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Kriegsende 1945: „Wir hatten keine Zeit, wir mussten überleben"

Zeitzeugen-Projekt – Gespräch mit Rosemarie Schadeck (98) aus Bad Neuenahr-Ahrweiler

Hellwach die Augen, hellwach der Geist – so sitzt Rosemarie Schadeck ihrer Gesprächspartnerin gegenüber und erzählt von ihrer Kindheit und Jugend. Geboren 1927, ist sie eine der ältesten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, die sich auf den Aufruf des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e. V. zum Kriegsende 1945 gemeldet hatten. Melissa Grosche und Simone Schmid haben sie in Bad Neuenahr-Ahrweiler besucht. 
 

„Es war ja hoffnungslos alles. Ich habe da noch die letzten Briefe meines damaligen Freundes. Da steht ganz klar drin: ‘Wir brauchen uns keine Illusionen mehr zu machen: Den Krieg haben wir verloren.’ Er hat auch damit gerechnet, dass er den Krieg nicht überleben würde”, sagt die zierliche Frau.
 

Letzte Begegnung in Dresden

Sie traf sich mit ihrer Jugendliebe in Dresden – acht Tag vor dem verheerenden Bombenangriff auf die sächsische Hauptstadt am 13. Februar 1945. Kurz vor Kriegsende wurde der junge Mann noch eingezogen. Er starb im Harz – ein Kamerad sah ihn tot liegen, konnte ihn aber nicht begraben. Bis heute ist sein Schicksal ungeklärt.

Rosemarie Schadeck erinnert sich genau – an ihre Kindheit in Wiesbaden, den Umzug 1937 nach Frankenberg in Sachsen, ihre Zeit als „Jungmädel”, den Reichsarbeitsdienst auf Bauernhöfen im Erzgebirge, das letzte Wiedersehen mit ihrem Freund …
 

Häkeln fürs Überleben

Die Russen vertrieben die Familie aus ihrem Haus in Sachsen, später zog sie in den Westen: zu den Großeltern ins Oberbergische bei Köln. Dort erlebte Rosemarie Schadeck den Hungerwinter 1946/47, verdiente als Heimarbeiterin gerade genug: „Ich häkelte für 36 Mark die Woche, meine Mutter auch, davon mussten wir leben“ …
 

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Das Zeitzeugen-Projekt

Videos von Gesprächen über den Zweiten Weltkrieg veröffentlicht der Volksbund seit einigen Jahren. Dank des Zeitzeugen-Projekts kommen jetzt weitere hinzu. Sie gehören zu #volksbundhistory – einer Rubrik, unter der der Volksbund einen Blog, Biographien, Ausstellungen und eben diese Videos bündelt. Aus schriftlichen Erinnerungen ist das jüngste Buch entstanden (Band 24 der Volksbund-Reihe): „Erinnerungen – Wie der Zweite Weltkrieg zu Ende ging”. Gerne kostenfrei bestellen – der Volksbund freut sich über eine Spende!
 

Der Volksbund ist …

… ein gemeinnütziger Verein, der im Auftrag der Bundesregierung Kriegstote im Ausland sucht, birgt und würdig bestattet. Knapp 6.000 waren es im vergangenen Jahr. Der Volksbund pflegt ihre Gräber in 45 Ländern und betreut Angehörige. Mit seinen Jugend- und Bildungsangeboten erreicht er jährlich rund 38.000 junge Menschen. Für seine Arbeit ist er dringend auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen.
 

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