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80 Jahre Schlacht um Kreta

Griechen, Alliierte und Deutsche erinnern an die Invasion ab 20. Mai 1941

Vor 80 Jahren fand mit der Schlacht um Kreta die wohl spektakulärste Luftlandeoperation des Zweiten Weltkrieges statt – und eine ungemein verlustreiche dazu. Bei der „Operation Merkur“ ab 20. Mai 1941 starben mehr als 3.000 deutsche Fallschirmjäger, viele von ihnen am ersten Tag. 80 Jahre später gedenken Griechen und ihre ehemaligen Verbündeten aus Großbritannien, Australien und Neuseeland der Opfer von Krieg und Gewalt. Aber auch Deutsche sind nach Kreta gekommen, um an die Tage des Angriffs und der Besatzung zu erinnern, darunter eine kleine Delegation des Volksbundes.
 

Den Schlusspunkt nach vier Tagen setzte am Samstag, den 22. Mai, eine gemeinsame Veranstaltung Großbritanniens und der Commonwealth-Staaten. Nachdem sie 2020 wegen der Covid-Pandemie abgesagt werden musste, fand sie in diesem Jahr unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
 

„God Save The Queen“ in der Souda Bay

Die Botschafter der sieben alliierten Staaten, die auf Kreta gemeinsam gekämpft hatten, legten Kränze auf dem Friedhof in der Bucht von Souda nieder. Neben dem Botschafter Großbritanniens waren auch die diplomatischen Vertreter Kanadas, Australiens, Neuseelands, Indiens, Südafrikas und Griechenlands gekommen.

Der Deutsche Botschafter in Athen, Dr. Ernst Reichel, Professor Loretana de Libero für den Volksbund sowie eine Delegation des Bundes Deutscher Fallschirmjäger legten ebenfalls Kränze nieder. Als Ehrengast war der mittlerweile 103-Jährige griechische General Koka anwesend, der als junger Mann auf Kreta gegen die deutschen Angreifer gekämpft hatte. 

Auf dem Souda Bay War Cemetery in der gleichnamigen Bucht ruhen 1.527 alliierte Soldaten, die nach dem Krieg von den Friedhöfen bei Chania, Heraklion, Rethymnon und Galatas umgebettet worden waren. 776 von ihnen konnten nicht identifiziert werden. Neben den Gräbern der Commonwealth-Soldaten des Zweiten Weltkrieges stammen 19 Gräber aus dem Ersten Weltkrieg - die Gebeine waren vom Suda Bay Consular Friedhof umgebettet worden.

Nach Nationen aufgegliedert, handelt es sich bei den identifizierten Gefallenen um 343 Neuseeländer, 248 Briten, 140 Australier, neun Südafrikaner, fünf Kanadier und einen Inder. Nach der britischen Nationalhymne „God Save The Queen“ wurden auch alle sechs Hymnen der anwesenden Botschafter intoniert. Zuvor hatten die Teilnehmenden der Gedenkveranstaltung ein gemeinsames „Vaterunser“ gesprochen.

Mahnmal „42nd Street“

An der Seite der Briten verteidigten Streitkräfte aus Australien und Neuseeland im Mai 1941 Kreta. Beide Commonwealth-Staaten waren bereits zwei Tage nach dem deutschen Angriff auf Polen in den Krieg eingetreten. 3.500 Soldaten des Commonwealth starben auf der griechischen Insel, mehr als 5.000 gingen in Gefangenschaft.

Ein Ort schwerer Kämpfe war die Odos Tsikalarion in Souda nahe Chania. Die Soldaten des Commonwealth hatten sie „42nd Street“ nach der 42. Kompanie der britischen Royal Engineers getauft. In den Morgenstunden des 27. Mai 1941 standen hier Hunderte von Soldaten Australiens und Neuseelands (ANZAC) den deutschen Gebirgsjägern gegenüber.

