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120 Kriegstote in Lietzen eingebettet

Letzte Ruhe nach 76 Jahren – ein Drittel der Toten ist identifiziert

Im vergangenen Jahr exhumierte der Volksbund über 100 Tote der letzten Kriegstage in der Gegend um den Oderbruch. Sie wurden am 16. April 2021 feierlich eingebettet. 

Trotz des eisigen Windes kamen rund 30 Menschen auf die Kriegsgräberstätte in Lietzen im Märkischen Oderland. Sie nahmen an der Einbettungsveranstaltung für 120 deutsche Soldaten teil, die vor 76 Jahren – in den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges – in der Schlacht am Oderbruch ihr Leben verloren hatten. Die Toten waren 2020 gefunden und exhumiert worden. Nun erhielten sie endlich ein würdiges Grab. Die Hälfte der Geborgenen hatte Erkennungsmarken, von denen einige nicht mehr lesbar waren. Ein Drittel der Toten konnten identifiziert werden. Unter normalen Umständen – ohne Pandemie-Beschränkungen – hätten Angehörige an der Beisetzung teilgenommen.
 

„Kriegsgräberpflege ist Friedensarbeit“

Über 50.000 Soldaten beider Armeen seien innerhalb von 70 Stunden bei den Kampfhandlungen gefallen, erklärte Detlef Fritzsch, Mitglied im Bundesvorstand des Volksbundes. Nach der Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 waren viele Tote kaum oder notdürftig bestattet worden. Fritzsch erinnerte an Pfarrer Ernst Teichmann, der sich schon wenige Jahre nach dem Krieg insbesondere in der Gegend um Halbe gegen etliche Widerstände dafür eingesetzt hatte, dass die Kriegstoten gesucht und würdig beigesetzt wurden.

Noch heute werden jährlich 200 bis 300 Tote aus Feldgräbern geborgen. Jeder Dritte kann mit Hilfe des Bundesarchivs identifiziert, Angehörigen können benachrichtigt werden. So werden Schicksale nach einem Dreivierteljahrhundert geklärt und Familien erhalten endlich Gewissheit. „Kriegsgräberpflege ist Friedensarbeit“, betonte Fritzsch und dankte auch der Bundeswehr für die Unterstützung des Volksbundes, insbesondere bei der internationalen Jugendarbeit.

„Worte des Gedenkens – das ist doch eigentlich ein Widerspruch, oder?“, fragte Brigadegeneral Uwe Nerger vom Kommando Heer in Strausberg. „Wir stehen hier an 92 Särgen, in denen 120 Menschen liegen. Wir sollten uns Gedanken machen, was die Menschen, die hier liegen, für Wünsche hatten. Wir sollten versuchen, uns in sie hinein zu versetzen. Wieviele Reden haben die Toten wohl schon gehört?“ Er bat die Anwesenden, für jeden der Toten zwei Sekunden zu schweigen. „Denn die Toten haben alle Zeit der Welt.“

Dann folgte die Einbettung. Viele der Anwesenden nutzten die Gelegenheit, einen der kleinen, blumengeschmückten Särge an den Umbetter des Volksbundes, Joachim Kozlowski, zu überreichen. Das Totengedenken verlas Gunter Fritsch, Landesvorsitzender des Volksbundes Brandenburg.
 

„Nicht bei der Schuld stehenbleiben“

Pfarrer Thomas Krüger erinnerte an den Tag genau vor 76 Jahren, als die Glocken der Lietzener Kirche läuteten und eine Feuerwalze das Dorf zerstörte. Und er erzählte von dem 17-jährigen Soldaten Fritz Pawelzik, der mit dem Maschinengewehr und einem Messer sowjetische Soldaten getötet habe. Dann, in Berlin im Häuserkampf, sei Pawelzik um eine Ecke gebogen und habe direkt in den Gewehrlauf eines Rotarmisten geblickt. Doch der habe gezögert, nicht geschossen und gesagt: „Junge, geh zu deiner Mutter, Krieg kaputt, Hitler kaputt.“ 

Viele Jahre, so Pfarrer Krüger, habe Pawelzik nicht darüber sprechen können. Es war Krieg, ja. Aber die Schuld habe ihn stumm gemacht. „Schuld ist da, man kann sie nicht wegnehmen. Schuld ist Schuld und Schuld ist schlimm“, betonte Krüger. „Aber Verzeihen ist der Versuch, bei der Schuld nicht stehen zu bleiben, sondern wieder einen Schritt weiterzukommen. Verzeihen schafft Frieden.“  

Die Musikerinnen und Musiker des Landespolizeiorchesters Brandenburg sorgten für einen eindrucksvollen musikalischen Rahmen. Auf den offiziellen Abschluss der Einbettungsveranstaltung folgten noch zwei kleinere, eher inoffizielle Höhepunkte: Der Landesverband Brandenburg und das Kommando Strausberg schlossen eine Kooperationsvereinbarung und das Kommando übergab dem Volksbund einen Sammlungsscheck über 13.600 Euro. Außerdem nahm Max Georg Freiherr von Korff für sein unermüdliches und ausdauerndes Engagement als Bundeswehrbeauftragter das Ehrenkreuz des Volksbundes in Gold als verdiente Auszeichnung entgegen.

Weitere Eindrücke von der Gedenkveranstaltung finden Sie im Video zur Einbettung:

Fotos und Video: Simone Schmid
Text: Diane Tempel-Bornett

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