Prof. Dr. Michael Stürmer war im Kuratorium der Stiftung "Gedenken und Frieden" (© Volksbund)
Abschied von einem prägenden Historiker
Nachruf auf Prof. Dr. Michael Stürmer
Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Prof. Dr. Michael Stürmer, der am 13. Juli 2026 im Alter von 87 Jahren verstorben ist. Mit ihm verliert Deutschland einen herausragenden Historiker, scharfsinnigen Publizisten, engagierten Berater und überzeugten Vermittler der Erinnerungskultur. Sein wissenschaftliches Werk, seine publizistische Tätigkeit und sein jahrzehntelanges gesellschaftliches Engagement haben die politische und historische Debatte in Deutschland nachhaltig geprägt.
Geboren am 29. September 1938 in Kassel, lehrte Stürmer nach Stationen in Kassel und Erlangen-Nürnberg über viele Jahrzehnte als Professor für Mittlere und Neuere Geschichte. Seine Forschungen, seine zahlreichen Veröffentlichungen und seine Beiträge zu den öffentlichen Debatten seiner Zeit machten ihn weit über die akademische Welt hinaus bekannt.
Historiker und Publizist
Michael Stürmer gehörte zu den profiliertesten Historikern seiner Generation. Als Hochschullehrer, Autor und Journalist verband er historische Analyse mit aktuellen politischen Fragestellungen. Als außenpolitischer Berater von Bundeskanzler Helmut Kohl, Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik sowie als Leitartikler und Korrespondent führender Zeitungen prägte er den politischen Diskurs in Deutschland über Jahrzehnte hinweg.
Sein besonderes Vermächtnis: Engagement für den Volksbund
Ein besonderes Anliegen war Michael Stürmer die Arbeit des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. Über viele Jahre setzte er sich mit großem persönlichem Engagement für die gesellschaftliche Verankerung der Erinnerungskultur ein.
Für ihn waren die Kriegsgräberstätten in Europa weit mehr als historische Zeugnisse. Er verstand sie als Orte des Gedenkens, des Lernens und der Versöhnung, die kommende Generationen an die Folgen von Krieg, Gewalt und menschenverachtender Ideologie erinnern. Mit seiner historischen Expertise, seiner moralischen Autorität und seiner öffentlichen Stimme unterstützte er den Volksbund dabei, die Bedeutung dieser Erinnerungsorte sichtbar zu machen und ihre Botschaft in die Zukunft zu tragen.
Michael Stürmer war überzeugt, dass die Auseinandersetzung mit der Geschichte nicht Selbstzweck ist, sondern eine Voraussetzung für Frieden, Demokratie und internationale Verständigung. Besonders die Bildungs- und Jugendarbeit des Volksbundes fand in ihm einen engagierten Fürsprecher. Durch sein Wirken trug er dazu bei, das öffentliche Bewusstsein für die Bedeutung von Kriegsgräberstätten als Orte historischer Verantwortung und europäischer Versöhnung zu stärken.
„Die Toten können Frieden stiften, sofern die Lebenden sich die Mühe machen, auch die Stimmen aus der Tiefe zu hören. “
Prof. Dr. Michael Stürmer
Einsatz für die Stiftung Gedenken und Frieden
Sein Engagement für die Erinnerungskultur führte ihn auch in das Kuratorium der volksbundeigenen Stiftung Gedenken und Frieden, die vom Volksbund im Jahr 2001 gegründet wurde. Die Stiftung widmet sich der dauerhaften Sicherung von Kriegsgräberstätten als Lernorte und Mahnmale sowie der Förderung historisch-politischer Bildungsarbeit.
Michael Stürmer begleitete diese Arbeit mit großer Überzeugung und Weitsicht. Die Verbindung von historischer Forschung, gesellschaftlicher Verantwortung und praktischer Versöhnungsarbeit war für ihn Ausdruck einer lebendigen Erinnerungskultur und ein wesentlicher Beitrag zur Friedensarbeit in Europa.
Dankbares Gedenken
Mit Michael Stürmer verliert der Volksbund einen geschätzten Kurator, Ratgeber und Fürsprecher. Sein Wirken war geprägt von der Überzeugung, dass Erinnerung eine Voraussetzung für Versöhnung und Frieden ist.
Unser Mitgefühl gilt seiner Familie und allen, die ihm verbunden waren. Wir werden Michael Stürmer ein ehrendes Andenken bewahren. Seine Stimme für Geschichte, Verantwortung und Verständigung wird weiter nachwirken.
