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Warten auf Macron
Abschluss des „Youth for Peace“-Projektes
18. November 2018

„Warten auf Godot“ (im französischem Originaltitel: En attendant Godot) ist ein Theaterstück von Samuel Beckett, das international zur Redewendung für langes und womöglich vergebliches Warten geworden ist. Aber hier hinkt der Vergleich, denn mehrere hunderte Jugendliche aus ganz Europa und Nordafrika warteten im Berliner Kosmos keineswegs vergeblich auf den französischen Staatspräsidenten Emmanuel Macron und sein deutsches Pendant Dr. Frank-Walter Steinmeier. Beide folgten der Einladung des Deutsch-Französischem Jugendwerkes (DFJW) zur Abschlussveranstaltung des „Youth for Peace“-Projektes. Das Warten war also nicht vergebens – ganz im Gegenteil.

Die Wartezeit der 500 zumeist jungen Menschen im Saal wird ohnehin mit einem interessanten Programm, bestehend aus Wort-, Musik- und Videiobeiträgen gefüllt. Zugleich wirft die versammelte europäische Jugend einen Blick zurück auf das Erlebte: Bereits vor vier Jahren begann dieses großartige Projekt der renommierten Jugendorganisation DFJW/OFAJ, die sich zum Ziel gesetzt hat, junge Menschen im Herzen Europas zusammenzuführen.

100 Ideen für den Frieden

Daraus sind zahllose Projekte, Diskussionsrunden, Kunstaktionen, Schülerbegegnungen ­ und vor allem viele Freundschaften entstanden, die mühelos gedachte oder tatsächliche Grenze überwinden können – und dies auch tatsächlich tun. Dies merkt man immer wieder, wenn man Teil eines solchen DFJW-Projektes ist. Heute werden zudem die besten der „100 Ideen für den Frieden“ vorgestellt. Darunter finden sich natürlich Vorschläge für weitere Jugendbegegnungen auf verschiedenen Ebenen, internationale Sprach – und Bildungsangebote, Online-Netzwerke zum täglichen Austausch, die Einführung eines speziellen „Jugend-Friedenstages“ und vieles mehr.

Man spürt sofort, dass sich die Jugendlichen aus aller Herren Länder in ihrem Wunsch nach einer friedlichen und offenen Gesellschaft ganz natürlich zusammenfinden, um gemeinsam die Zukunft zu gestalten. Ihr Motto lautet: „Wenn du schnell ans Ziel kommen möchtest, geh’ alleine. Wenn du gut ans Ziel kommen möchtest, geh’ gemeinsam!“

Diese Gemeinsamkeit gibt es auch im Berliner Kosmos, einem großen Veranstaltungszentrum mitten in der Bundeshauptstadt Berlin. Dort ist die Atmosphäre, die Stimmung hervorragend und wird sogar noch gesteigert, als Bundespräsident Steinmeier das Podium betritt.

Das Versprechen erneuern

Dabei erinnerte Steinmeier an den „Menschenfresserberg“, also den Hartmannsweiler Kopf, an dessen Hängen unzählige Franzosen und Deutsche im Ersten Weltkrieg grausam ums Leben kamen. „Doch der Berg ist nicht der Menschenfresser, sondern der Nationalismus! Gerade deshalb berührt es mich, dass heute so viele junge Menschen hier sind, um gemeinsam zu sagen: Europa hat gelernt, und um gemeinsam das Versprechen zu erneuern: Nie weder Krieg!"

Dazu brauche es neue, frische Ideen, denn die kostbarsten Ideen seien die zerbrechlichsten. Sie sind keineswegs selbstverständlich, nicht die Europäische Union, nicht die Demokratie und auch nicht der Frieden selbst.“ Dafür bekam er großen Applaus.

 

Mindestens genauso viel Zuspruch erntet auch der französische Staatspräsident Emmanuel Macron, als er den Saal voller junger und freundlicher Gesichter betritt. In seiner direkten Ansprache entwirft er sein Bild der Europäischen Union, bei dem der jungen Generation eine große Rolle zufällt: „Ohne euch gibt es keine Zukunft“, sagt Macron vor über 500 Jugendlichen. Und zum Abschluss haben sie auch noch ein Geschenk für ihn: Es sind ihre Ideen zum Frieden. Bei Emmanuel Macron und Fank-Walter Steimeier sind sie sicher in guten Händen.

Maurice Bonkat

Maurice Bonkat
Redakteur
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