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Jakarta – Moskau – Ulm: Odyssee einer Zehnjährigen 1940/41

Zeitzeugen-Projekt – Gespräch mit Liselotte Holbeck (95) aus Bad Neuenahr-Ahrweiler

Ungewissheit und Angst um den Vater begleiteten die zehnjährige Liselotte und ihre Mutter 1940 auf einer unglaublichen Odyssee: von Indonesien über Japan und Moskau nach Deutschland. Die heute 95-Jährige ist dem Zeitzeugen-Aufruf des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. gefolgt und berichtet vom Zweiten Weltkrieg und der Zeit danach.
 

Von Flucht spricht Liselotte Holbeck nicht, wenn sie sich an Jakarta, die Stadt ihrer Kindheit, erinnert. Mutter und Tochter hätten bleiben können, wären vermutlich inhaftiert worden – wie der Vater, dessen ungewisses Schicksal sie jahrelang quälte.

Nach dem Einmarsch der Wehrmacht in die Niederlande waren in der niederländischen Kolonie alle deutschen Männer in ein Lager auf Sumatra gebracht worden. „Wenn wir gewusst hätten, was zuhause passiert mit den Bombenangriffen, wären wir wahrscheinlich nicht nach Hause gefahren“, sagt sie. Zum Zuhause wurde Ulm, wo die Großeltern lebten.
 

So schnell wie möglich über die Grenze

Mit einem Frachtschiff nach Japan, mit dem letztenTranssibirien-Express” nach Moskau, von da auf Anraten der Deutschen Botschaft so bald wie möglich weiter nach Westen, solange die russische Grenze noch passierbar war … „Da wusste die Politik schon längst, dass wir in Russland einmarschieren wollen“, wurde der Zeitzeugin später klar.

Mit nichts kamen Mutter und Tochter bei den Großeltern an. Doch nicht an einem sicheren Ort: Am 17. Dezember 1944 fielen Bomben auf Ulm, der schwerste Luftangriff mit Hunderten Toten. Rund 25.000 Menschen wurden obdachlos …

Das Gespräch führten Melissa Grosche (Zeitzeugen-Projekt) und Simone Schmid (Video).
 

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Das Zeitzeugen-Projekt

Videos von Gesprächen über den Zweiten Weltkrieg veröffentlicht der Volksbund seit einigen Jahren. Dank des Zeitzeugen-Projekts kommen jetzt weitere hinzu. Sie gehören zu #volksbundhistory – einer Rubrik, unter der der Volksbund einen Blog, Biographien, Ausstellungen und eben diese Videos bündelt. Aus schriftlichen Erinnerungen ist das jüngste Buch entstanden (Band 24 der Volksbund-Reihe): „Erinnerungen – Wie der Zweite Weltkrieg zu Ende ging”. Gerne kostenfrei bestellen – der Volksbund freut sich über eine Spende!
 

Der Volksbund ist …

… ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag der Bundesregierung Kriegstote im Ausland sucht, birgt und würdig bestattet. Knapp 6.000 waren es im vergangenen Jahr. Der Volksbund pflegt ihre Gräber in 45 Ländern und betreut Angehörige. Mit seinen Jugend- und Bildungsangeboten erreicht er jährlich rund 38.000 junge Menschen. Für seine Arbeit ist er dringend auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen.

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