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Wer waren sie?
Biografische Collage der Revolutionstoten 1918-1921
24. Juli 2018
  • Hamburg

Im Rahmen des 10. Ohlsdorfer Friedensfestes fand am 22. Juli auf der Gräberfläche der Revolutionstoten 1918-1921 eine Veranstaltung des Projekts Hamburg Memory in Kooperation mit dem Museum für Hamburgische Geschichte statt. Dabei stellten Jugendliche des Jugendarbeitskreises (JAK) im Volksbund Hamburg einer interessierten Öffentlichkeit ausgewählte Biografien und Schicksale von einigen dort bestatteten Revolutionstoten vor.

Auf der Gräberfläche auf dem Ohlsdorfer Friedhof sind insgesamt 59 Tote bestattet. Zehn Tote der Novemberrevolution 1918, 32 Tote der Hungerunruhen 1919, auch „Sülzeunruhen“ genannt, fünf Tote des Kapp-Putsches 1920 und zwölf Tote der Märzunruhen 1921.
Die Mitglieder des JAK - Mariane Pöschel, Laura Neubauer und Anna Thies - führten die Teilnehmenden der Veranstaltung zu einzelnen Gräbern und beleuchteten die Schicksale und Todesumstände von den dort beerdigten, sofern diese denn bekannt sind. Sie erzählten hier z.B. die Geschichte von Friedrich Peter und Hans Else, die in Folge der Revolutionsnacht am 6./7. November 1918 durch Schüsse verstarben.
Friedrich Peter war gelernter Werkzeugmacher und Maschinenbauer und gründete 1916 die Freie Proletarische Jugend. Aufgrund ihrer sozialistischen Ausrichtung wurde sie verboten. Friedrich Peter führte die Gruppe jedoch weiterhin im Untergrund an. Am Ende des Ersten Weltkriegs wurde Friedrich Peter zum Militärdienst einberufen, doch er desertierte und tauchte unter. Auf der Demonstration am 6. November 1918 stand er auf einer der vordersten Wagen, die zur Einnahme auf die Kaserne des Infanterie Regiments 76 (Bundesstraße) steuerte. Innerhalb dieses Feuergefechts starben zehn Menschen, darunter der 24-jährige Friedrich Peter.
Über die wenigsten der auf dem Ohlsdorfer Friedhof bestatteten Revolutionstoten gibt es Informationen, vieles ist noch nicht erforscht und so sind oftmals nur einige Eckdaten sowie die Lebens- und Sterbedaten dokumentiert. Die engagierten Jugendlichen hoben in diesem Zusammenhang u.a. die im Kontext der Sülzeunruhen verstorbenen Marie Fürl hervor, sie starb am Abend des 4. Juli 1919 auf der Reeperbahn und ist die einzige Frau auf der Gräberfläche. Darüber hinaus wiesen sie auf die Diversität der Toten hinsichtlich ihres Alters und ihrer unterschiedlichen Lebensrealitäten hin – der jüngste auf der Gräberfläche Beerdigte wurde nur sieben Jahre alt, der älteste 72 Jahre.

Um dem Publikum die Lebensumstände der Revolutionstoten näher zu bringen, gingen die Jugendlichen auch auf den historischen Kontext ein und berichteten von den Ereignissen der Novemberrevolution sowie von den Sülze- und Märzunruhen und von den Ausläufern des Kapp-Putsches in Hamburg. Abschließend verdeutlichten sie die Errungenschaften der Revolution 1918/19, wie z.B. die Einführung des Wahlrechts für Frauen und dass demokratische Zustände hierzulande nicht selbstverständlich sind und auch heute noch für diese gekämpft werden sollte. Aus ihrer gelungenen Präsentation entwickeln die drei jungen Frauen nun einen Beitrag für den Geschichtswettbewerb Hamburg Memory.

Im Anschluss an die Präsentation und den Rundgang auf dem Gräberfeld luden die Jugendlichen zur gemeinsamen Putzaktion ein, an der sich rege beteiligt wurde.