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Innerer Krieg und Frieden

Auftakt der Gedenkwoche zum 8. Mai: Was die Kriegsenkel bewegt

Ein virtuelles Filmgespräch stand am Beginn der Gedenkwoche des Volksbundes vom 3. bis 9. Mai zu 76 Jahren Kriegsende. Im Mittelpunkt: die Produktion „Der Krieg in mir“, die jetzt erstmals im ZDF lief und in der Mediathek zu sehen ist. Regisseur Sebastian Heinzel thematisiert darin die Spätfolgen des Zweiten Weltkrieges und ihre Auswirkungen auf die Generation der Kriegsenkel. Gesprächspartner waren der Regisseur, sein Vater Klaus als Protagonist und die Therapeutin Ingrid Meyer-Legrand.

Ein Birkenwald, Panzer in einer osteuropäisch wirkenden Landschaft. Menschen, die Russisch sprechen. Immer wieder hat Sebastian Heinzel diesen Traum erleben müssen. Im Filmgespräch, das von der Volksbund-Abteilungsleiterin Dr. Heike Dörrenbächer mit knapp 200 Teilnehmern im YouTube-Format moderiert wurde, sagte der Schwabe: „Es waren wiederkehrende Träume, starke innere Bilder.“ Im Alter von 25 Jahren habe das begonnen. Sein Vater Klaus Heinzel sagte auf Nachfrage: „Ich hatte diese Träume auch, so mit 14, 15 Jahren.“
 

Sehnsuchtsort Weißrussland

Erst Jahre später lernte Sebastian Heinzel, dass auch andere seiner Generation unter dieser Art von Träumen litten. Und dass diese innere Getriebenheit Teil eines langfristig wirkenden Traumas sein kann. Zehn-, zwanzigmal sei er in seinem Leben umgezogen, berichtete Heinzel und sieht auch da einen Zusammenhang.

Immer wieder sei er nach Weißrussland gereist, um dort Filme zu drehen. Doch erst, als er sich auf die Suche nach den Lebensspuren seines Großvaters gemacht habe, habe er erfahren, dass sein Großvater einst in diesem Land gekämpft hatte. Da war sie wieder, die Landschaft mit Birken, Panzern, Kriegsbedrohung. Transgenerationale Weitergabe von Kriegstraumata ist das Stichwort.
 

Die Verantwortung der Enkel

Die Frage, ob diese genetische Weitergabe für alle Zeiten angelegt sei, beantwortete die Therapeutin Ingrid Meyer-Legrand mit einem „Jein“: Ja, es handele sich um eine genetische Weitergabe. Aber die Kriegsenkel könnten diese Energie als Ressource nutzen und die biographische Frage stellen, wie die Vorväter in die Katastrophe geraten konnten. Meyer-Legrand: „Die Kriegsenkel haben keine Schuld, aber sie tragen eine Verantwortung.“ Allerdings, ergänzte Heike Dörrenbächer, müsse die Frage „Wer ist Täter? Wer ist Opfer?“ schon gestellt werden.

Ein Thema, das bei der folgenden Diskussion aufkam, betraf die nachgespielten Kriegsszenen ­– „Re-Encatments“ – in einem Themenpark namens „Stalin-Linie“. Dort kämpft Sebastian Heinzel im Film in der Uniform seines Großvaters gegen Rotarmisten. „Ich wollte in seine Haut schlüpfen, wollte eine Ahnung davon bekommen, wie es ist, ein Soldat zu sein.“ Am Ende des Kampfes steht der vorgeblich verwundete Heinzel vor dem Publikum, das Gesicht mit Filmblut verschmiert, und nimmt den Applaus entgegen. „Das sind Szenen, die polarisieren“, antwortet der Filmemacher seinen Kritikern im Chat.
 

„Die Ahnen ahnen“

„Wie war das für Sie, zu kämpfen, Sebastian?“, will Therapeutin Meyer-Legrand wissen. Er habe einen unwahrscheinlichen Widerstand gespürt, gibt Heinzel zu. Und er habe Angst gehabt, vom Panzer zu fallen. Aber er habe einen Eindruck bekommen, was der Krieg für seinen Großvater bedeutet habe. „Die Ahnen ahnen“, nennt das die Therapeutin.

Klaus Heinzel hat ebenfalls nicht bereut, sich gemeinsam mit seinem Sohn auf die Spuren des Vaters gemacht zu haben, auch wenn es anfangs sehr widerwillig geschehen sei. Sein Fazit steht für ein sehr bemerkenswertes Filmgespräch mit vielen inneren Befindlichkeiten: „Ich habe nicht den Krieg in mir gefunden, sondern den Frieden.“

Den Film "Der Krieg in mir" finden Sie in der ZDF-Mediathek und das Filmgespräch auf YouTube.
 

Harald John Abteilungsleiter Öffentlichkeitsarbeit

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