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Ausbettung nahe Stalingrad beendet
Vierhundert Gräber in Stalingrad entdeckt
18. Juni 2019

Immer wieder berichten wir von neuen Gräberfeldern, die der Volksbund nach langer Suche oder aber durch puren Zufall entdeckt – und anschließend exhumieren kann. So ist es auch diesmal an dem neuen Fundort nahe Wolgograd, dem ehemaligen Stalingrad. Nachdem dort bereits Ende des vergangenen Jahres eine größere Grablage entdeckt worden war, gibt es nun eine neue Fundstätte mit mehreren hundert deutschen Toten des Zweiten Weltkrieges. Dabei trat auch ein wirklich außergewöhnlicher Grabschmuck zu Tage.

Von Maurice Bonkat

Bei der Arbeit des Volksbund-Umbettungsdienstes in Russland oder auch den 41 weiteren Ländern Europas und Nordafrikas zählt vor allem die Genauigkeit bei der Recherche, bei der Ausbettung und auch in der späteren Identifizierungsphase. Wenn hier aufgrund von Zeitdruck Fehler entstehen, können diese später nicht mehr korrigiert werden. Der Kriegstote wird dann für immer namenlos bleiben. Doch im aktuellen Fall verhält es sich beinahe gegenteilig, denn hier ist Eile geboten: Grund dafür ist das leider nicht ungewöhnliche Phänomen des Grabraubes. Dabei werden Gräber hemmungslos geplündert und auch die Gebeine teilweise so verstreut, dass sie später nicht mehr zugeordnet werden können.

 

Im vorliegenden Fall, der sich etwa 25 Kilometer außerhalb Wolgograds ereignete (genauere Angaben folgen aus Sicherheitsgründen erst später), waren ebenfalls solche Grabräuber am Werk, wurden aber rechtzeitig entdeckt. Nun hat der Volksbund-Umbettungsdienst in Russland dort seine schwierige Arbeit aufgenommen.

Ein Kreuz aus Flakhülsen

 

Dabei stießen die Spezialisten um den Umbettungsleiter Denis Deryabkin auch auf einen ungewöhnlichen Grabschmuck. Direkt unter der Grasnarbe fand sich ein aus alten Flakhülsen gestaltetes Eisernes Kreuz. Dieses hatten die Kameraden der Gefallenen aus Hülsen verschossener Flakmunition seinerzeit als Kennzeichnung und Ehrerbietung auf den Gräbern platziert. Etwa 75 Jahre später haben es die Umbetter des Volksbundes dann nahezu unversehrt wiederentdeckt.

 

Viel bedeutsamer ist aber der Fund der Gebeine selbst, vor allem weil ein Großteil der hier geborgenen Kriegstoten anhand der in vielen Fällen noch vorhandenen Erkennungsmarken wohl identifiziert werden kann. Das gibt vielen Angehörigen neue Hoffnung auf Schicksalsklärung ihrer im Zweiten Weltkrieg umgekommenen Verwandten. Zugleich ist es immer wichtig, darauf hinzuweisen, dass manche Kriegstote – trotz größter Anstrengungen – wohl niemals gefunden oder identifiziert werden können.

Wichtiger Hinweis in diesem Zusammenhang: Häufig werden auf Flohmärkten oder im Internet Erkennungsmarken zum Verkauf angeboten. Das ist illegal! Kaufen Sie keine Erkennungsmarken! Werden diese einmal von den Gebeinen getrennt, ist wieder ein Kriegstoter nicht zu identifizieren.

Bei der Exhumierung nahe Wolgograd/Stalingrad handelt es sich nach bisherigen Erkenntnissen um einen alten Wehrmachtsfriedhof. Die Nachrecherche anhand zeitgenössischer Luftbildaufnahmen ergab, dass diese Kriegsgräberstätten etwa Mitte September 1942 angelegt wurde.

Aktueller Nachtrag:

Nach insgesamt 24-tägiger Suche wurden abschließend knapp über 400 deutsche Kriegstote des Zweiten Weltkieges durch den Volksbund-Umbettungsdienst exhumiert. Besonders hilfreich für die spätere Identifizierung ist dabei die hohe Anzahl gefundener Erkennungsmarken bei den Gebeinen: 343 Erkennungsmarken wurden geborgen. Nur 107 davon sind nicht mehr lesbar oder zerfallen. Ein großer Dank gebührt all den Mitarbeitern vor Ort, die diese schwierige Arbeit bei hochsommerlichen Temperaturen geleistet haben.

Das aktuelle Foto unten zeigt die Dimensionen dieses Gräberfeldes in der Oblast Wolgograd (Stalingrad). Anhand der Mitarbeiter des Umbettungsdienstes, die am linken Bildrand zu sehen sind, wird die Größe dieser Aufgabe deutlich vor Augen geführt:

Maurice Bonkat
Redakteur
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