Ein Geschenk für zwei Jahrzehnte pädagogische Arbeit auf Usedom: Die stellvertretende Vorsitzende des Stadtrates Świnoujście, Elżbieta Jabłońska, überreicht eine historische Lithografie an die Leiterin der Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte, Katharina Feike. (© Volksbund)
20 Jahre Begegnungsort Golm: „Laboratorium der Zukunft“
Dank und Anerkennung für Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte des Volksbundes auf Usedom
Es sei entscheidend, diesen „lebendigen Ort des Austausches” beizubehalten und ihn weiterzuentwickeln, damit er den Herausforderungen der Zukunft gewachsen ist, sagte Beate Schlupp, Erste Vizepräsidentin des Landtags Mecklenburg-Vorpommern. Zum 20-jährigen Bestehen seiner Jugendbegegnungs- und Bildungsstätte (JBS) hatte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberstätte e. V. auf den Golm eingeladen.
Am Volkstrauertag schloss sich eine kleine Feierstunde an das Gedenken auf der Kriegsgräberstätte an. „In einer Zeit, in der die Welt zunehmend von Globalisierung und Digitalisierung geprägt ist, bleibt die Bedeutung gerade solcher Einrichtungen von hoher Relevanz“, so Beate Schlupp weiter – auch weil sich die Bedürfnisse der Jugendlichen veränderten.
Deutsch-polnisches Team
Direkt an der polnischen Grenze auf Usedom gelegen, ist die Arbeit der JBS seit jeher binational. Dafür sorgt unter anderem ein deutsch-polnisches Team unter der Leitung von Katharina Feike. Ein Glückwunsch kam darum auch aus Polen: von der Delegation der Präsidentin der Stadt Świnoujście.
Joanna Agatowska dankte in einer Urkunde für die „außergewöhnliche und unschätzbare Arbeit für die historische Bildung, den Dialog und den Brückenbau zwischen jungen Menschen aus Polen, Deutschland und ganz Europa.“ Ihre Stellvertreterin Elżbieta Jabłońska verlas den Text.
Ehrenurkunde zum Geburtstag
Die Pflege des historischen Gedächtnisses schaffe einen Raum, in dem Offenheit, Verantwortung und Empathie gefördert würden, schrieb die Stadtpräsidentin weiter. Damit sei die JBS ein „Laboratorium der Zukunft, in dem junge Menschen den Dialog über Grenzen hinweg lernen.“
Olaf Gringmann, Bürgermeister der Gemeinde Kamminke, überreichte eine Ehrenurkunde für die langjährige Zusammenarbeit. Sie sei geprägt von gegenseitigem Respekt, gemeinsamen Projekten und der Verbundenheit im Geiste von Erinnerung, Bildung und Gemeinschaft. „Möge die Zusammenarbeit auch in Zukunft fruchtbar und inspirierend fortbestehen.“
„Viel Erfolg, Begeisterung und Kraft“
Dem schloss sich der Volksbund-Vorstand an: Ansgar Salzwedel betonte die Bedeutung der Einrichtung als einzige Jugendbildungs- und Begegnungsstätte des Volkbundes in Deutschland. Er dankte allen Unterstützerinnen und Unterstützern und nannte stellvertretend den Landesverband Mecklenburg-Vorpommern, die ehemaligen Mitglieder der Interessengemeinschaft Golm, die Kommunalgemeinschaft Europaregion Pomerania e. V., die Stadt Świnoujście, die Gemeinden Kamminke und Garz sowie den Landkreis Vorpommern-Greifswald.
„Viel Erfolg, Begeisterung und Kraft für diese wichtige Arbeit für eine friedlichere Zukunft“, wünschte Geschäftsführer Philipp Schinschke im Namen des Landesverbandes Mecklenburg-Vorpommern. Dr. Heike Dörrenbächer, Leiterin der Abteilung Gedenkkultur und Bildung beim Volksbund, dankte dem JBS-Team für die hervorragende Zusammenarbeit und betonte die Besonderheit des deutsch-polnischen Hauses. Sie beide hatten digitale Grußworte geschickt.
Geschichte und aktuelles Angebot
Die Entwicklung des Hauses, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Arbeit mit Jugendlichen in Workshops und auf der Kriegsgräberstätte waren anhand von Fotos nachzuvollziehen. Die musikalische Begleitung der Feierstunde übernahmen Angehörige des JBS-Teams: Frederike Feike am Akkordeon und Sarah Fink und ihr Partner Fiete mit Gesang und Gitarre.
Über ein deutsch-polnisches Schulprojekt in der JBS berichtete der NRD im „nordmagazin” vom 16. November 2025 (Minute 0:57 bis 4:09).
Golm, Niederbronn, Ysselsteyn
36 Zimmer bietet die JBS in drei Wohnpavillons mit Platz für 112 Gäste. Nicht nur Schulklassen und Jugendgruppen, auch Vereine und Gruppen aus der Erwachsenenbildung aus dem In- und Ausland finden hier ideale Bedingungen für Workshops und Seminare. Eigene Bildungsprogramme in beiden Sprachen sind an dem deutsch-polnischen Schwerpunkt ausgerichtet und lassen sich individuell anpassen.
Außer auf dem Golm unterhält der Volksbund Jugendbegegnungs- und Bildungsstätten noch in Ysselsteyn (Niederlande) und Niederbronn-les-Bains (Frankreich). Die Einrichtung in Lommel (Belgien) wird derzeit zu einem Lern- und Erinnerungsort mit neuer Ausstellung umstrukturiert.
Gedenkstunde auf dem Golm
Auf der Kriegsgräberstätte hatte Katharina Feike zuvor knapp 90 Gäste begrüßt: Zeitzeugen, die sich an den Luftangriff auf die Stadt Swinemünde erinnern, politische Vertreter aus der Region, polnische Partner aus Świnoujście, Jugendliche aus polnischen Schulen, Bundeswehr, Polizei und private Besucherinnen und Besucher.
„Verantwortung beginnt heute”
Wie kostbar und wenig selbstverständlich Frieden ist, betonte dort Michael Sack, Landrat in Vorpommern-Greifswald, der die Gedenkrede hielt: „Unsere Verantwortung beginnt heute, hier, bei uns. Sie beginnt in der Art und Weise, wie wir miteinander umgehen, wie wir respektvoll miteinander kommunizieren und wie wir die Vielfalt und die Verschiedenheit der Menschen akzeptieren und wertschätzen.“
Einen geistlichen Impuls gab Pfarrer Stephan Siegmund von der Evangelischen Kirchengemeinde Ahlbeck und Zirchow, der Bansiner Posaunenchor begleitete musikalisch. Das Totengedenken verlasen die FSJ-Freiwilligen Akylai Zhanbolotova und Wojciech Kiedrowski auf Deutsch und Polnisch.
Der Volksbund ist …
.… ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag der Bundesregierung Kriegstote im Ausland sucht, birgt und würdig bestattet. Mehr als 10.000 waren es im vergangenen Jahr. Der Volksbund pflegt ihre Gräber in 45 Ländern und betreut Angehörige. Mit seinen Jugend- und Bildungsangeboten erreicht er jährlich rund 38.000 junge Menschen. Für seine Arbeit ist er dringend auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen.