Es kam zu brutalen Straßenkämpfen, oftmals mit aufgepflanzten Bajonetten. Von der Wucht der Attacke der sieben Bataillone – unter ihnen eine Maori-Einheit aus Neuseeland – überrascht, flohen die Deutschen in die Olivenhaine. Doch angesichts der deutschen Übermacht mussten die Commonwealth-Truppen nur Stunden später den Rückzug antreten. Sie versuchten, die Weißen Berge zu überqueren und den Evakuierungspunkt Chora Sfakion zu erreichen.

An diesem Freitag, dem 21. Mai 2021, gedachten der neuseeländische Botschafter Anthony Simpson und sein australischer Kollege Alex Bush am Mahnmal an der „42nd Street“ der Opfer.  Simpson erinnerte an das Bild des Morgens vom 20. Mai 1941, als die Neuseeländer beim Frühstück die Silhouetten Hunderte deutscher Fallschirmjäger am Himmel sahen. Daran hätten sich zwölf Tage fürchterlicher Kämpfe angeschlossen. Doch diese düsteren Tage hätten auch manche heroische Tat gesehen. 671 Neuseeländer hätten auf Kreta den Tod gefunden, unter ihnen auch Maori, die Ureinwohner Neuseelands. Und in ihrer Sprache schloss der Botschafter seine Rede: „Ka maumahara tont tatou kia ratou – we will remember them.“

Am Abend schloss sich das australische Gedenken am ANZAC-Mahnmal in Galatas nahe Chania an.

Weißes Denkmal für griechische Kadetten

Hoch oben über dem Kloster von Kolymbari, der Monastiri Gonia, steht ein weißes Denkmal für die griechischen Kadetten, die hier im Nordwesten Kretas in den Kämpfen mit deutschen Fallschirm- und Gebirgsjägern fielen. Nach der Einnahme der Offiziersschule in Athen durch die Wehrmacht hatte die griechische Regierung rund 200 der jungen Soldaten im Kloster Gonia stationiert. Sie sollten die Insel an der Seite der Commonwealth-Truppen bei einem Angriff Deutschlands verteidigen.

Am Donnerstag dieser Gedenkwoche auf Kreta zum Jahrestag erinnerten rund 50 Griechen, Briten, Australier, Neuseeländer und eine Delegation des Volksbundes mit Professor Loretana de Libero aus dem Bundesvorstand an die Opfer des deutschen Angriffs.

„Hymne an die Freiheit“

Nach einer Zeremonie von Vertretern der Orthodoxen Kirche erinnerte Nikolaos Yannopoulos, Kommandeur der 5. Infanterie-Brigade, an die gefallenen Kameraden. Auch der Bürgermeister der Gemeinde Platanias, in der auch der deutsche Soldatenfriedhof Maleme liegt, gedachte der getöteten Kadetten.

Nach dem britischen „God Save The Queen“ und den Nationalhymnen Neuseelands und Australiens intonierte das Armeemusikkorps das griechische „Ymnos is tin Eleftherian“ („Hymne an die Freiheit“), Politiker und andere Vertreter der Zivilgesellschaft sangen lautstark mit.

Nach der Einnahme der Insel 1941 hatten deutsche Soldaten das Kloster verwüstet. Die Mönche waren verhaftet, zum Tode verurteilt, jedoch einige Monate später begnadigt worden. Zuvor war das Kloster, das in seiner Urform zelotische Mönche im 9. Jahrhundert erbaut hatten, bereits fünfmal von den Türken zerstört worden: in den Jahren 1645, 1652, 1822, 1841 und 1857.

Bis Ende der 1960er Jahre wurden in diesen Räumen Gebeine deutscher Soldaten aufbewahrt, die später auf den deutschen Soldatenfriedhof Maleme umgebettet wurden. Heute ist das Kloster – auch bei deutschen Touristen – eine beliebte Sehenswürdigkeit.

Die Gedenkwoche wird mit Veranstaltungen am ANZAC-Denkmal der Australier und Neuseeländer, auf dem britischen Allied War Cemetery Souda Bay und dem deutschen Soldatenfriedhof Maleme fortgesetzt.

Harald John Abteilungsleiter Öffentlichkeitsarbeit

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