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Augenzeugin hilft beim Fund einer Grablage

Exhumierung von 112 Kriegstoten bei Moskau

Nach mehreren Versuchen, einen Friedhof im Gebiet von Andreewskoje ausfindig zu machen, gelang dem Umbetterteam um Thomas Schock und Denis Deryabkin nun doch der entscheidende Durchbruch. Aktuell exhumiert der Volksbund eine Grablage mit 112 deutschen Soldaten des Zweiten Weltkrieges.

Die Suche nach Grablagen ist alle andere als einfach: Um Kriegstote nach über 75 Jahren bergen zu können – sei es in den Weiten einer Steppe, in abgelegenen Wäldern oder 200-Einwohner-Dörfern – müssen einige Faktoren zusammenspielen. Erfahrene Umbetter gehören dazu, aussagekräftige Dokumente über potenzielle Grablagen ebenso und manchmal auch ein kleines Quäntchen Glück. So geschehen beim jüngsten Fund von 112 Kriegsopfern in der Russischen Föderation.  

Aufgrund der Verlustmeldungen des Bundesarchivs (früher Deutsche Dienststelle) war dem Gräberdienst des Volksbundes bekannt, dass eine größere Grablage des Zweiten Weltkrieges rund 80 Kilometer von Moskau entfernt bestehen musste. „Alte Straße in Andreewskoje“, hieß es, „rechte Straßenseite“.

Babuschka gibt wichtigen Hinweis

Die böse Schwester der Hoffnung: die Ernüchterung. Weit und breit kein Friedhof in Sicht. Deryabkin und sein Team geben jedoch nicht so schnell auf und wissen sich zu helfen: „Oftmals befragen wir die örtliche Bevölkerung, meist ältere Personen der Nachkriegsgeneration, ob sie etwas wissen oder sogar selbst gesehen haben.“ So war eine ältere Frau Zeugin eines Knochenfunds vor 30 Jahren während der Verlegung einer Wasserleitung in Andreewskoje. „An der Stelle dort könnte ein Friedhof sein“, sagte sie. Die Aussage weckt neue Hoffnung, ebenso ein Abgleich mit bisherigen Aufzeichnungen und Recherchen des Gräbernachweises. Die Umbetter beginnen mit der Sondierung.  

Und tatsächlich: Mit Hilfe einer Suchnadel war die erste Reihe des Friedhofes schnell ausfindig gemacht. Aktuell haben die Umbetter bereits 105 der 112 dort vermuteten deutschen Soldaten geborgen. „Gott sei Dank konnten wir die Grablage finden und exhumieren. Einige Gräber sind zerstört. Dennoch konnten wir bisher 50 Erkennungsmarken bergen“, berichtet Deryabkin, Leiter des Umbettunsgdienstes in Russland.

Friedhof ohne Grabzeichen

Gefallen sind die Soldaten nach ersten Einschätzungen in der Schlacht um Moskau, Dezember 1941. Kurz vor dem Rückzug der deutschen Wehrmacht, als die russische Offensive begann. Um jegliche Erinnerungen an die deutsche Wehrmacht zu vernichten, wurden die Grabkreuze des Friedhofes zerstört. Es war Krieg. Zwei Welten prallten aufeinander.

Ohne den entscheidenden Hinweis der „Babuschka“, russisch für ältere Dame oder Oma, wäre der Friedhof vermutlich noch länger unentdeckt geblieben, erklärt Deryabkin. Warum der Knochenfund nicht vor 30 Jahren schon gemeldet wurde, bleibt ein Rätsel. Für einige Angehörige wird jedoch nach langer Zeit ein Vermisstenschicksal geklärt. „Wir hoffen, dass wir möglichst viele der Soldaten identifizieren und dann auch noch die Angehörigen finden können“, so Denis Deryabkin abschließend.

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