Volksbund-Präsident Wolfgang Schneiderhan legte auf dem Friedhof in Berlin-Weißensee einen Kranz nieder. Er engagiert sich seit Jahrzehnten für das Andenken der gefallenen deutschen Soldaten jüdischen Glaubens, von denen rund 100.000 im Ersten Weltkrieg kämpften. (© Uwe Zucchi)
Gedenken verpflichtet zur Versöhnung über den Gräbern
Friedhof Weißensee am Volkstrauertag 2025: Appelle gegen den alltäglichen Antisemtismus
Auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee haben hochrangige Vertreter von Bundeswehr, Politik und der Religionen am Volkstrauertag aller gefallenen deutschen Soldaten jüdischen Glaubens des Ersten Weltkrieges gedacht. Auch der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. legte einen Kranz nieder. Im Mittelpunkt stand der Aufruf, sich dem grassierenden Antisemitismus engagiert entgegenzustellen.
Cornelia Seibeld, die Präsidentin des Berliner Abgeordnetenhauses, nutzte die Zeremonie am frühen Sonntagmorgen auf dem Gräberfeld des Jüdischen Friedhofes in Weißensee für einen klaren Appell: „Hier wird deutlich: Gedenken und Verantwortung gehören zusammen!“
Zuvor hatte Seibeld einen Bogen der Judenfeindlichkeit vom Berliner Antisemitismusstreit 1880 über die „Dolchstoßlegende“ nach dem Ersten Weltkrieg bis zum Israel-Hass heutiger Tage geschlagen. „Wir erleben alltäglich Antisemtismus in unserer Stadt“.
Die Opfer sichtbar machen
Auch Brigadegeneral Horst Busch, Kommandeur des Berliner Landeskommandos, betonte die Besonderheit dieses Ortes: „Hier liegen Opfer des Holocaust, hier erinnern Tafeln an die Toten der Konzentrationslager, hier erinnert ein Denkmal an den kommunistischen und jüdischen Widerstandskämpfer Herbert Baum, hier liegen Gefallene deutsche Soldaten jüdischen Glaubens des Ersten Weltkrieges.“
Busch sagte bei seiner Begrüßung auf dem historischen Gräberfeld: „Wir wollen, dass diese Opfer sichtbar sind, wir arbeiten weiterhin an einer Versöhnung über den Gräbern.“
Dank an Wolfgang Schneiderhan
Brigadegeneral Busch begrüßte unter anderem Generalinspekteur General Carsten Breuer, Militärbundesrabbiner Zsolt Balla, Rabbiner Jonah Sievers von der Jüdischen Gemeinde Berlin und Volksbund-Präsident Wolfgang Schneiderhan.
Ihm dankte Horst Busch besonders, weil Schneiderhan die Sanierung des Gräberfeldes und damit auch das Gedenken an die jüdischen Soldaten nicht nur in seiner aktiven Bundeswehr-Zeit stets ein Herzensanliegen gewesen sei. Das gelte noch immer und auch heute noch helfen Soldaten gemeinsam mit dem Volksbund dabei, diese weitläufige Anlage zu pflegen.
„Gedenken verpflichtet“
Bevor die zwölf Kränze zum Gedenken an die in Weißensee bestatteten Toten niedergelegt wurden, formulierte Cornelia Seibeld noch eine zentrale Botschaft für den diesjährigen Volkstrauertag in Berlin: „Gedenken verpflichtet: Hier, heute und an jedem Tag!“
Zentrale Gedenkstunde live in der ARD
Die zentrale Gedenkstunde im Deutschen Bundestag überträgt die ARD heute live ab 13.30 Uhr. Die Hauptrede hält der italienische Staatspräsident Sergio Mattarella. Lesen Sie dazu: Volkstrauertag im Zeichen deutsch-italienischer Freundschaft.
Bisherige Veranstaltungen:
Volkstrauertag: „ein Tag des Nachdenkens und des Aufstehens"
„Wald der Erinnerung“: Ein Ort der Trauer und des Trostes
Im Gedenken verbunden: von Remembrance Day bis Volkstrauertag
„Gedenken verpflichtet: Hier, heute und an jedem Tag!“
Cornelia Seibel, Präsidentin des Berliner Abgeordnetenhauses
Der Volksbund ist...
.… ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag der Bundesregierung Kriegstote im Ausland sucht, birgt und würdig bestattet. Mehr als 10.000 waren es im vergangenen Jahr. Der Volksbund pflegt ihre Gräber in 45 Ländern und betreut Angehörige. Mit seinen Jugend- und Bildungsangeboten erreicht er jährlich rund 38.000 junge Menschen. Für seine Arbeit ist er dringend auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen.
