Entstehung einer Ausstellung: Teilnehmerinnen und Teilnehmer der internationalen Jugendbegegnung zu den Nürnberger Prozessen entwickelten gemeinsam Inhalte. (© Christina Söder)
„Against forgetting“: Ausstellungseröffnung in Ysselsteyn
Geschichte und Erinnerungskultur aus der Perspektive junger Europäer
Von jungen Menschen für junge Menschen: Am 26. März eröffnete der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. eine Ausstellung über Kriegsverbrechen und den Holocaust auf der Kriegsgräberstätte Ysselsteyn. Sie ist im Rahmen des internationalen „CERV”-Projekts „Against forgetting – For Peace and Solidarity in Europe” („Gegen das Vergessen – Für Frieden und Solidaritär in Europa“) bei Jugendbegegnungen in sechs Ländern entstanden.
Warum ist es wichtig, die Erinnerung an Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit wachzuhalten? Wie ist die Geschichte von Gewalt und Totalitarismus mit den europäischen Werten verknüpft? Und was bedeutet das historische Erbe für uns heute? Fragen wie diese standen bei dem Projekt im Raum. Die Erkenntnisse flossen in die Ausstellung und in einen Podcast ein.
Rund 100 Besucher aus Deutschland und den Niederlanden waren bei der Eröffnung dabei, zwölf Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer aus Deutschland, Polen und den Niederlanden stellten das „Against forgetting“-Projekt vor und berichteten von ihren Erfahrungen.
Aktiv gegen Geschichtsverfälschung
In einer gemeinsamen Diskussion erklärten die Projektteilnehmerinnen und Teilnehmer ihre Motivation, sich in internationalen Jugendprojekten für Erinnerung und gegen Geschichtsverfälschung einzusetzen. Sie stellten die positiven Erfahrungen des Lernens und Arbeitens in internationalen Gruppen heraus, die es ermöglichen, andere Perspektiven kennenzulernen und Vorurteile abzubauen.
Sie betonten, dass die Geschichte die Gegenwart beeinflusst und es deshalb wichtig sei, sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzen. Im Anschluss an die Einführung hatten die Gäste Zeit, die Ausstellung anzusehen, mit den jungen Leuten zu sprechen und einen Blick auf die Kriegsgräberstätte zu werfen.
Verständigung in Europa
Diese Fragen standen im Fokus von sechs Jugendbegegnungen in Bosnien-Herzegowina, Ungarn, Slowenien, Deutschland, Frankreich und Polen, in denen 178 Jugendliche aus 14 Ländern Europas die Wanderausstellung und einen Podcast im vergangenen Sommer entwickelten. Ziel der Ausstellung: das erworbene Wissen über lokale Kriegsverbrechen mit anderen zu teilen und sie zu Erinnerung und Verständigung in Europa zu motivieren.
Entstanden ist eine multiperspektivische Ausstellung, die das kollektive Erinnern an die Ereignisse in den jeweiligen Ländern vorstellt und dabei auch Kontroversen aufzeigt. Mit dem begleitenden Podcast kann das Publikum nachvollziehen, wie die Erlebnisse bei den jungen Menschen nachhallten – die Besuche von Gedenkstätten ebenso wie etwa das Singen traditioneller Gesänge von Ukrainern, die aus Polen vertriebenen worden waren.
Gegenwart einschätzen
Die Eröffnung der Wanderausstellung im Besucherzentrum der Kriegsgräberstätte Ysselsteyn gestalten zwölf Projektteilnehmerinnen und -teilnehmer aus Deutschland und Polen. Sie berichten von ihren Erfahrungen und laden Schülerinnen und Schüler aus der Umgebung dazu ein, sich mit Kriegsverbrechen auseinanderzusetzen. So können sie ihr Verständnis von Europa vertiefen und Geschichtsverfälschung in der Gegenwart besser erkennen. Die Eröffnungsveranstaltung am 26. März findet auf Englisch statt. Beginn ist 15 Uhr. Interessierte sind herzlich willkommen.
Die englischsprachige Ausstellung ist bis zum 8. Mai täglich von 9 bis 17 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei. Übersetzte Versionen stehen online zur Verfügung. Das Projekt wird gefördert vom Programm „CERV” der EU-Kommission.
Ausstellung auf Wanderschaft
Bis in den Spätsommer tourt die Ausstellung durch alle Länder, die am Projekt „Against forgetting“ beteiligt sind. Alle Termine sind online zu finden unter Exhibition and Podcast.
Text:
Angelika Müller, Bildungsreferentin für Internationale Jugendbegegnungen
Kontakt
Lesen Sie mehr über das Projekt:
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Der Volksbund ist …
… ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag der Bundesregierung Kriegstote im Ausland sucht, birgt und würdig bestattet. Knapp 6.000 waren es im vergangenen Jahr. Der Volksbund pflegt ihre Gräber in 45 Ländern und betreut Angehörige. Mit seinen Jugend- und Bildungsangeboten erreicht er jährlich knapp 50.000 Menschen. Für seine Arbeit ist er dringend auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen.
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