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Workcamp pflegt Kriegsgräber in Lettland
19 deutsche und lettische Jugendliche im Alter von 15 und 22 Jahren sowie fünf Betreuer pflegten zwei Wochen eine Kriegsgräberstätte in der Nähe von Riga in Lettland.
18. Oktober 2019
  • Rheinland-Pfalz

Koblenz/Riga, 02.10.2019, 11:27 Uhr – Rhein-Zeitung.net – Wir von hier

Auf dem Soldatenfriedhof „Schmiesing“ liegen seit Ende des Ersten Weltkrieges 100 deutsche und 120 russische Soldaten bestattet. Im Rahmen eines Workcamps sollte dieser bestmöglich hergerichtet werden. Anders, als es bei großen

Sammelfriedhöfen der Fall ist, sind die kleineren Friedhöfe, die unmittelbar nach dem Krieg entstanden in einem sehr schlechten Zustand. Die Gruppe, die einen Tag zuvor den großen deutschen Friedhof Riga-Beberbeki (rund 10.000 Gefallene aus dem Zweiten Weltkrieg) besuchte, der regelmäßig gepflegt wird, war vom schlechten Zustand überrascht.

 

Bereits der Weg dorthin war schwierig, weder Schilder noch Wege führen zu der Grabstätte, die nahezu gänzlich zugewachsen war. Rechts und links wurden freie Flächen zur illegalen Müllablage genutzt. Die Grabanlage selbst entsprach den Ideen der Zwanziger Jahre. Das russische Massengrab war lediglich ein in Stein gefasstes Beet ohne Namen oder ähnliches.

 

Auf einem Plateau begraben lagen die rund 100 deutschen Gefallenen, deren Namen auf Steintafeln versehen war. Teils durch die Witterung zerstört, teils entwendet. In der Mitte findet sich ein Gedenkstein, der die „deutschen Helden“ kennzeichnet und an ihre Regimenter erinnert. Kennzeichen dieser Grabstätte ist die fehlende Pflege. Das Fundament des Gedenksteins ist so porös, dass der Halt des Steins kaum gewährleistet war. Wege und Grabfelder sind von Unkraut und Unrat durchzogen. Mitten auf dem deutschen Grab wächst ein Baum. Das russische Massengrab ist so zugewachsen, dass es problemlos übersehen werden kann. Diese Situation wollten die Teilnehmer ändern.

 

„Wir haben uns den Friedhof angesehen und waren vom Zustand schockiert. Gemeinsam hat die Gruppe entschieden diesen Zustand zu verändern“, so Isabella Weiland (22/Boppard) die stellvertretende Leiterin des Camps. Gemeinsam diskutierten die deutschen und die lettischen Teilnehmer die Möglichkeiten und entschieden sich dafür, den Friedhof nahezu gänzlich neu anzulegen. So wurden die Wege abgezogen und neu abgegrenzt, das Fundament des Gedenksteins wurde neu gegossen, eine Hecke wurde angelegt und die Grabflächen durch eine optische Abgrenzung erkennbar gemacht. Mit Rindenmulch und Natursteinen wurden Materialien gewählt, die sich in die Umgebung einpassten aber dem Friedhof dennoch einen würdevollen Ausdruck gaben. Für dieses Projekt benötigte die Gruppen knapp drei Arbeitstage und insgesamt rund 13.000 Liter Rindenmulch, 1,7 Tonnen Kies, 800 Kilogramm Beton sowie rund 100 Pflanzen. „Seit 12 Jahren betreue ich Camps für den Volksbund, doch dieser Arbeitseinsatz war größer als je zuvor“, so Christian Schuth (31/Brey) der Leiter des Camps. Bei einer kleinen Gedenkfeier hat die Gruppe den Friedhof im Beisein einiger lettischer Bürger und Vertretern der deutschen Botschaft in Riga neu eingeweiht.

 

Doch neben dem Arbeitseinsatz standen im Workcamp auch die binationale Begegnung und die historisch-politische Bildung im Vordergrund. Mit kleinen Projekten zur deutsch-lettischen Geschichte, zur Zeit der Besatzung und der Gedenkkultur befassten sich die Jugendlichen mit den Erlebnissen der beiden Länder und entdeckten viele Gemeinsamkeiten. Der Freizeitspaß beim Kanufahren oder Klettern kam auch nicht zu kurz. So, wie dieses Camp, bietet der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge seit über 50 Jahren jährlich rund 40 Camps in unterschiedlichen Ländern an. Durchschnittlich nehmen jedes Jahr rund 1000 Jugendliche teil.

Das Foto zeigt den Friedhof vor Beginn der Arbeiten (Foto: Volksbund)
Friedhof nach Abschluss der Arbeiten (Foto: Volksbund)
Christian Schuth und Isabella Weiland berichten dem Präsidenten des Volksbundes General a.D. Wolfgang Schneiderhan von dem Camp. (Foto: Volksbund)