Ergebnis nach ausdauernder Recherche: Tote wurden gar nicht umgebettet, sondern ruhten noch immer auf dem Gelände des aufgelösten Friedhofs. (© Volksbund)
Exhumierung in Berhida: Friedhofsgelände als Baugrund verkauft
Nach Überraschungsfund in Budapest führt bei Veszprém mehrjährige Recherche endlich ans Ziel
Noch nie stand der Einsatzort eines Umbetters so sehr im Zentrum der Öffentlichkeit wie das Donau-Ufer in Budapest Anfang August, als Niedrigwasser ein Wehrmachtsmotorrad und zwei Tote freigab. Für Gabor Kohlrusz war die nächste Grablage allerdings weit interessanter: In Behrida exhumierte er für den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. 35 Soldaten – nach langer Recherche.
In den vergangenen drei Jahren hat der Umbetter Puzzleteil für Puzzleteil zusammengesetzt, bis sich endlich ein schlüssiges Bild ergab. „In Budapest habe ich sehr detailliert im Militärarchiv, im Nationalarchiv und im Archiv des Ungarischen Roten Kreuzes recherchiert. Außerdem war ich im Kreisarchiv von Veszprém. Am Ende konnte ich rekonstruieren, was sich in Berhida ereignet hat“, sagt er.
Februar/März 1945
Die Kleinstadt liegt nur wenige Kilometer vom Balaton (Plattensee) entfernt. Dort waren im Februar und März 1945 bis zu 110 deutsche Soldaten in der Veszprémi-Straße auf einem katholischen Friedhof beigesetzt worden.
In den frühen 1980er Jahren wurde dieser Friedhof aufgelöst. Nach offiziellen Angaben bettete man die Soldaten auf einen Friedhof in der Péti-Straße um. Das Gelände wurde anschließend als Baugrund verkauft. Heute stehen dort Einfamilienhäuser.
Wo sind die Toten der Veszprémi-Straße?
1993 wollte der Volksbund die Soldaten auf eine deutsche Kriegsgräberstätte überführen. Doch auf dem Friedhof in der Péti-Straße fanden die Umbetter nur ein kleines Gemeinschaftsgrab und einige Einzelgräber – viel zu wenige, wie aus den Dokumenten hervorging, die damals vorlagen.
Die Experten vermuteten, dass die Soldatengräber in der Zwischenzeit mit zivilen Toten „überbettet“ worden waren. Gabor Kohlrusz aber hielt es für möglich, dass die Lösung in der Veszprémi-Straße zu finden sein könnte – auf der ursprünglichen Grablage.
25 Erkennungsmarken, zwei Grabflaschen
Die Funde in den Archiven schienen ihm Recht zu geben und so machten er und sein Team sich schließlich im Garten eines Privatgrundstücks an die Arbeit – mit großem Erfolg: „Wir fanden 35 Gräber mit Gebeinen, außerdem zehn leere Gräber, aus denen Soldaten umgebettet worden waren“, berichtet Gabor Kohlrusz.
24 gut lesbare Erkennungsmarken und zwei Grabflaschen gehören außerdem zu den Funden. Grabflaschen dienten dazu, Toten ohne Erkennungsmarken ein Schriftstück mit persönlichen Informationen mit ins Grab zu geben, damit sie später identifiziert werden können. „Leider ist das Papier beschädigt”, bedauert der Umbetter.
Weitere Gräber bleiben verschlossen
Der Umbetter geht davon aus, dass der Volksbund die Schicksale der Toten von Berhida in den meisten Fällen klären kann. Doch auch bei günstigen Voraussetzungen wie dort sind dafür viele Schritte nötig (mehr über den Weg zur Identifizierung).
„Die übrigen Soldatengräber befinden sich unter Gebäuden oder betonierten Flächen und sind für uns leider nicht zugänglich“, sagt Kohlrusz. Er dankt dem Grundstückeigentümer, der nichts von den Gräbern wusste und der Exhumierung sofort zugestimmt hatte.
Funde am Donau-Ufer
Sein Dank gilt auch der Bürgermeisterin Margit Pergő, Dr. Balázs Czetz (Generaldirektor des Ungarischen Nationalarchivs) und den Mitarbeitern des „Komitat Archives Veszprém“ (ebenfalls Ungarisches Nationalarchiv) für ihre Hilfe bei der Recherche.
Was die Identität der beiden Toten vom Donau-Ufer angeht, so läuft nach wie vor die Recherche. Der Volksbund hofft, diese Fälle in Zusammenarbeit mit dem Bundesarchiv Berlin (Abteilung Deutsches Reich) möglichst bald klären zu können.
Der Volksbund ist …
… ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag der Bundesregierung Kriegstote im Ausland sucht, birgt und würdig bestattet. Mehr als 5.500 waren es im vergangenen Jahr. Der Volksbund pflegt ihre Gräber in 45 Ländern und betreut Angehörige. Mit seinen Jugend- und Bildungsangeboten erreicht er jährlich knapp 50.000 Menschen. Für seine Arbeit ist er dringend auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen.
