten im Nachkriegsdeutschland thematisiert.

Plätze frei bei weiteren Workcamps
Bei weiteren Workcamps in diesem Sommer sind noch Plätze frei – unter anderem in Magdeburg (14- bis 18-Jährige, ab 9. August),  beim internationalen, virtuellen Workcamp „We remember Srebrenica" (18- bis 26-Jährige, ab 28. August) und am Bodensee (18- bis 25-Jährige, ab 29. August). Alle Angebote und nähere Informationen finden Sie hier.