Nachricht
Workcamp-Auftakt: Grenzgänger und Hygienemahner
Erstes Treffen in Koblenz mit Corona-Regeln und deutsch-französischen Begegnungen
25. Juli 2020
  • Jugend

Manches ist wie immer, manches ganz anders als sonst: Am Mittwoch hat in Koblenz das Alternativ-Programm des Volksbundes für junge Leute in diesem Sommer begonnen – mit dem ersten Workcamp, mit gewachsener und geteilter Verantwortung und internationaler Begegnung vor Ort und virtuell.

Gleich nach der Begrüßung in Mendig etwas außerhalb der Stadt hatten Corona-Regeln Vorrang. Zu dem Modul, das der Volksbund für alle Workcamps 2020 ausgearbeitet hat, gehört die Verteilung von Aufgaben: Je zwei Teilnehmende erinnern morgens alle anderen an Masken und Desinfektionsmittel, zwei weitere mahnen abends ans Waschen der Masken für den nächsten Tag, zwei weitere sorgen für’s Lüften in regelmäßigen Abständen. Entsprechende Piktogramme hängen aus.

Verantwortung teilen
„Die Gruppe trägt gemeinsam die Verantwortung für die Einhaltung der Regeln und die Sicherheit aller“, erklärt Andreea Peptine, Volksbund-Referentin für internationale Jugendbegegnungen. Sie hat die sieben Tage mit dem Thema „Koblenz und die wechselnde Grenze“ mit vorbereitet.

Und auch die Formate sind in elementaren Teilen anders: Eine der ersten Aufgaben für die 12- bis 16-Jährigen ist es, sich jeweils in einem Video kurz vorzustellen. Daraus schneiden die Teamenden ein längeres Stück, das am Montag, am sechsten Tag, eine wichtige Rolle spielt.

Salut nach Alençon!
Dann nämlich kommen bei einem Webinar französische Jugendliche ins Spiel, die ihre Freizeit in einer Jugend-Einrichtung der Stadt Alençon verbringen. Sie treffen sich virtuell, wobei der interkulturelle Austausch im Mittelpunkt steht. Spiele sind vorbereitet wie etwa eine Youtube-Challenge, in der es um Landestypisches geht: Sehenswürdigkeiten, Feiertage, Symbole und mehr beiderseits der Grenze in Deutschland und Frankreich.

Vorgestellt hat sich die Jugendeinrichtung ihrerseits in einem Video. Sich gegenseitig kennenzulernen, persönliche Eindrücke und Meinungen zu teilen, ist das Ziel. Hilfreich dabei ist Sprachanimation: Gleich am zweiten Tag machte die Französin Mathilde Gouyer, die die Gruppe betreut, die deutschen Teilnehmenden mit den wichtigsten französischen Begriffen und Ausdrücken vertraut.

Der Blick auf die Grenzen
Das Thema des Workcamps kommt nicht von ungefähr: Die kulturell reiche Region um Koblenz grenzt an drei Länder: an Frankreich, Luxemburg und Belgien. Das Leben an und mit Grenzen gehört hier seit Jahrhunderten zum Alltag dazu.

Und darum spielt die Frage, ob Grenzen heute noch wichtig sind, eine zentrale Rolle. Klar ist, dass die Antworten vor der Corona-Pandemie anders ausgefallen wären als aktuell. Und dass Jugendliche Ländergrenzen in den vergangenen Wochen vielleicht erstmals bewusst wahrgenommen haben. Beschäftigen werden sie sich auch mit Grenzverläufen in der Vergangenheit.

An Kriegsgräbern Geschichte erleben
Das führt unter anderem zu einem Treffen auf dem Hauptfriedhof Koblenz, auf einer Kriegsgräberstätte. Dort erwartet die elf Jugendlichen ein Mitarbeiter von „Le Souvenir Français“, einer Partnerorganisation des Volksbundes, die französische Erinnerungskultur unter anderem nach Deutschland bringt. Er spricht über die deutsch-französischen Beziehungen. Der Besuch der Gräber lenkt den Blick auf die gemeinsame Geschichte Deutschlands und Frankreichs. Um Grenzen damals und heute geht es auch am „Deutschen Eck“, wo Rhein und Mosel zusammenfließen.

Wichtig bei den Workcamps sind immer auch Spaß und gemeinsam verbrachte Freizeit: bei einer Stadtrallye durch Koblenz, in einer Trampolin-Halle und im Schwimmbad. Und wenn es Geburtstagskinder gibt, steht eine Torte auf dem Tisch. Dass das Geburtstagslied mehrsprachig gesungen wird, versteht sich von selbst.

Workcamp-Programm 2020: noch Plätze frei!
Bei weiteren Workcamps in diesem Sommer sind noch Plätze frei ­– unter anderem in Erfurt (16- bis 25-Jährige, ab 1. August), in Magdeburg (14- bis 18-Jährige, ab 9. August),  beim internationalen, virtuellen Workcamp „We remember Srebrenica" (18- bis 26-Jährige, ab 28. August) und am Bodensee (18- bis 25-Jährige, ab 29. August). Alle Angebote und nähere Informationen finden Sie hier.

Christiane Deuse
Redakteurin
+49 (0) 561-7009-281