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Fund von Massengräbern gibt Hoffnung

Volksbund-Umbettung in Danzig-Silberhammer: Exhumierungen an dritter Grablage haben begonnen

Die Nachricht hat ihn elektrisiert und Hoffnung geweckt – die Hoffnung darauf, dass sein Vater nach 76 Jahren eine würdige Ruhestätte findet. Dass er in einem der Massengräber beerdigt ist, die der Volksbund auf dem Danziger Hauptfriedhof Silberhammer gefunden hat, weiß der Sohn, Ulrich Schmidt aus Berlin. Sofort nach Erscheinen des ersten Berichts hat er sich beim Volksbund gemeldet.

Drei Massengräber sind es inzwischen und ein viertes könnte dazukommen. Die Erinnerungen von Augenzeugen hatten an die richtigen Stellen geführt. Bisher sind rund 500 Gefallene aus der ersten Grablage geborgen worden (weiterer Artikel), weitere 120 Kriegstote bettete das Team um Gruppenleiter Matti Milak inzwischen aus der zweiten aus.

Der Vater von Ulrich Schmidt, kaufmännischer Leiter einer Firma in Danzig, war am 22. März 1945 von einer russischen Luftmine getötet worden. In einer Pause zwischen zwei Bombenangriffen hatte er den Luftschutzkeller verlassen, um zu sehen, ob in der Firma noch alles in Ordnung ist. „Wir wissen, dass er am Tag danach in einem Massengrab auf dem Friedhof Silberhammer beigesetzt wurde“, sagt der Sohn.
 

Rund 800 Tote vermutet

Wieviele Kriegstote auf dem zivilen Friedhof Silberhammer insgesamt liegen, ist laut Umbettungsleiter Thomas Schock schwer einzuschätzen. „Aufgrund unserer Sondierungsarbeiten gehen wir von rund 800 Toten aus. Die Arbeiten an der dritten Fundstelle haben gerade erst begonnen.“

Zahlreiche Männer, Frauen und Kinder waren im März 1945 den Luftangriffen auf Danzig (polnisch: Gdansk) zum Opfer gefallen. Hunderte von ihnen liegen hier in einem der Massengräber, zwei Meter tief, zehn Meter lang. Nur wenige Einzelgräber sind verzeichnet.
 

„Tragik des Krieges unmissverständlich“

Matti Milak leitet die „Suchgruppe Ost“ in Polen, die im Auftrag des Volksbundes Kriegstote sucht und ausbettet. Seit 20 Jahren ist er für den Volksbund tätig und hat schon vieles gesehen: „Massengräber zeigen so unmissverständlich die Tragik des Krieges auf. Das geht schon sehr nahe. Dennoch müssen wir als Umbetter emotional Abstand halten können.“ 

Es ist eine Ausbettung, die auch die routinierten Mitarbeitenden des Volksbundes vor technische Herausforderungen stellt, denn die Massengräber sind zu großen Teilen mit zivilen Gräbern, Grabsteinen und Denkmälern aus späterer Zeit überbettet oder überbaut. „Wir haben eine Genehmigung für die Ausbettungen der Kriegstoten auf dem Friedhof“, berichtet Milak, „allerdings dürfen wir unter den zivilen Gräbern nicht exhumieren. Verständlich.“
 

Handarbeit mit Schaufel

Für die Umbetter bedeutet das: Handarbeit mit Schaufel. Üblicherweise wird die oberste Erdschicht mit Hilfe eines Baggers abgetragen – ein Sondierungsgraben wird angelegt –, erst dann kommen leichtere Geräte zum Einsatz, um die Knochen nicht zu beschädigen.

„Was machen Sie da eigentlich?“, fragen Passanten auf dem Hauptfriedhof, die Gräber ihrer Angehörigen besuchen. „Ich freue mich, wenn ich erklären kann, was wir tun und warum wir das machen“, erzählt Milak. „Wir schließen dabei oft neue Freundschaften und tragen zu einem besseren Verständnis der Geschichte bei.“ Gerade Danzig ist ein Ort, an dem deutsche und polnische Geschichte aufeinandertrifft. Milak seufzt: „Es gibt noch viel zu tun.“
 

Eine würdevolle Ruhestätte

Die sterblichen Überreste der Kriegstoten werden aktuell in einem Depot aufbewahrt und gezählt. Finden die Umbetter Erkennungsmarken, werden sie ausgewertet und die Soldaten mit Hilfe des Bundesarchivs Berlin identifiziert. Noch immer gelten unzählige Väter und Großväter als vermisst.

Sobald die Arbeiten am dritten Massengrab beendet sind, werden die Gebeine auf dem Garnisonsfriedhof Danzig eingebettet. Dort gibt es Kriegsgräberstätten für Gefallene verschiedener Nationen und auch ein Areal, das der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge für Zubettungen nutzt. Ulrich Schmidt sagt: „Wenn es eine Ruhestätte mit einer Ehrentafel gibt, wo wir hingehen können und wissen: Da hat der Vater höchstwahrscheinlich seine letzte Ruhe gefunden – das wäre für mich eine große Hilfe. Auch wenn es keine 100-prozentige Sicherheit gibt, dass er dabei ist.“
 

Simone Schmid Referentin Kommunikation/Social Media

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