Ehrenamtliche Helfer schließen die Lücken in der Mauer rund um die deutsche Kriegsgräberstätte Montmédy in Frankreich. (© Jessica Purkhardt)
Friedhofspflege Montmédy: großer Dank für Freiwilligen-Einsatz
Starkes Zeichen für gelebte Erinnerungskultur und internationale Verbundenheit
14. Juli, Nationalfeiertag in Frankreich: Die Freiwilligen aus Deutschland, die in der Region Grand Est eine Woche lang Kriegsgräber pflegen wollen, beginnen ihr Programm aus diesem Anlass mit einer Exkursion. Organisiert hat den Einsatz der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V..
Begleitet von einem deutschsprachigen Unterstützer des Volksbund-Partners „Souvenir Français“ besuchen sie die Festung Douaumont nahe Verdun, das dortige Beinhaus und den französischen Soldatenfriedhof. Eine Stadtführung durch Verdun gibt weitere Einblicke in das Ausmaß der Schlachten und die Bedeutung dieses Ortes für die europäische Erinnerungskultur.
Bundeswehr schafft Grundlage
Dann beginnt für die 24 Ehrenamtlichen aus ganz Deutschland der freiwillige Arbeitseinsatz auf dem deutschen Soldatenfriedhof. Unterstützt werden sie von vier Angehörigen der Bundeswehr, die mit einem Reisebus, einem Transportfahrzeug und der täglichen Mittagsverpflegung auf dem Friedhof die logistische Grundlage für den Einsatz schaffen. Untergebracht ist die Gruppe in Stenay.
Kriegstote aus sechs Ländern
1916 als Lazarettfriedhof angelegt, ist die Anlage heute letzte Ruhestätte für mehr als 2.800 Tote des Ersten Weltkrieges, unter ihnen 2.464 deutsche Soldaten. Bestattet sind sie in Einzel- und sechs großen Gemeinschaftsgräbern.
Auch französische, russische, italienische, belgische und britische Gefallene sind hier begraben. Der Volksbund übernahm 1966 nach Abschluss des deutsch-französischen Kriegsgräberabkommens Neugestaltung und Pflege des Friedhofs Montmédy.
Fachgerecht aufgemauert
Die Gruppe befreit die Metallkreuze mit Schwämmen und Seifenlauge von Moos und Schmutz. Der Eingangsbereich und die mit Pflaster eingefassten Gemeinschaftsgräber müssen vom Unkraut befreit und an mehreren Stellen begradigt werden.
Die historische Natursteinmauer am Hang, deren älteste Teile aus dem Jahr 1916 stammen, ist an zwei Stellen eingestürzt. Die Freiwilligen reinigen die Steine und mauern sie fachgerecht neu auf.
Auch ein Altar aus Muschelkalk wird gründlich gesäubert und in entsprechender Farbe neu verfugt. Schließlich reinigen die Ehrenamtler die Namenstafeln der Gefallenen und lackieren sie neu.
Überwältigende Unterstützung
Zweiter Einsatzort ist der Gemeindefriedhof von Montmédy mit deutsch-französischen Soldatengräbern und gemeinsamem Ehrenmal. Die Gruppe verlegt Unkrautvlies, trägt frischen Split auf, säubert die Epitaphe und erneuert die Inschriften.
Die Unterstützung aus dem Ort ist überwältigend. Mitglieder des „Souvenir Français“ besuchen die Gruppe mehrfach, spendieren Getränke und begleiten die Arbeiten mit großem Interesse. Auch der Bürgermeister von Montmédy und Mitarbeiter des örtlichen Tourismusbüros zeigen ihre Wertschätzung. Die Gendarmerie sorgt für nächtlichen Schutz der Baustelle.
Eingeladen von Gemeinde
Am Ende des letzten Arbeitstages wird die Gruppe von der Gemeinde zu einer Führung durch die gewaltige Zitadelle von Montmédy eingeladen – ein beeindruckendes Beispiel historischer Festungsarchitektur.
Den Höhepunkt bildet die Gedenkveranstaltung auf dem Soldatenfriedhof. Zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter des öffentlichen Lebens, Mitglieder des „Souvenir Français“, Geschäftsleute, Bürgerinnen und Bürger aus Montmédy sowie eine Fahnenabordnung nehmen teil.
Die würdige Atmosphäre und die große Anerkennung der französischen Gastgeber für den ehrenamtlichen Einsatz machen deutlich, wie viel gemeinsames Erinnern bewegen kann.
Text: Jessica Purkhardt
Der Volksbund ist ...
… ist ein gemeinnütziger Verein, der dringend auf Spenden und Mitgliedsbeiträge angewiesen ist. Im Auftrag der Bundesregierung sucht und birgt er Kriegstote im Ausland, bestattet sie würdig, pflegt ihre Gräber in 45 Ländern und betreut Angehörige (Abteilung Kriegsgräberdienst). Mit seinen Jugend- und Bildungsangeboten erreicht er jährlich rund 38.000 junge Menschen. Jeden Sommer veranstaltet der Volksbund rund 30 internationale Jugendbegegnungen und Workcamps in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern.
